

Liebe Schachfreundinnen und Schachfreunde,
seit dem Bundeskongress darf ich mich als neu gewählter Vizepräsident Verbandsentwicklung in die Arbeit des Deutschen Schachbundes einbringen. Ich freue mich sehr auf die kommenden Aufgaben und auf die Zusammenarbeit mit Euch allen.
Schach lebt vom Engagement seiner Mitglieder – ob am Brett, im Training, in der Vereinsarbeit oder bei der Organisation von schachlichen Veranstaltungen. Als Vizepräsident Verbandsentwicklung liegt mir besonders am Herzen, dass wir gemeinsam Strukturen schaffen, die unser Spiel nachhaltig stärken und weiterentwickeln. Dabei steht immer der Mensch im Mittelpunkt, denn unser Verband lebt durch seine Ehrenamtlichen und die vielen kreativen Ideen an der Basis. Dabei ist mir wichtig, Bewährtes zu stärken und gleichzeitig Raum für neue Impulse zu schaffen – in enger Abstimmung mit unseren Mitgliedsverbänden und Referaten.
In diesem Newsletter geben wir Einblicke in aktuelle Projekte und anstehende Initiativen. Ich lade Euch herzlich ein, Euch einzubringen, mitzudenken und die Entwicklung unseres Schachbundes aktiv mitzugestalten.
Herzliche Grüße
Jannik Kiesel
Vizepräsident Verbandsentwicklung
Deutscher Schachbund e. V.

Beginnen wir mit einer Meldung in eigener Sache. Auch, weil sie Auswirkungen auf diesen Newsletter hat. In Deggendorf, bei der Endrunde der Bundesliga, gab es im gemeinsamen Hotel ein Gespräch mit Matthias Wolf, dem Leiter der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit des DSB und Raj Tischbierek. Ein Großmeister, der auch Journalist ist – das musste ein gutes Gespräch werden. Und so kam es, dass ab dem 1. Juli Raj Tischbierek für den DSB arbeitet, auf Minijob-Basis. Die Besucher werden auf unserer Homepage seit Kurzem schon seine erste monatliche Kolumne finden, in denen er einen kritischen Blick auf die Schachszene wirft. Außerdem wirkt er im Bereich des Newsletters (auch schon bei dieser Ausgabe) und bei der Kommentierung von Großereignissen mit. Lasst Euch überraschen. Wir im DSB-Team Öffentlichkeitsarbeit freuen uns jedenfalls über einen ebenso prominenten wie fachkundigen Neuzugang.

Efimenko übernimmt das Frauenteam
Der DSB hat einen neuen Frauen-Bundestrainer. Zahar Efimenko, 40, hat sich im Auswahlverfahren durchgesetzt, bei dem es eine ungewöhnliche Komponente gab: Der Ukrainer mit Wohnsitz in Delmenhorst trainierte die DSB-Kaderspielerinnen in einer Probeeinheit online. Das kam bei den Spielerinnen sehr gut an. Erster großer Termin für Efimenko wird die Team-Europameisterschaft ab 4. Oktober in Georgien sein. Er sagt: „Im Moment ist die Konkurrenz im Frauenschach sehr groß. Viele Länder haben ernsthafte Anstrengungen in dieser Richtung unternommen, wollen das Frauenschach fördern - und sie haben teilweise sehr große Fortschritte gemacht. Daher denke ich, dass es ein erfolgreiches Ergebnis wäre, wenn die deutsche Mannschaft im Endergebnis unter den Top Ten landen kann. Dafür wäre es aber wichtig, dass wir mit den stärksten Spielerinnen an der kommenden Europameisterschaft in Batumi teilnehmen können.“ Er sehe jedenfalls „ein gutes Potenzial im deutschen Frauenschach“.
Bericht: "In jeder Bewerbungsrunde überzeugend" - Zahar Efimenko übernimmt das Frauen-Nationalteam.

