DEM in Dresden: Fernduell um den Meistertitel

11.08.2018 10:30
Rundenstart, vorn Rainer Buhmann gegen Eduard Miller
Karsten Wieland
Rundenstart, vorn Rainer Buhmann gegen Eduard Miller

Eduard Miller hielt gestern gegen seinen übermächtigen Gegner Rainer Buhmann nur 25 Züge lang mit. Dann schlug er unvorsichtigerweise den Bauern d5 anstatt den auf b2 und hatte danach nicht nur Probleme im Zentrum, sondern mußte auch den Verlust des Bauern f5 beklagen. Nach 34 Zügen stellte Miller den Widerstand ein.

Am Nebenbrett ging es weit spannender zu, denn Hagen Poetsch schien bereits nach der Eröffnung in den Seilen zu hängen.

Colpe - Poetsch nach 16. ... Sc4
Colpe - Poetsch nach 16. ... Sc4

Der Hamburger Malte Colpe hatte den schwarzen Springer mit seinem Bauernvorstoß f4 nach c4 vertrieben. Es juckt geradezu in den Fingern, solch einen aktiven Vorposten, der zudem die Dame angreift, schnell zu beseitigen. Doch hier war ein kühler Kopf zu bewahren, zumal man sich nach der Beseitigung des Springers mit dem einstehenden Turm auf d1 auseinandersetzen muß. Die Zuschauer an den heimischen Bildschirmen fieberten mit, was Weiß jetzt machen würde. Stockfish empfahl 17. Dd3 mit einem Vorteil von über +2,6. Ein erstaunlicher Fakt angesichts der Tatsache das Schwarz einen Bauern mehr hat. Doch der schwarze König steht nicht sehr sicher. Mit 17. ... 0-0-0 (Vor 17. ... Da5 braucht Weiß keine Angst zu haben. 18. a3 Sxb2 19. Kxb2 b4 20. a4 +-) 18. b3 Sb6 19. Sc6 und dauerhaftem weißem Vorteil könnte es weitergehen. 17. Lxc4?? Bei Chess24 ging das Engine-Thermometer vom Plusbereich sofort in den Minusbereich. 17. ... Dxc4 18. De3 Lxd1 19. Lxe7 Lxc2! 20. Sxc2 Txg2? Hier hätte Schwarz mit 20. ... Tc8 das Gewinnverfahren deutlich abkürzen können. Nach dem Textzug spielt Weiß wieder mit und mußte sich erst nach 51 Zügen dem Großmeister geschlagen geben.

8. Runde am 10.08.2018 um 14:00 Uhr

Br. Weiß DWZ Erg. Schwarz DWZ
1 GM Rainer Buhmann 2568 1:0 FM Eduard Miller 2255
2 IM Malte Colpe 2346 0:1 IM Hagen Poetsch 2513
3 Adrian Gschnitzer 2328 0:1 FM Florian Armbrust 2266
4 IM Mark Kvetny 2412 0:1 Jari Reuker 2372
5 IM Hannes Langrock 2337 1:0 FM Derek Gaede 2285
6 Frederik Svane 2233 0:1 FM Nick Müller 2295
7 Arkadi Syrov 2277 0:1 Dr. Sebastian Fischer 2206
8 Dominik Plaßmann 2195 ½:½ IM Arno Zude 2344
9 FM Reiner Heimrath 2241 1:0 FM Jürgen Brustkern 2166
10 FM Raphael Rehberg 2203 ½:½ David Färber 2224
11 Tino Proschmann 2103 0:1 Eugen Heinert 2174
12 FM Theo Gungl 2266 1:0 René Adiyaman 2037
-
D39

Die fehlenden Partien werden später ergänzt.

