Olympiade Batumi: Daniel Fridman Gold an Brett 4

11.10.2018 20:45
Siegerehrung Brett 4: Marina Brunello (Italien) und Daniel Fridman auf Platz 1
Alan Atkinson
Siegerehrung Brett 4: Marina Brunello (Italien) und Daniel Fridman auf Platz 1

Die Schacholympiade 2018 ist zu Ende und sie ist für beide deutschen Mannschaften teilweise sehr erfolgreich verlaufen. Trotz gesundheitlicher Probleme, die viele deutsche Spieler durch den Verzehr landestypischer Speisen hatten, wurde ein besseres Ergebnis erzielt als 2016 in Baku. Die Plazierungen der Deutschen mit Rang 13 im offenen Turnier und Rang 28 im Frauenturnier können sich sehen lassen. Unsere gemischte Mannschaft blieb sogar als einzige im offenen Turnier ungeschlagen! Liviu Dieter Nisipeanu ließ am ersten Brett die gegnerischen Spitzenleute ebenso abprallen, wie Matthias Blübaum an Brett drei und Daniel Fridman an Brett vier. Alle drei blieben ohne Niederlage, wobei Fridman sogar mit 5 aus 5 startete und seine famose Turnierleistung von 2814 am Ende mit der Goldmedaille für sein Brett geehrt wurde!

Daniel Fridman hat für uns eine seiner besten Partien aus Batumi kommentiert. Gegner war der für den USV TU Dresden in der Bundesliga spielende ungarische Weltklassespieler Zoltan Almasi. Gegen den 2700er gelang ihm ein Glanzstück, was ihm für das weitere Turnier "viel Selbstvertrauen" gegeben hat, wie er im Kommentar schreibt.

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E1127.09.2018[Daniel Fridman]

Brettpreise Offenes Turnier

Platz Brett 1 Brett 2 Brett 3 Brett 4 Brett 5
1. GM Liren Ding
Elo 2804, China
Leistung 2873
GM Ngoc Truong Son Nguyen
Elo 2620, Vietnam
Leistung 2804
GM Jorge Cori
Elo 2664, Peru
Leistung 2925
GM Daniel Fridman
Elo 2591 Deutschland
Leistung 2814
GM Anton Korobow
Elo 2685, Ukraine
Leistung 2773
2. GM Fabiano Caruana
Elo 2827, USA
Leistung 2859
GM Jan Nepomniachtchi
Elo 2768, Russland
Leistung 2790
GM Wladimir Kramnik
Elo 2779, Russland
Leistung 2770
GM Xiangzhi Bu
Elo 2712, China
Leistung 2774
GM Ilja Smirin
Elo 2594, Israel
Leistung 2746
3. GM Anish Giri
Elo 2780, Niederlande
Leistung 2814
GM Teimur Radschabow
Elo 2751, Aserbaidschan
Leistung 2788
GM Kacper Piorun
Elo 2612, Polen
Leistung 2765
GM Rauf Mamedow
Elo 2699, Aserbaidschan
Leistung 2740
GM Christian Bauer
Elo 2629, Frankreich
Leistung 2743

Brettpreise Frauenturnier

Platz Brett 1 Brett 2 Brett 3 Brett 4 Brett 5
1. GM Wenjun Ju
Elo 2561, China
Leistung 2661
GM Maria Musitschuk
Elo 2533, Ukraine
Leistung 2616
WIM Chanim Balajajewa
Elo 2326, Aserbaidschan
Leistung 2522
FM Marina Brunello
Elo 2294, Italien
Leistung 2505
WFM Alshaeby Boshra
Elo 1979, Jordanien
Leistung 2568
2. GM Thanh Trang Hoang
Elo 2423, Ungarn
Leistung 2636
GM Irina Krush
Elo 2423, USA
Leistung 2552
WGM Qian Huang
Elo 2446, China
Leistung 2459
GM Tingjie Lei
Elo 2468, China
Leistung 2498
WGM Olga Girja
Elo 2462, Russland
Leistung 2511
3. GM Nana Dsagnidse
Elo 2501, Georgien 1
Leistung 2600
GM Alexandra Gorjatschkina
Elo 2535, Russland
Leistung 2492
IM Ana Matnadse
Elo 2362, Spanien
Leistung 2442
GM Bela Chotenaschwili
Elo 2469, Georgien
Leistung 2496
FM Jennifer Yu
Elo 2268, USA
Leistung 2407

Annegret Mucha in der Mannschaft des ICCD

In den Mannschaften des Gehörlosen-Weltschachverbandes ICCD durfte eine weitere Deutsche bei der Schacholympiade in Batumi dabei sein. Die 28-jährige Jenaerin Annegret Mucha kam in der Frauenmannschaft an Brett eins zum Einsatz, wo sie mit 6 aus 10 und einer Eloleistung von 1944 die beste Spielerin war.

