2. September 2026
Vom 14. bis 20. September treffen sich in Bad Soden-Salmünster 19 Mannschaften aus 13 Landesverbänden zur 34. Deutschen Senioren-Mannschaftsmeisterschaft der Landesverbände. Württemberg (50+) und Baden (65+) verteidigen ihre Titel – beide gegen ein Feld, das stärker besetzt ist als im Vorjahr.
Austragungsort ist erneut das Spessart FORUM Sport in Bad Soden-Salmünster, wo bereits 2025 gespielt wurde. Ausrichter ist der Deutsche Schachbund, die Turnierleitung liegt bei Seniorenreferent Wolfgang Cleve-Prinz, als Schiedsrichter fungiert ISR Ralph Alt.
Gespielt wird in zwei getrennten geschlossenen Turnieren – Gruppe 50+ und Gruppe 65+ – über jeweils sieben Runden nach Schweizer System. In den ersten drei Runden sollen länderinterne Paarungen vermieden werden; das betrifft in diesem Jahr vor allem Bayern, das in der Altersklasse 65+ mit zwei Mannschaften antritt. Beide Turniere werden Elo- und DWZ-ausgewertet.
Jede Mannschaft besteht aus vier Stammspielern, dazu können pro Gruppe zwei Ersatzspieler benannt werden. Bei Gleichstand nach Mannschaftspunkten entscheiden zunächst die Brettpunkte, danach Buchholz- und Siegwertung, anschließend ein Blitzentscheid über zwei Runden mit vertauschten Farben. Die Bedenkzeit beträgt 90 Minuten für 40 Züge, danach 30 Minuten Zuschlag, dazu 30 Sekunden Inkrement pro Zug. 30 Bretter werden live übertragen.
In der Gruppe 50+ sind acht Landesverbände gemeldet: Titelverteidiger Württemberg sowie Baden, Rheinland-Pfalz, Thüringen, Bremen, Bayern, Nordrhein-Westfalen und Schleswig-Holstein.
Württemberg zählt erneut zu den ersten Titelanwärtern. 2025 sicherte sich die Mannschaft den Meistertitel mit einem 2:2 gegen Thüringen in der Schlussrunde; dahinter folgten Baden und Rheinland-Pfalz. Beide dürften auch diesmal zu den schärfsten Konkurrenten gehören – Rheinland-Pfalz hat mit Platz zwei bereits bewiesen, dass es an der Spitze mitreden kann.
Nicht zu unterschätzen sind Bayern und Nordrhein-Westfalen. Gerade die Nordrhein-Westfalen haben in dieser Konkurrenz die längste Erfolgsgeschichte: Sieben Titel zwischen 1994 und 2008 machen den Verband zum Rekordsieger der Meisterschaft – auch wenn der letzte Erfolg lange zurückliegt.
Bei nur sieben Runden kann ein einziger Mannschaftskampf über den Turnierverlauf entscheiden. Wer früh stolpert, hat kaum noch Gelegenheit zur Korrektur.
Von den acht Mannschaften sind bislang drei Aufstellungen veröffentlicht (in Klammern der Elo-Schnitt aller gemeldeten Spieler):
Württemberg setzt damit auf ein eingespieltes Quintett: Müller, Beyer, Brückner, Kottke und Born bildeten in exakt dieser Besetzung schon 2023 die Meistermannschaft, und bis auf einen Platz war es auch 2022 dasselbe Team. Ralf Müller ist mit 2313 zugleich der stärkste bislang bekannte Spieler des gesamten Turniers – vier Spitzenbretter jenseits der 2180 sind eine Ansage.
Nordrhein-Westfalen und Bremen liegen im Schnitt rund 90 beziehungsweise 170 Punkte darunter. Beide haben ihre Ersatzspieler bemerkenswert stark besetzt: Bei den Nordrhein-Westfalen ist Bernhard Nagel mit 2170 sogar der höchstbewertete Spieler des Kaders, was der Mannschaft für die zweite Turnierhälfte Spielraum gibt.
Deutlich größer ist das Feld in der Altersklasse 65+. Nach dem Meldeschluss am 30. August liegen (Stand: 1. September) elf Meldungen vor:
Bei einer ungeraden Teilnehmerzahl wäre in jeder Runde eine Mannschaft spielfrei. Die Ausschreibung sieht für diesen Fall ausdrücklich vor, dass eine weitere Mannschaft zugelassen werden kann – bis zum Anpfiff ist ein Nachrücker also nicht ausgeschlossen.
