9. September 2026
Ein eingespieltes Team muss sich nicht erst finden und genau das beschreibt Alexander Donchenko als die große Stärke der Nationalmannschaft: Man kenne und verstehe sich untereinander besser als jedes andere Team, weil man schon so oft zusammen wie gegeneinander gespielt habe. Diese Vertrautheit zeigte sich zuletzt beim World Cup 2025, wo Donchenko sich im Turnierverlauf gegen seinen eigenen Nationalmannschaftskollegen Matthias Blübaum durchsetzte, ehe er im Viertelfinale hauchdünn an der Qualifikation fürs Kandidatenturnier scheiterte. Eine echte Enttäuschung ist das für ihn bis heute nicht: Sein Turnier sei bis dahin fantastisch gelaufen, sagt er, und genau das mache ihm Mut, dass sich ein solches Ergebnis wiederholen lässt. Es ist neben seinem Sieg im Wijk aan Zee Challengers 2023 der bislang prägendste Moment einer Karriere, in der ihn bis heute vor allem der "tiefe und faire Wettkampf" des Schachs fasziniert. Vom 15. bis 28. September kämpft er nun mit dem Team in Samarkand – einem Ort, an den er besonders gute Erinnerungen hat: Schon beim Grand Swiss im vergangenen Jahr hat es ihm dort sehr gefallen. Rückhalt bekommt Donchenko dabei seit jeher von seinen Eltern – sein Vater war selbst Schachprofi in der Sowjetunion und gab ihm früh Wissen mit, für das andere meist einen externen Trainer brauchen.
Was bedeutet es dir persönlich, bei dieser Olympiade in Samarkand für Deutschland zu spielen?
Für mich geht es eher darum, in einer Mannschaft mit Freunden zu spielen. Vor allem deshalb freue ich mich auf die Erfahrung, der Kontext ist dabei zweitrangig.
Wie sieht deine konkrete Vorbereitung auf das Turnier aus – schachlich, mental, körperlich?
Den größten Teil nimmt der Lehrgang in Bad Blankenburg ein, aber auch in der Woche vor dem Turnier versuche ich, mich mehr als sonst mit Schach zu beschäftigen, um schon aufgewärmt anzureisen.
Was ist dein persönliches Ziel für Samarkand, sportlich wie mental?
Sportlich gelten auch hier die typischen Ziele, Elo gewinnen, nach Möglichkeit keine Partien verlieren. Mental würde ich sagen, aus jedem Ergebnis und jeder Spielqualität das Beste herauszuholen.
Wer ist für dich ein Geheimfavorit bei dieser Olympiade – ein Team oder eine Person, die man im Auge behalten sollte?
Schwierig, bei so klaren Elounterschieden zur Spitze jemanden herauszunehmen, aber ich würde vielleicht Armenien und Frankreich nennen. Beides nach Elo nicht die besten Teams, dennoch könnten sie als Team besser spielen als in Einzelturnieren.
Wie würdest du deine aktuelle Form und dein bisheriges Jahr 2026 beschreiben?
Ich habe im laufenden Jahr außer der erneuten World Cup Qualifikation wenig Erfolge vorzuweisen, allerdings ist die Olympiade kein typisches Turnier und ich hoffe, dass es hier besser läuft.
Was war bisher der prägendste Moment deiner Karriere?
Das entscheidet sich wahrscheinlich zwischen dem Sieg im Wijk Challengers 2023 und dem World Cup letztes Jahr. Beide Male zeigten mir auf, dass in jedem Turnier sehr viel möglich ist.
Wie erlebst du die Dynamik in eurem Team – was macht diese Mannschaft für dich besonders?
Ich glaube, von allen Teams kennen und verstehen wir uns am besten. Wir haben auch schon sehr oft zusammen oder gegeneinander gespielt und müssen uns nicht als Team erst einspielen.
Was fasziniert dich nach all den Jahren immer noch am Schach?
Damals wie heute der unglaublich tiefe und faire Wettkampf, wo es sehr wenig Zufall oder Pech gibt.
Wie gehst du mit Druck und Erwartungen um, gerade bei einem Großereignis wie einer Olympiade?
Meine eigenen Erwartungen wiegen meistens schwer genug, die äußeren Erwartungen kann ich schon seit Langem ausblenden und halte das auch für den richtigen Ansatz bei Turnieren.
Was war der schwierigste Moment in deinem bisherigen Jahr, und wie hast du ihn überwunden?
Bei der diesjährigen deutschen Meisterschaft habe ich sehr schlechte Partien verloren und musste mir wieder ins Bewusstsein rufen, dass ich sowohl bei dem Turnier als auch sonst viel besser gespielt habe und es wieder tun könnte.
Was macht Samarkand als Austragungsort für dich besonders – Erwartungen an Land, Reise, Atmosphäre?
Ich habe letztes Jahr am gleichen Ort das Grand Swiss gespielt und mir gefiel es sehr. Die Atmosphäre, die Umgebung, und das Wetter waren sehr schön. Ich würde gerne einige Turniere nach Samarkand verschieben.
Du hast die Qualifikation fürs Kandidatenturnier nur denkbar knapp verpasst – wie hast du diese Enttäuschung verarbeitet, und was hat sie mit dir gemacht?
Das war für mich keine wirkliche Enttäuschung, mir fehlten ja noch einige Siege bis dahin. Die Qualifikation stand überhaupt erst im Raum, weil mein Turnier bis dahin fantastisch lief. Ich sehe das als Motivation, dass sich so ein Ergebnis wiederholen lässt.
Beim World Cup hast du deinen eigenen Nationalmannschaftskollegen Matthias geschlagen – wie fühlt sich so ein Duell an, wenn ihr euch danach wieder im gleichen Team wiederfindet?
Matthias und ich haben schon mehr als zehn klassische Partien gespielt und dieser Sieg hat mir mehr geholfen, als er ihm geschadet hat (weil er schon im Kandidatenturnier war). Wenn man sich gut versteht, wirkt eine Partie nicht sehr lange nach.
Du hast zur OSG Baden-Baden gewechselt und dort eine andere Rolle als zuvor in Deizisau – was hat sich für dich dadurch verändert?
Die größte Veränderung ist tatsächlich nur meine Startnummer. Ich bekomme etwas leichtere Gegner und muss mehr voll punkten, aber ich fühle mich in Baden-Baden genauso wohl.
Du bist mit russischen Wurzeln in Gießen aufgewachsen – spielt diese Geschichte für dich eine Rolle, wenn du im deutschen Nationaltrikot antrittst?
Für mich ist vor allem wichtig, mit wem ich in einer Mannschaft spiele. Meine persönlichen Umstände haben auf irgendeinem Weg dazu geführt, viel mehr hat es mit der Situation nicht zu tun.
Welche Rolle spielen deine Eltern bei deinem Weg als Schachprofi?
Sie haben mich von klein auf unterstützt und zu Turnieren gefahren. Mein Vater war selbst in der Sowjetunion Schachprofi und konnte mir natürlich vieles mitgeben, wo andere meist einen Trainer suchen müssen. Auch jetzt fiebern sie beide mit mir mit und ich wäre ohne ihre Unterstützung nicht annähernd so weit gekommen, wie es bis jetzt schon der Fall ist.
// Archiv: DSB-Nachrichten - Nationalmannschaft // ID 37137