Pl. Titel Name Elo DWZ Verein/Ort Pkt. Gegner Buch
1. GM Hagen Poetsch 2513 2513 SC Heusenstamm 6,0 2348 33,0
2. GM Rainer Buhmann 2581 2568 SV Hockenheim 6,0 2326 34,5
3. FM Eduard Miller 2309 2255 SC Erlangen 5,0 2379 37,0
4. FM Theo Gungl 2283 2266 USV TU Dresden 5,0 2345 34,0
5. FM Nick Müller 2313 2295 Greifswalder SV 5,0 2329 34,0
6. Jari Reuker 2404 2372 SK Oldenburg 5,0 2325 35,5
7. IM Hannes Langrock 2370 2337 ESV Nickelhütte Aue 5,0 2319 33,5
8. FM Florian Armbrust 2300 2266 SC Tempo Göttingen 5,0 2307 32,0
9. Adrian Gschnitzer 2333 2328 SV Walldorf 4,5 2338 37,0
10. IM Mark Kvetny 2421 2412 Stuttgarter SF 4,0 2380 39,5
11. FM Derek Gaede 2298 2285 Hamburger SK 4,0 2333 36,0
12. IM Malte Colpe 2384 2346 Hamburger SK 4,0 2288 34,5
13. Frederik Svane 2292 2233 Lübecker SV 4,0 2280 31,5
14. Dr. Sebastian Fischer 2292 2206 SF Deizisau 4,0 2270 26,0
15. FM Reiner Heimrath 2200 2241 SC Noris-Tarrasch Nürnberg 4,0 2239 27,5
16. René Adiyaman 2097 2037 SV Welper 3,5 2307 31,5
17. IM Arno Zude 2373 2344 SV Hofheim 3,5 2236 29,5
18. David Färber 2321 2224 SV Walldorf 3,0 2295 32,0
19. Arkadi Syrov 2295 2277 SK Frankenthal 3,0 2293 32,0
20. Dominik Plaßmann 2186 2195 Gütersloher SV 3,0 2284 28,0
21. FM Raphael Rehberg 2243 2203 SG Lok Brandenburg 3,0 2246 24,5
22. Eugen Heinert 2146 2174 OSC Rheinhausen 2,5 2291 29,0
23. FM Jürgen Brustkern 2219 2166 SK Zehlendorf 2,5 2245 26,0
24. Tino Proschmann 2092 2103 SC Großröhrsdorf 1,5 2262 30,0

Das Fernduell um den Titel

Als Erst-, Zweit-, Dritt- und Viertwertung wurden bei dieser Meisterschaft mit der Ausschreibung festgelegt:

  1. höhere Anzahl Punkte (1 Punkt Sieg, 0,5 Punkte Remis)
  2. höherer Elo-Durchschnitt der Gegner
  3. höhere Buchholzwertung (Summe der Punkte aller Gegner)
  4. Los

Die Reihenfolge und Art dieser Wertungen ist immer wieder Diskussionsstoff. Nur bei der Erstwertung herrscht Einigkeit: es zählen zuerst die aktuell am Brett erspielten Punkte.
Die Zweitwertung hat bereits nichts mehr mit dem aktuellen Turnier zu tun. Hier hat der Spieler die höhere Wertung, dessen Gegner in der Vergangenheit erfolgreicher gespielt haben. Beim verwendeten Elo-Durchschnitt kommt außerdem die Tatsache hinzu, das es weit weniger Elo- als DWZ-Auswertungen gibt und dieser Durchschnitt besonders im unteren Bereich nicht immer die Spielstärke zuverlässig abbildet. In einem bekannten Schachforum gab es kürzlich eine Umfrage zu dieser Wertung, die bei im Moment 41 abgegebenen Stimmen mit 71:29 Prozent akzeptiert wird.
Die Drittwertung bezieht sich wieder voll auf das aktuelle Turnier. Wer gegen die in diesem Turnier erfolgreicheren Gegner gespielt hat, hat eine höhere Wertung.

Vor- oder Nachteil der verwendeten Zweitwertung ist die Vorhersehbarkeit des Endergebnisses. Man muß nicht wie bei der Buchholzwertung nahezu alle Ergebnisse abwarten, sondern kann bereits vor Beginn der Runde ermitteln, wer der Sieger bei gleicher Erstwertung sein wird. Das lohnt einen Blick auf die Gegner der beiden Großmeister:

Buhmann   Poetsch  
Gaede 2298 Syrov 2295
Gungl 2283 Proschmann 2092
Müller 2313 Miller 2309
Heinert 2146 Kvetny 2421
Färber 2321 Gschnitzer 2333
Kvetny 2421 Langrock 2370
Poetsch 2513 Buhmann 2581
Miller 2309 Colpe 2384
Reuker 2404 Gungl 2283
Ø 2334,222222 Ø 2340,888889

Hagen Poetsch kann einen kleinen Vorsprung vorweisen und wird bei Punktgleichheit damit Deutscher Meister sein. Seine Aufgabe mit Weiß gegen Theo Gungl sieht auch etwas einfacher aus, als die von Rainer Buhmann, der mit Schwarz gegen Jari Reuker spielen muß. Ein schnelles Remis (vor dem 40. Zug sowieso nur mit Zustimmung des Schiedsrichters) wird es in beiden Partien nicht geben. Poetsch wird auf Gewinn spielen müssen, wie auch Buhmann. Ein spannendes Fernduell, bei dem die Kontrahenten nur wenige Zentimeter auseinander sitzen, erwartet uns ab 14 Uhr!

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Frank Hoppe

// Archiv: DSB-Nachrichten - Spielbetrieb // ID 8620

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