Auf Titelverteidiger Baden wartet damit ein ausgesprochen anspruchsvolles Turnier. 2025 lieferten sich die Badener bis zum Schluss ein enges Rennen: Nach sieben Runden standen Baden, Bayern und Württemberg jeweils bei 11 Mannschaftspunkten. Den Ausschlag gab die bessere Brettpunktwertung. Bemerkenswert dabei: Baden gewann den Titel trotz einer überraschenden Niederlage gegen Berlin in der fünften Runde und machte in der Schlussrunde mit einem 3:1 gegen Schleswig-Holstein alles klar.
Auch 2026 spricht wenig für eine klare Angelegenheit. Bayern mit zwei Mannschaften, Württemberg, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz und Brandenburg können dem Titelverteidiger gefährlich werden, Thüringen darf sich ebenfalls berechtigte Hoffnungen auf eine gute Platzierung machen. Auffällig ist eine Lücke im Feld: Berlin, das die Altersklasse 65+ 2019 und 2021 gewonnen hat und Baden im Vorjahr noch die einzige Niederlage beibrachte, ist diesmal nicht gemeldet.
Von den elf Meldungen sind bisher zwei Aufstellungen bekannt:
Beide Verbände treten ohne Ersatzspieler an – ein Ausfall im Turnierverlauf wäre also schwer zu kompensieren. Württemberg bringt viel Erfahrung mit: Rolf Fritsch gewann bereits 2015 die 50+ und 2022 die 65+, Dieter Migl stand 2022 in der siegreichen 50+-Mannschaft und wechselt nun eine Altersklasse nach oben. Mit einem Schnitt von 2147 und vier Spielern über 2100 gehört Württemberg zu den Titelanwärtern.
Brandenburg hat mit IM Ralf Schöne (2207) den bislang stärksten gemeldeten Spieler der Altersklasse in den Reihen – allerdings an Brett zwei, hinter Olaf Erlach. Die Rangfolge innerhalb der Mannschaft ist für das gesamte Turnier bindend, hier wird also bewusst gegen die reine Elo-Reihung aufgestellt.
Der Terminplan verlangt den Teilnehmern einiges ab, denn an jedem Turniertag steht eine Runde auf dem Programm:
Neben der Spielstärke dürfte damit die Konstanz über die gesamte Turnierwoche entscheiden. Wer sieben Runden lang eine ausgeglichene Aufstellung findet und auch in engen Mannschaftskämpfen die entscheidenden halben und ganzen Punkte einfährt, hat am Ende die besten Chancen auf den Titel.
Die Meisterschaft wird seit 1992 ausgetragen, seit 2018 in Anlehnung an die internationale Regelung in zwei Altersklassen. 2020 fiel sie den Hygienebestimmungen der Corona-Pandemie zum Opfer.
In der Gesamtwertung seit 1992 führt Nordrhein-Westfalen mit sieben Titeln vor Württemberg und Baden. Die 2018 eingeführte Konkurrenz 65+ dagegen ist bislang eine badische Domäne: Baden gewann 2018, 2023 und 2025, dazwischen setzten sich Berlin (2019, 2021) und Württemberg (2022) durch.
Der Deutsche Schachbund hebt neben dem sportlichen Wettbewerb ausdrücklich den Begegnungs- und Austauschcharakter der Meisterschaft hervor. Für viele Teilnehmerinnen und Teilnehmer ist die Turnierwoche im Spessart ebenso ein Wiedersehen wie ein Wettkampf – auch wenn ab 14:00 Uhr am Montag jede Mannschaft zuerst an die eigenen Brettpunkte denkt.
Ausgespielt werden neben den Titeln „Deutscher Senioren-Mannschaftsmeister der Landesverbände 50+ 2026“ beziehungsweise „65+ 2026“ in beiden Gruppen Preisgelder von 300, 200 und 100 Euro für die ersten drei Plätze.
Die Ausgangslage ist klar: Württemberg in der 50+ und Baden in der 65+ gehen als Titelverteidiger an den Start – doch die Konkurrenz ist groß. Ob die beiden Meister ihre Wanderpokale in Bad Soden-Salmünster erneut verteidigen können, entscheidet sich zwischen dem 14. und 20. September.
Paarungen und Ergebnisse werden während des Turniers auf der Seniorenschach-Seite des Deutschen Schachbundes und bei chess-results.com veröffentlicht. (wcp)
// Archiv: DSB-Nachrichten - Senioren // ID 11789