Der Deutsche Schachbund und der marktführende Sportartikelhersteller 11teamsports (mit Partner adidas) haben einen Vertrag bezüglich der Teamausstattung im Schach geschlossen. Davon profitieren nicht nur die Besten – wie bereits bei den Deutschen Meisterschaften in München praktiziert –, vielmehr haben alle Mitglieder des DSB ab sofort die Möglichkeit, Kleidung und Equipment mit DSB-Logo von adidas im 11teamsports-Onlineshop zu stark rabattierten Preisen zu erwerben! Ein Muss für Vereine, die sich zu ihren Punktspielen einheitlich kleiden wollen, hochinteressantes Angebot!
Ansprechpartner bei Teambestellungen: jan.gaugel@11teamsports.com

»Es ist ein Grundbedürfnis der Deutschen, beim Biere schlecht über die Regierung zu reden«, wusste Reichskanzler Otto von Bismarck schon 1882.
Nach dem, was man hört, profitierte »die Regierung«, in persona DSB-Präsidentin Ingrid Lauterbach, 143 Jahre später beim Bundeskongress des Deutschen Schachbundes davon, dass ganz unverblümt »schlecht« über sie vorgetragen wurde. Ein Bärendienst für Herausforderer Paul Meyer-Dunker, die geheime Wahl sah Lauterbach knapp mit 116 zu 103 in Front. Neue Gesichter, die Sie auf dieser Seite an anderer Stelle kennenlernen können, gibt es beim DSB dennoch zur Genüge:

Nahezu alles, was im deutschen Schach Rang und Namen hat, versammelte sich zu dem, was lange die Masters waren und jetzt endlich auch offiziell die Deutschen Meisterschaften sind. Daneben gab es für die zweite Reihe die »Kandidatenturniere« und zahlreiche Rahmenveranstaltungen nicht nur schachlicher Natur: ein Symposium zum Gedenken an Wolfgang Unzicker, einen Runden Tisch zur Erinnerung an den im Januar verstorbenen Robert Hübner sowie eine Ausstellung der Arbeiten des in Aschersleben geborenen, in den letzten Jahren in die Schachfotografenelite aufgestiegenen Stev Bonhage.
Die sportlich spannendste Frage war, wie Vincent Keymer mit seiner Favoritenrolle fertig werden und dem Ansturm der Blübaum, Svane & Co. würde trotzen können, die so mancher im Vorfeld klassisch annähernd auf Augenhöhe mit unserer Nr. 1 wähnte. Souverän! Vincents Auftritt glich einer Machtdemonstration. U. a. schlug er die beiden o. g. im direkten Vergleich und sein Sieg mit eineinhalb Punkten Vorsprung wäre noch triumphaler ausgefallen, hätte er in der Schlussrunde nicht eine Gewinnstellung gegen Alexander Donchenko verloren. Das jahrelange Training mit Peter Leko, die vielen Begegnungen mit der absoluten Weltklasse und nicht zuletzt die Erfahrungen als Sekundant von Weltmeister Gukesh sind offenbar Pfunde, mit denen sich wuchern lässt!
Bei den Frauen gingen Dinara Wagner und Hanna Marie Klek gemeinsam durchs Ziel, Dinara entschied den fälligen Stichkampf mit 2:0 für sich. Unter dem Strich wohl verdient, denn sie hatte auch schon das direkte Aufeinandertreffen im Turnier für sich entschieden und zudem in der 9. Runde eine Gewinnstellung gegen Kateryna Dolzhykova versiebt. Ausgangspunkt einer wieder nach oben zeigende Formkurve?
Erwähnt werden muss der zweite Platz von Christian Glöckler bei der abschließenden Deutschen Blitz-Meisterschaft. Hinter Rasmus Svane, aber vor Blübaum, Donchenko, Frederik Svane usw.! Im Kandidatenturnier war der 13-Jährige mit einer Performance von 2509 Fünfter geworden. Sicher eine Enttäuschung für ihn. Es gehört dennoch nicht viel Phantasie dazu, ihn im nächsten Jahr beim Gipfel-Comeback in Dresden (16.-26.7.26) im Kreise der Besten zu sehen.