Die erste Runde der Schacholympiade gewann die ICCD-Mannschaft kampflos gegen Togo. Die Delegation aus dem westafrikanischen Land hatte ihr Flugzeug verpaßt. Im offenen Turnier durften sich deshalb auch die schottischen Männer auf einen spielfreien Tag einrichten.

Der erste Tag in der georgischen Großstadt verlief mit einem 4:0-Punktestart zwar sehr erfolgreich, doch dafür hatten die ersten Spielerinnen und Spieler mit Magen-Darm-Problemen zu kämpfen. Mit den dabei unerwünschten Begleiterscheinungen. Hinzu kamen diverse Erkältungen.
Annegret Mucha blieb von den Schwierigkeiten mit den Nahrungsmitteln nicht verschont. Die zweite Runde mußte sie deshalb aussetzen. Mucha: "Schwierig war vor allem, dass ich kaum etwas von dem angebotenen Essen im Hotel tatsächlich essen konnte. Mehr oder weniger nur Brot. Gegen Ende der Olympiade waren meine Energiereserven aufgebraucht ..."

Schachlich ging die Olympiade für sie erst ab Runde 3 richtig los. "Gegen Thailand in Runde 4 hatte ich in verlorener Stellung Glück und hätte dann sogar noch gewinnen können. Das ärgert mich noch immer etwas, dass ich dort nicht den ganzen Punkt holen konnte." In Runde 5 gegen die hochfavorisierten Kroatinnen stand Brett 4, Handa Malika, auf Gewinn. Doch die rund 800(!) Elopunkte schwächere ICCD-Spielerin bot trotz Mehrfigur (für zwei Bauern) remis an, was die Kroatin Ana Ivekovic natürlich dankbar annahm. So wurde Annegret's Mannschaft möglicherweise um ein 2:2 gebracht. Sie selbst schaffte ein Remis gegen WGM Walentina Golubenko.

In Runde 7 wartete mit Deutschland der mit Abstand stärkste Gegner auf den ICCD. In so einer späten Runde noch auf eine Mannschaft aus der Top-10 zu treffen, war schon ungewöhnlich. Doch die deutschen Frauen waren zuvor chancenlos gegen Russland und verloren überraschend gegen Griechenland. So durfte sich Annegret über ein Duell mit der deutschen Nummer eins und einer der besten Schachspielerinnen weltweit, Elisabeth Pähtz, freuen. Lange Zeit sah es nach einer Punkteteilung aus. Mit zunehmend weniger Figuren auf dem Brett spielte Pähtz dann aber ihre Klasse aus und holte noch den ganzen Punkt.
Die Möglichkeit auf einen halben Punkt gab es auch an Brett vier, wo Malika zu ihrem dritten Einsatz von insgesamt fünf kam. In ausgeglichener, aber unübersichtlicher Stellung griff sie mit 22. Df3 gegen Judith Fuchs fehl und stellte Material ein.

Handa Malika - Judith Fuchs vor 22. Df3
Handa Malika - Judith Fuchs vor 22. Df3

In der Diagrammstellung gibt es viele verschiedene Möglichkeiten, z.B. Lxe4, Kc2 oder Tc1. Die 23-jährige Inderin entschied sich für 22. Df3?? und stand nach der Freilegung der Diagonale mittels 22. ... d4! sofort auf Verlust. 23. Lf4 Sxc3+ 24. Kd2 De7 25. Ld6 Lxd6 26. Df2 Se4+ 27. Lxe4 Lb4+ 28. Kd1 Lxe4 29. Tc1 Th6 30. g5 Te6 31. Sxd4 Td6 32. Tc4 Ld3 33. Txb4 Lxf1 0-1

 

Annegret: "Nach der Runde war für mich klar, dass mein Ziel, den WFM-Titel zu erreichen wohl nicht mehr machbar ist. Dafür hätte ich 3,5 Punkte aus den letzten 4 Runden gebraucht."

Nach dem 0:4 gegen Deutschland war die ICCD-Mannschaft gegen Japan wieder Favorit. Annegret hatte sich in ihrer Partie "etwas vertan" und vom Ergebnis her war alles möglich. In Zeitnot gab ihre Gegnerin Dauerschach. "Und damit gingen auch beide Mannschaftspunkte an Japan."

Nach der Niederlage gegen Japan folgte noch eine Niederlage gegen El Salvador. In den letzten beiden Runden war der ICCD wieder Favorit und gewann. In der Endtabelle wurde es Platz 86, was "insgesamt ganz okay ist."

Annegret empfand es "als hohe Bürde an Brett 1 zu spielen und meistens auch Gewinndruck zu haben, da von den hinteren Brettern nicht viel kam." Ihr persönliches Ziel, 65% der Punkte zu erreichen, verfehlte sie mit 5 aus 9 bzw. 6 aus 10 mit dem kampflosen Punkt. Und auch der WFM-Titel muß noch warten. Wir sind aber sicher, das sie diesen in den nächsten Jahren noch erreichen wird!

Nachfolgend können Sie alle Partien von Annegret nachspielen.

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// Archiv: DSB-Nachrichten - Nationalmannschaft // ID 8690

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