23. September 2026
Die deutschen Männer haben bei der Schacholympiade in Samarkand die passende Antwort auf ihre erste Turnierniederlage gegeben. Nach dem 1:3 gegen China vor dem Ruhetag gewann die Mannschaft von Bundestrainer Jan Gustafsson in Runde sieben mit 3:1 gegen die Türkei. Den Unterschied machten die Svane-Brüder: Frederik und Rasmus gewannen ihre Partien an den Brettern drei und vier, Vincent Keymer und Matthias Blübaum steuerten jeweils einen halben Punkt bei.
Für die deutschen Frauen verlief der Nachmittag dagegen enttäuschend. Gegen Titelverteidiger Indien setzte es eine deutliche 0,5:3,5-Niederlage. Elisabeth Pähtz holte gegen Vaishali Rameshbabu das einzige Remis, Dinara Wagner, Hanna Marie Klek und Lara Schulze mussten sich geschlagen geben.
Dabei deutete bei den Männern zunächst wenig auf einen klaren Sieg hin. Matthias Blübaum hatte gegen Ediz Gürel mit Schwarz vor allem eines im Sinn: Sicherheit. Schon aus der Eröffnung entstand eine ausgeglichene Stellung, die schließlich in einer Zugwiederholung mündete. "Es gab keinen Grund, der Zugwiederholung auszuweichen", erklärte Blübaum anschließend.
Auch am Spitzenbrett bewegte sich lange wenig. Vincent Keymer und der 15-jährige Yağız Kaan Erdoğmuş landeten in einem Turmendspiel, das nach Remis aussah. Keymer stellte seinen Gegner noch lange vor Aufgaben und versuchte, aus seinem kleinen Druck doch noch mehr herauszuholen - letztlich ohne Erfolg. Der Punkt wurde geteilt.
Zu diesem Zeitpunkt war allerdings längst Bewegung in die hinteren Bretter gekommen. Frederik Svane hatte gegen Işık Can mit Weiß bewusst die Englische Eröffnung gewählt. "Normalerweise spiele ich nicht Englisch, aber ich dachte, es ergibt Sinn gegen ihn", sagte der 22-Jährige. Die Idee ging auf: Svane kam mit einem angenehmen Vorteil aus der Eröffnung, während sein Gegner zunehmend Zeit verbrauchte. Schließlich unterlief Can der entscheidende Fehler und Frederik erreichte ein gewonnenes Endspiel.
Ganz geräuschlos verlief dessen Verwertung allerdings nicht. Can reklamierte während des Endspiels eine dreifache Stellungswiederholung. Die Reklamation erwies sich als falsch, die Partie wurde fortgesetzt - und Frederik erhielt zwei Minuten zusätzliche Bedenkzeit. "Das war ein bisschen kompliziert, aber gut für mich, weil ich dann extra zwei Minuten bekommen habe und noch ein bisschen über die Stellung nachdenken konnte", erzählte er. Ganz zufrieden war er trotz des Sieges nicht: "Die Technik war jetzt nicht so gut, aber am Ende: Punkt ist Punkt."
Der zweite Sieg entstand auf eine ganz andere Weise. Rasmus Svane war gegen Vahap Şanal mit Schwarz problemlos aus der Eröffnung gekommen. Lange sprach vieles für ein Remis. Im Endspiel verfügte Rasmus zwar über die etwas bessere Struktur, objektiv schien die Stellung aber weiterhin haltbar.
Dann begann Şanal Fehler zu machen. Rasmus setzte ihn vor praktische Probleme, der Türke geriet zusätzlich in Zeitnot - und aus einer zunächst unspektakulären Partie wurde nach und nach eine echte Gewinnchance. "Eigentlich sollte es ziemlich klar Remis sein", sagte Rasmus. Doch sein Gegner fand in Zeitnot nicht mehr die richtige Verteidigung. "Am Ende hat er den Weg nicht gefunden, sich zu verteidigen, und dann konnte ich gewinnen."
Bemerkenswert war dabei, wie sich der gesamte Mannschaftskampf gedreht hatte. Nach Blübaums Remis hatte Rasmus zwischenzeitlich noch mit einem 2:2 gerechnet. Dann übernahm Frederik immer stärker die Kontrolle, Keymer begann im Turmendspiel Druck zu machen - und auch Rasmus selbst stellte seinen Gegner zunehmend vor Probleme.
"Irgendwann hatten wir drei quasi unverlierbare Stellungen, wo wir alle Druck machen konnten", fasste er die Situation zusammen. Das beeinflusste auch die Strategie: Weil an keinem der verbliebenen Bretter große Verlustgefahr bestand, gab es keinen Grund, vorschnell Remis zu machen. "Irgendwann hat es sich so entwickelt, dass wir alle ein Spiel auf zwei Ergebnisse hatten: Entweder wir gewinnen oder Remis", erklärte Rasmus.
Das Ergebnis: zwei volle Punkte der Brüder - und ein 3:1 für Deutschland.
Frederik hatte nach seiner eigenen Partie übrigens noch nicht unbedingt mit dem zweiten Sieg gerechnet. Als klar war, dass auch sein Bruder gewonnen hatte, formulierte er es mit einem Lächeln: "Rasmus hat dann auch irgendwie in magischer Weise gewonnen."
Wesentlich schwieriger verlief der Nachmittag für die deutschen Frauen. Schon im Vorbericht hatte Bundestrainer Zahar Efimenko auf die ausgeglichene Stärke des indischen Teams hingewiesen - am Brett bestätigte der Titelverteidiger diese Einschätzung. Vor allem für Hanna Marie Klek entwickelte sich die Partie gegen Divya Deshmukh früh in die falsche Richtung. Die Inderin übernahm die Initiative und ließ Klek kaum Möglichkeiten, die Partie noch einmal zu drehen.
Lara Schulze hatte gegen Savitha Shri zunächst die deutlich besseren Aussichten. In der ersten Phase der Partie boten sich ihr gute Möglichkeiten, doch sie konnte diese nicht dauerhaft festhalten. Im weiteren Verlauf kippte die Stellung - und Savitha holte den vollen Punkt. Auch am Spitzenbrett setzte sich Indien durch. Dinara Wagner musste sich Humpy Koneru geschlagen geben. Den einzigen deutschen halben Punkt des Tages sicherte Elisabeth Pähtz mit ihrem Remis gegen Vaishali Rameshbabu. So stand am Ende ein 0,5:3,5. Ein Ergebnis, das deutlich ausfiel, obwohl es gerade bei Lara zunächst durchaus Chancen gegeben hatte.
Nach sieben Runden haben die deutschen Männer nun zwölf Mannschaftspunkte gesammelt, die Frauen bleiben bei zehn. Noch vier Mannschaftskämpfe stehen bei der insgesamt elf Runden langen Olympiade in Samarkand aus.
Für die Männer war das 3:1 gegen die Türkei dabei vor allem die gewünschte Reaktion auf die Niederlage gegen China. Und passend zu Jan Gustafssons Worten vor der Runde war weder nach dem Sieg gegen die USA bereits alles gewonnen noch nach dem Rückschlag gegen China etwas verloren. In Runde sieben waren es am Ende zwei Brüder, die dafür sorgten, dass Deutschland wieder einen Schritt nach vorne machte.
// Archiv: DSB-Nachrichten - Nationalmannschaft // ID 37168