Matthias Blübaum
… ist der erste Doppel-Europameister der Schachgeschichte. Für unsere Rubrik hat Raj Tischbierek nochmal beim Großmeister aus Lemgo nachgehakt:
1) Wenn du einen Moment benennen müsstest, also nur einen Zug oder eine kurze Zugfolge, welcher war der wichtigste für deinen Titelgewinn?
Das war in meiner Partie der 7. Runde gegen den zuvor noch führenden Juffa. Als ich die Stellung beginnend mit 23. Td3! sehr präzise behandelt habe und schließlich gewinnen konnte.

Diagramm nach 22… dxc6
Ich hatte kurz zuvor eine taktische Wendung übersehen und schwebte nun ob der mächtigen schwarzen Springer vor meinem König in Gefahr. Schwarz droht die Offenlegung der langen Diagonale mit 23… c5+ und sofortiger Vernichtung, da nach 24. f3 Se3+ die weiße Dame verloren geht.
23. Td3! Deckt das Feld e3.
a) Von meinem ersten Gedanken 23. Lc1? kam ich ab, nachdem ich bis 23… c5+ 24. f3 Sxf3! 25. Dxe6+ (25. Txf3 Sh4+) 25… Kh8 26. Dd5 Db8! (siehe nachfolgendes Diagramm) gerechnet hatte, wonach Weiß drei Möglichkeiten hat, den Sf3 zu schlagen, die jedoch alle chancenlos verlieren.

Analysediagramm
b) 23. Dc5? verstellt den c-Bauern, aber darauf pirscht sich die schwarze Dame mit 23… De8! über g6 oder h5 an den weißen König ran.
23… c5+ 24. f3 cxb4
Hier stünde Schwarz nach 24… Sxf3? 25. Tfxf3 (25. Tdxd3?? Se3+) mit leeren Händen da; Weiß kontrolliert alle wichtigen Felder.

25. Lc1!
Der letzte wichtige Zug, der einen der schwarzen Angriffsspringer aufs Korn nimmt. Ich musste dabei erkennen, dass der jetzt auf c2 eindringende Turm keinen Schaden anrichten kann.
25. Dxb4?! Tb8 oder 25. axb4?! Tc8 wäre weniger klar.
25… Tc8 26. Dxb4 Tc2+ 27. Ld2
Nur so. Alles andere würde sogar verlieren.
27… h6
Schwarz hat nichts Besseres.
28. Kh1

Die mit 23. Td3! eingeleitete Sequenz ist abgeschlossen. Weiß hat seine Mehrqualität konsolidiert und steht klar besser. … 1-0 (41)
2) Eigentlich bist du vom Stil her, den ich mindestens als semi-solide bezeichnen würde, kein Open-Spezialist. Hast du eine Erklärung dafür, dass es nun ausgerechnet bei der EM gleich zweimal so gewaltig gefunkt hat?
Eine richtige Erklärung habe ich auch nicht. Ja, grundsätzlich bin ich schon recht solide, würde aber sagen, dass ich besonders mit Weiß auch gut darin bin, gegen ratingmäßig gleichstarke oder schwächere Spieler Gewinnchancen zu kreieren. Und wie schon vor drei Jahren hatte ich diesmal plötzlich einen Lauf: ich habe alle guten Stellungen gewonnen, was normalerweise nicht gelingt.
3) Seit fünf, sechs Jahren bewegst du dich beständig um Elo 2650 herum. Ein echter Run auf die 2700 ist zumindest zahlenmäßig nicht zu erkennen. Auch wenn die beiden EM-Titel eine andere Sprache sprechen: hast du dein Potenzial ausgereizt?
Bislang haben sich gute immer mit schlechteren Phasen abgewechselt, mir fehlte die nötige Konstanz. Dass ich mein Potenzial ausgeschöpft habe, würde ich nicht sagen, noch sehe ich Luft nach oben. Die 2700 sind und bleiben mein Ziel!

