24. September 2026
Samarkand, 24. September 2026. Die deutschen Männer haben bei der Schacholympiade in Samarkand mit dem Gastgeber Usbekistan auch das letzte der drei usbekischen Teams bezwungen. In Runde acht gewann die Mannschaft von Bundestrainer Jan Gustafsson 2,5:1,5 – erneut waren es die Svane-Brüder, die den Unterschied machten. Die deutschen Frauen setzten sich derweil 2,5:1,5 gegen Österreich durch und bleiben damit ebenfalls im vorderen Tabellenbereich!
Mit dem Sieg gegen den Gastgeber hat Deutschland bei dieser Olympiade nun gegen alle drei usbekischen Mannschaften gewonnen – Runde zwei gegen Usbekistan 3, Runde drei gegen Usbekistan 2, nun gegen die usbekische Hauptmannschaft um Ex-Weltmeister Rustam Kasimdzhanov als Kapitän. Rasmus Svane brachte es nach der Partie auf den Punkt: „Ist natürlich irgendwie sehr komisch, dass wir gegen alle drei usbekischen Teams gespielt haben und gegen alle drei gewonnen haben. Ich weiß nicht, was da in der Luft liegt, aber es ist irgendwie lustig, dass wir alle drei besiegen konnten."
Während Vincent Keymer gegen Nodirbek Abdusattorov remis spielte und Matthias Blübaum sich Javokhir Sindarov geschlagen geben musste, entwickelte sich die Partie von Frederik Svane gegen Nodirbek Yakubboev zu einer der wildesten des gesamten Turniers. Svane, der bei dieser Olympiade bei sensationellen 6,5 aus 8 Punkten steht, beschrieb die Stellung selbst so: „Eine absolut wilde Partie... mir war vorher klar, dass es wild werden würde, aber so wild hätte ich dann doch nicht gedacht."
Als sein Gegner mit g5 einen ungewöhnlichen, objektiv schwachen Zug spielte, war Svanes erster Gedanke Skepsis: „Das kann nicht funktionieren. Meine Figuren waren alle entwickelt, seine nicht." Erst nach genauerem Rechnen fand er den Weg zum Vorteil – über ein Läuferopfer auf d5, das die schwarze Verteidigung praktisch zusammenbrechen ließ. Am Ende blieb es trotz der Komplexität der Stellung bei einem klaren Sieg: „Sieg ist Sieg."
Bemerkenswert auch, wie gelassen Svane mit dem Rahmen der Partie umging – Spitzenbrett, Gastgeber, volles Medienaufgebot: „Ich kenn die Situation schon von letztem Jahr gegen Gukesh... ich muss einfach ruhig bleiben, meine Partie spielen, dann wird alles gut."
Auch Rasmus Svane lieferte einen vollen Punkt – und das auf ungewöhnliche Weise. Gegen Shamsiddin Vokhidov übersah sein Gegner mitten in der Partie eine einfache Gabel: „Ich dachte auch irgendwie, es ist Weihnachten, als der Gegner Läufer e4 spielt... ich konnte mein Glück da kaum fassen." Der Materialgewinn allein reichte allerdings nicht für einen entspannten Nachmittag – im weiteren Verlauf geriet die Partie in ein beidseitiges Bauernrennen, das Svane mit besser koordinierten Figuren gewann.
Zum enormen Medienrummel rund um das Match sagte er: „Vor der Runde warteten 100 Journalisten mit ihren Kameras. Die waren über meiner Schulter, ich konnte mich kaum bewegen. Nach dem Spiel gab ich 6 oder 7 Interviews. Das ist wahrscheinlich der größte Medienrummel um meine Partie jemals."
Mit Blick nach vorn bleibt der 29-Jährige dennoch nüchtern: „Der heutige Sieg ist riesig, bringt aber auch nur zwei Punkte... es sind noch drei sehr wichtige Matches – die letzten Runden sind immer die wichtigsten."
Bei den deutschen Frauen verlief der Nachmittag deutlich ruhiger, aber ebenso erfolgreich. Gegen das Nachbarland Österreich setzte sich das Team von Bundestrainer Zahar Efimenko 2,5:1,5 durch. Dinara Wagner, Elisabeth Pähtz und Jana Schneider steuerten an den ersten drei Brettern jeweils ein Remis bei, ehe Lara Schulze mit ihrem Sieg gegen Emilia Deak-Sala den entscheidenden Punkt sicherte.
Nach acht Runden haben die deutschen Männer 14 von 16 möglichen Mannschaftspunkten gesammelt, die Frauen stehen bei zwölf. In Runde neun wartet auf die Frauen mit Indonesien der nächste Gegner. Drei Runden bleiben bei der insgesamt elf Runden langen Olympiade in Samarkand – und nach den Worten von Rasmus Svane sind es genau diese letzten Runden, auf die es nun ankommt.
// Archiv: DSB-Nachrichten - Nationalmannschaft // ID 11797