Durch die Partnerschaft des DSB mit der Maritim-Hotelgesellschaft mbH gibt es verschiedene Vergünstigungen für DSAM-Spielerinnen und -Spieler und Begleitpersonen. Darüber hinaus erhalten alle DSB-Mitglieder seit dem 1. September 2024 bei Übernachtungen in einem Hotel der Maritim-Hotelgruppe - unabhängig von einem DSAM-Turnier – einen Rabatt von 12 Prozent auf die tagesaktuellen Preise. Maritim-Hotels gibt es an 25 Standorten, verteilt über ganz Deutschland.

So lange mir Fragen einfallen, von denen ich hoffen darf, dass Sie sich die Zähne daran ausbeißen bzw. so lange die KI's bei Fragen mit Bezug zum Schach bzw. der Schachhistorie noch häufig im Dunkeln tappen, werde ich hier künftig mit einem Quiz Ihr Schachwissen testen. 7/10 sind nicht nur in Turnieren ein ausgezeichnetes Resultat, sondern, denke ich, auch hier. Ich bin gespannt auf Ihre "Quiz-Elo"!
Raj Tischbierek

Ein kurzer Rückblick auf die DSAM seit dem letzten Newsletter:
Magdeburg (4.-6. April)
716 Teilnehmer bei der sechsten Etappe der Deutschen Schach-Amateurmeisterschaft (DSAM) der Saison 2024/25 im Hotel Maritim! Elo 748 (bzw. ohne) bis 2338 gibt es auch anderswo, aber 85 Jahre zwischen dem ältesten (Joachim Thielemann, 91) und dem jüngsten (Martin Trifonov, 6) Teilnehmer?
Bericht: 716 Teilnehmer bei der DSAM in Magdeburg. "Keine Eitelkeit und Rivalität, sondern Freundschaft."
Travemünde (23.-25. Mai)
Die siebente DSAM-Etappe, die letzte vor dem großen Finale in Bad Wildungen, verwöhnte ihre Aficionados mit Seeklima, fiel rein statistisch gesehen gegenüber Magdeburg (s. o.) allerdings etwas ab: »nur« 508 Teilnehmer und »nur« 84 Jahre zwischen dem ältesten Teilnehmer, Egon Raitza, 90, und der jüngsten Teilnehmerin, Thea Jöhnke, 6. Trotz seines betagten Alters war Egon wenige Jahre zuvor parallel zu seinem schachlichen Engagement noch auf Freiersfüßen unterwegs und führte schließlich die ebenfalls in Travemünde am Brett sitzende, zwölf Jahre jüngere Rosemarie Müller vor den Altar.
Bericht: »Spätes Glück – dank Schach.« Eine tolle Geschichte!
Das Finale (17. – 20 Juli) in Bad Wildungen
320 Teilnehmer traten dort an, wo die Turnierserie 2024/25 Auch begonnen hatte: Im Maritim in Bad Wildungen. Es gab bewegende Momente (wie die Ehrung für Ingrid Schulz mit der silbernen DSB-Ehrennadel, auf die Standing Ovations folgten), es gab Highlights am Rande, die man nur so beschreiben kann: Es war wieder eine große Schachparty. Und es gab leider auch einen, der zu oft aufs Klo musste – das mit Handy und offener Schach-App tat – also Cheating!

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Raj Tischbierek dreht den Scheinwerfer. News vermischt er mit persönlichen Anmerkungen:
Paris (9.-15. April)
Als Vincent Keymer bei der zweiten Etappe der Freestyle Chess Grand Slam Tour 2025 in der Round-Robin-Vorrunde alle Hände voll zu tun hatte, unter die ersten Acht zu gelangen, die ins Viertelfinale einzogen, hielt ich das für ein gutes Omen. Gleiches war auch zwei Monate zuvor in Weissenhaus passiert, wo er anschließend mit Alireza Firouzja, Magnus Carlsen und Fabiano Caruana in Viertel-, Halb- und Finale die Crème de la Crème in den 90‘+30‘‘-Partien jeweils mit 1½:½ schlug. Was mit 200.000 US-Dollar vergütet wurde.
Mit dem Viertelfinalsieg gegen Jan Njepomnjaschtschi schien der 20-jährige Deutsche in Paris auf gutem Wege, das Husarenstück aus dem Freestyle-Mekka zu wiederholen. Aber dann war gegen Hikaru Nakamura Endstation (der im Finale Carlsen unterlag) und auch das Match um Platz 3 gegen Caruana ging verloren.
Bei der Frage, warum die Topleute keine Europameisterschaft spielen, werden »profitablere Events« ins Feld geführt: Keymers Preisgeld von 60.000 US-$ für Rang 4 entsprach fast dem Vierfachen dessen, was die auf Platz 1 bis 3 punktgleichen Blübaum, F. Svane und Maxim Rodshtein (Israel) bei der EM kassiert hatten (je 15.000 EUR).
Karlsruhe (17.-21. April)
Die Vorsilbe »un« wird mindestens in der Sportberichterstattung des öffentlichen wie privaten Fernsehens überstrapaziert, ganz oben rangiert »unfassbar«. Als »unglaublich« weise erwies sich jüngst eine Remisofferte nach fünf Zügen.
Noch deutlich öfter »unen« müssen wir bei der Betrachtung des Grenke-Schachfestivals über Ostern. Neben den drei Open im »Normalschach« wurden spielstärkeabgestuft erstmals auch drei offene Turniere im Freestyle (bzw. Schach960) ausgetragen. Als »Möglichmacher« (O-Ton Turnierdirektor Sven Noppes) fungierte Freestyle-Enfant-Terrible Jan Henric Buettner. Er sorgte dafür, dass der Preisfonds im Schach ohne Eröffnungstheorie mit 215.250 EUR dreieinhalb Mal so hoch war wie bei Max & Erika Mustermann (60.250 EUR, jeweils in der A-Gruppe). Das hatte weniger quantitative, aber massive qualitative Auswirkungen: die Startrangliste der 960er las sich wie das Who is Who des Weltschachs (1-10): Carlsen. Erigaisi, Caruana, Njepomnjaschtschi, Aravindh, Mamedjarow, So, Aronjan, Dominguez, Niemann! Und etwas tiefer auch unsere komplette Nationalmannschaft: Keymer (14), F. Svane (24), Blübaum (26), R. Svane (36) und Kollars (37).
Und was wird in der Erinnerung haften bleiben? Mehr als 3.000 Teilnehmer insgesamt in den sechs Turnieren und der Carlsen-Durchmarsch mit 9/9!

Endrunde in Deggendorf (25.-27. April) und Finale 2026 in Berlin
Eine abschließende zentrale Runde der Bundesliga mit allen 16 Mannschaften ist das Salz in der Suppe der »stärksten Liga der Welt«, dazu die zwölf Frauenteams der höchsten deutschen Spielklasse (was kontrovers diskutiert wird). Kein Carlsen, Gukesh oder Nakamura diesmal, aber jede Menge Schachprominenz. Beklagt wurde die dezentrale Ausrichtung am »Tor zum Bayerischen Wald«, die einer angemessenen Vermarktung im Wege stehe. Aber dafür konnten die Deggendorfer nichts, die die einzigen waren, die sich beworben hatten, ein tolles Wochenende auf die Beine stellten – und mit dem auf der Kippe stehenden Klassenerhalt belohnt wurden.
Oben waren alle Messen gesungen, zu deutlich hatte der Düsseldorfer SK die Saison dominiert. Sponsor Wadim Rosenstein gönnte sich gegen den SC Heimbach-Weis-Neuwied sogar selbst einen Einsatz. Anschließend gab er bekannt, sein finanzielles Engagement in der kommenden Saison deutlich herunterzufahren. Keine indischen Tänze also mehr (vermutlich), aber Teamchef Jan Werner zeigte sich guter Hoffnung, trotz des Aderlasses eine neue, bundesligataugliche Truppe formen zu können.
Auch bei den Frauen gab es keine Verwerfungen mehr: der SC 1957 Bad Königshofen mit seinem nimmermüden Spiritus rector Jürgen Müller ließ bei seinem vierten Titelgewinn die nominell stärkeren Teams aus Baden-Baden und Schwäbisch Hall hinter sich.
Die DSB-Öffentlichkeitsarbeit hat hier jedenfalls schon eine brandheiße Bundesliga-Info für Euch: Ende April 2026 wird die Endrunde der offenen Bundesliga in Berlin stattfinden – im Willy-Brandt-Haus. Der Berliner Verbandschef Paul Meyer-Dunker hat das Turnier an Land gezogen, die Location ist natürlich spitze – es wird eine Art Abschiedsgeschenk, er gibt sein Amt wie geplant im Mai 2026 ab. Die Frauen wollen mit ihrer Bundesliga wieder separat antreten – hier folgt noch die Info zum Spielort.

Bad Neuenahr (11.-19. Juni)
Kurpark, Thermalquellen, Spielbank – und Deutsche Senioren-Einzelmeisterschaft Wie so viele »Bäder« ist auch Neuenahr eines mit Schachtraditionen: von 1978 bis 1991 fanden hier Deutsche Meisterschaften statt. Eine willkommene Gelegenheit, an den im Mai von uns gegangenen Vlastimil Hort zu erinnern, der daselbst 1987, 1989 und 1991 dreimal en suite den Titel holte. »Bittääh, dankääh, Maschinääh, verstäähst du?« Könnten Buchstaben Preise vergeben, wäre das »ä« nicht an ihm vorbei gekommen! Schon allein deshalb passten die Deutsche Senioren Einzelmeisterschaften wunderbar zu Bad Neuenahr; viele der Teilnehmer werden den großen tschechoslowakisch-deutschen Schach-Entertainer persönlich gekannt haben.
Geehrt wurde der scheidende DSB-Referent für Seniorenschach Wolfgang Block, der zum Abschied auch mahnende Worte fand: In der Seniorenkommission herrsche zu viel Kirchturmdenken. »Jeder Landesverband denkt in erster Linie nur an sich, hat seine Interessen im Blick – das muss besser werden.« Erinnert sei daran, dass Deutschland nicht nur im Problem- und Fernschach, sondern auch bei den Senioren zu den (mindestens) führenden Nationen gehört!
An anderer Stelle feiern wir einen deutschen Doppel-Europameister, da ist es unsere verdammte Pflicht und Schuldigkeit, einen dreifachen deutschen Weltmeister zu würdigen. Raj Tischbierek tut das sehr gerne. Er schreibt:
Während der Pandemie habe ich ein wenig in die Kompositions-Szene reingeschnuppert und dabei (anders als zum Beispiel Jan Timman oder auch Jan Sprenger, um bei den »richtigen« Schachspielern zu bleiben) letztlich nur fast mein Herz, aber beim Redigieren einiger Beiträge für SCHACH regelmäßig den Kopf verloren! Versuchen Sie, unter u. g. Link Baiers »Beweispartie« zu durchdringen, dann wissen Sie, a) wovon ich spreche und verlieren b), so es Ihnen denn gelingt, ein wenig die Angst vor der nächsten Pandemie. Alle Schach960-Liebhaber sollten zu einem Grundkurs im Lösen von Schachproblemen gezwungen werden! »Wäägen däär Äästääthik, verstäähst du!?«
Bericht: Silvio Baier konnte Kompositionsweltmeistertitel erneut verteidigen

Augsburg (14./15. Juni)
Die Deutsche Pokal-Mannschaftsmeisterschaft führt traditionell ein Mauerblümchendasein. Egal, wer von wo eingeflogen wird, über nüchterne Ergebnismeldungen ging die Berichterstattung selten hinaus. Nun taten der ausrichtende Drittligist SF Augsburg sowie die beiden Finalisten SC Viernheim und die OSG Baden-Baden ihr Möglichstes, Dörnröschen wachzurütteln.
Schon im Halbfinale zwischen Baden-Baden und Deizisau gab es mit der Spitzenpaarung Alexej Schirow vs. Gata Kamsky (kürzlich zur französischen Föderation gewechselt) einen historischen Leckerbissen. In den 1990ern lieferten sich die beiden heutigen 50er Schlachten im damaligen Schachmekka Linares und gehörten im Weltcup-Finale 2007 in Chanty-Mansijsk schon beinahe zum alten Eisen. Im Halbfinale schaltete Kamsky dort einen 17-jährigen Aufsteiger namens Magnus Carlsen aus.
Damals hatte Kamsky auch gegen Schirow das bessere Ende für sich. Diesmal verteidigte er erfolgreich ein Endspiel mit Minusbauer, konnte das Ausscheiden seiner Deizisauer damit jedoch nicht verhindern. Parallel unterlagen die Augsburger Vierheim erst nach großem Kampf, am Spitzenbrett schlug Zarko Vuckovic trotz eines Elodefizits von fast 400 Punkten den Viernheimer Inder Aravindh Chithambaram.
Das Finale wuchs sich anderentags zu einem Marathon aus: Vier Remisen in den klassischen Partien, 2:2 auch im ersten und zweiten Blitz-Tiebreak. Dann waren die Viernheimer die Glücklicheren: im dritten Stechen sorgte Aravindh für den entscheidenden Sieg gegen Etienne Bacrot. Ein Vorgeschmack auf die Bundesliga-Saison 2025/26, in der nach der angekündigten Diät des Düsseldorfer SK wieder ein Titelrennen zwischen Vierheim und Baden-Baden zu erwarten ist.
Bericht: "Das ist das Ding!" Für den Briefkopf, die Ehre - und das Gefühlsleben: Viernheim ist Pokalsieger.
Willingen (7.-14. Juni)
Ein Dauerbrenner sind die traditionell am Pfingstsamstag startenden Deutschen Jugend-Einzelmeisterschaften im Sauerland Stern Hotel**** mit seinen 506 Zimmern. Mädchen und Jungs, U8 bis U18, dazu die Offenen Meisterschaften U25 plus zahllose Rahmenveranstaltungen. Aktive, Trainer, Betreuer, Eltern … Um die 1.000 Jünger Caissas treffen sich auf engstem Raum, für viele davon ist es der Jahreshöhepunkt, für viele auch das Sprungbrett zu höheren Weihen. All die Erfolgserlebnisse, all die Tränen. Was für ein Gewusel – souverän gemanagt von der Deutschen Schachjugend.
Bericht: Viel Schach, viel Spaß - wenig Schlaf: Müde, aber glückliche deutsche Meister in Willingen
Terme Čatež (5.-11. Juli)
»I feel Slovenia lautete das Motto der Jugend-Team-EM […] und blieb nicht nur ein Versprechen. […] Dem slowenischen Schachverband ist es in dem kleinen ländlich gelegenen Thermalbadeort Terme Čatež gelungen, nicht nur für beste Spielbedingungen, sondern auch für buchstäblich »love in the air« zu sorgen. Es gab vielleicht kein Meer und keinen Strand in Terme Čatež, aber dafür eine riesige Thermalbadelandschaft, saubere Zimmer, ein wirklich gutes Essen und eine professionelle und reibungslose Organisation mit Liebe zum Detail.«
So beginnt der nicht namentlich gezeichnete umfängliche Bericht („I feel Slovenia“ – Bronze bei der Team-EM in Terme Čatež) von der Jugend-Mannschafts-Europameisterschaft U12 + U18 – über dergleichen Veranstaltungen war auch schon anderes zu lesen.
Für manchen war es lediglich ein wenig erschreckend, dass die bei der letzten Olympiade der Großen in Budapest als übertrieben beklagten Anti-Betrugs-Maßnahmen fast nahtlos auf die Veranstaltung der Kinder und Jugendlichen übertragen wurden.
Mit der deutschen Medaillenausbeute – Bronze in der U12 bei den Jungs (Tingrui Shen, Anton Belin, Ming Sheng, Konstantin Müller, Yungi Li) und Mädchen (Lilian Schirmbeck, Tiffany Tu) – zeigte sich Bundesnachwuchstrainer Bernd Vökler, dienstältester DSBler, zufrieden:
Bericht: Starke U12 – zwei Mal Bronze für Deutschland bei der Jugend-EM. "Wir sind sehr zufrieden."

Braunfels (19.-22. Juni)
Im Hintertaunus finden seit nunmehr 31(!) Jahren die Deutsche Frauen-Mannschaftsmeisterschaft der Landesverbände statt. 14 Landesverbände kämpften in fünf Runden an jeweils acht Brettern um den Titel. Eine große, reine Frauenschach-Veranstaltung!
Wenn man, wie ich, in kurzer Zeit so massiv mit all den Leistungen rein schachlicher, aber vor allem auch ehrenamtlicher bzw. organisatorischer Natur, mit all den häufig seit Jahrzehnten gepflegten und gelebten Traditionen des deutschen Schachs konfrontiert wird, kann man nur darüber staunen, wieviel Unfrieden/Streit all das zumindest in Teilen auch produziert. Natürlich kann man ebenso gut argumentieren, dass die Diskussionen (bis zu mitunter überschrittenden Grenzen) produktiver Teil des Ganzen sind.
So, wie in Braunfels erneut die Frage thematisiert wurde, ob nicht auch die zentrale Endrunde der Frauen-Bundesliga separat, sprich, ohne Männer, durchgeführt werden sollte. Ein Verfechter dieser Praxis ist u. a. Andreas Jagodzinsky, Vizepräsident Leistungs- und Breitensport NRW, der wie seine Frau Carmen Voicu-Jagodzinsky, die das Spitzenbrett von NRW hütete, eng mit dem Bundesligisten SV Hemer 1932 verwoben ist. Einerseits würden die Frauen bei einer zentralen Endrunde fehlen, andererseits kann man sich Jagodzinskys Argument nicht verschließen, dass sie in diesem Rahmen nur wenig/zu wenig Aufmerksamkeit erfahren. Ein Für und Wider, welches es abzuwägen gilt.

| Datum | Veranstaltung | Ausrichter/Ort |
|---|---|---|
| 18.08. - 22.08.2025 | Internationale Offene Deutsche Frauen-Einzelmeisterschaft | DSB/Ostfildern |
| 18.08. - 24.08.2025 | Offene Deutsche Einzelmeisterschaft der Schachspieler mit Behinderung | DSB/Ostfildern |
| 23.08. - 24.08.2025 | Deutsche Frauen-Schnellschach-Einzelmeisterschaft | DSB/Ostfildern |
| 18.10. - 19.10.2025 | Deutsche Schnellschach-Amateurmeisterschaft | DSB/Dinkelsbühl |
| 20.11. - 23.11.2025 | 1. DSAM-Qualifikationsturnier 2025/26 | DSB/Bad Wildungen |
| 18.12. - 21.12.2025 | 2. DSAM-Qualifikationsturnier 2025/26 | DSB/Bonn |
| 01.01. - 04.01.2026 | 3. DSAM-Qualifikationsturnier 2025/26 | DSB/Potsdam |
| 30.01. - 02.02.2026 | 4. DSAM-Qualifikationsturnier 2025/26 | DSB/Ingolstadt |
| 05.03. - 08.03.2026 | 5. DSAM-Qualifikationsturnier 2025/26 | DSB/Hannover |
| 26.03. - 29.03.2026 | 6. DSAM-Qualifikationsturnier 2025/26 | DSB/Travemünde |
| 30.04. - 03.05.2026 | 7. DSAM-Qualifikationsturnier 2025/26 | DSB/Magdeburg |