14.10.2025
Lange, sehr lange, mussten wir warten auf dieses Ereignis. Erst viermal gewannen die deutschen Frauen eine Medaille bei großen internationalen Mannschaftswettbewerben vor dieser Europameisterschaft. 1957, 1963 und 1966 holte die DDR Bronze bei der Schacholympiade der Frauen, 1978 gewann die BRD ebenfalls Bronze. Danach blieben die deutschen Frauen 47 Jahre lang ohne einen Platz auf dem Treppchen. Nun ist der Knoten geplatzt und Dinara Wagner, Hanna Marie Klek, Josefine Safarli, Lara Schulze und Kateryna Dolzhykova traten heute in Batumi die Nachfolge der Medaillengewinnerinnen von damals an. Und es ist die erste Medaille bei der seit 1992 zum sechzehnten Mal ausgetragenen Mannschafts-Europameisterschaft!
Dazu unseren ganz herzlichen Glückwunsch und auch Grüße von einer der stärksten deutschen Schachspielerinnen aller Zeiten. Großmeisterin Barbara Hund, die 1978 beim letzten Medaillengewinn dabei war, verfolgte aufmerksam die Europameisterschaft in Batumi. Und sie freut sich mit unseren Frauen in Georgien: "Ich gratuliere dem deutschen Team zu dem tollen Erfolg, 47 Jahre nach Buenos Aires!"
Für Frauenbundestrainer Zahar Efimenko ist der dritte Platz in Batumi ein "großer Erfolg". Und er war glücklich darüber, das trotz einer Letztrunden-Niederlage gegen Titelverteidiger Bulgarien ein sensationelles Turnier mit diesem Ergebnis belohnt wurde. Seine Frauen haben "ein super Niveau, eine super Qualität und Stabilität" gezeigt. Efimenko schaut zuversichtlich in die Zukunft, auch mit Hinblick auf die nächste Schacholympiade im September 2026 in Usbekistan. "Ich bin sehr zufrieden und hoffe, das die Entwicklung weiter nach oben geht und die Frauen ihre Fähigkeiten weiter verbessern. Wir kommen zur Olympiade in Usbekistan noch stärker wieder und motivieren uns für neue Ziele und Erfolge."
Weiterlesen … Team-EM: Bronze für die sensationell guten deutschen Frauen, Platz vier für die Männer
Männer nahezu ohne Medaillenchance nach Unentschieden gegen Serbien
13.10.2025
Die deutschen Frauen haben uns mit schachlichen Erfolgen zuletzt nicht verwöhnt, von einer »Krise« war gar häufig die Rede. Nun ist ihnen in Batumi eine Runde vor Schluss eine Medaille bereits sicher! Möglich macht das die Paarungskonstellation in der letzten Runde, denn mit der Ukraine und Armenien treffen zwei Medaillenkandidaten direkt aufeinander, während Deutschland mit Bulgarien ein gutes Los erwischt hat. Egal wie das Match zwischen der Ukraine und Armenien ausgeht, ist den deutschen Frauen mindestens Bronze sicher.
Die Männer dagegen können ihre Medaillenhoffnungen begraben. Das 2:2 gegen den amtierenden und wahrscheinlich jetzt entthronten Europameister Serbien reichte nicht. Bundestrainer Jan Gustafsson: "Nach diesem Matchverlauf können wir uns nicht über das Unentschieden beschweren."
Die Männer können zwar morgen noch die Niederlande im direkten Duell überholen um vielleicht Bronze zu erreichen, doch auch England (gegen Spitzenreiter Ukraine) und Serbien (gegen den zweiten EM-Anwärter Aserbaidschan) müßten verlieren. Ein sehr unwahrscheinliches Szenario, zumal fünf mit Deutschland punktgleiche Mannschaften ebenso auf ein Wunder hoffen. (fb/rt)
Weiterlesen … Team-EM, Runde acht: Historischer Erfolg – deutsche Frauen gewinnen eine Medaille!
12.10.2025
An unserem bisher erfolgreichsten Tag in Batumi gab es zwei 3:1-Siege für Deutschland: die Frauen besiegten Rumänien, die Männer Kroatien.
Frauenbundestrainer Zahar Efimenko sprach von einem nicht einfachen Wettkampf, gar einem "Gemetzel". Aber "wir haben gegen eine solide Mannschaft gespielt" zeigte sich Efimenko sehr zufrieden mit der Leistung seiner Frauen. Besonders beeindruckte ihn Hanna Marie Klek, deren Vorbereitung "großartig" war. Klek spielte sehr präsize und fand, das ihre Partie sehr einfach war, auch weil die vorbereitete Variante auf das Brett kam. Auf die aktuelle Situation im Turnier angesprochen, meinte Klek: "Man sollte ganz klassisch von Spiel zu Spiel denken. Wir haben gegen die stärksten Mannschaften schon gespielt. Unser Ziel ist es jetzt eine Medaille zu holen."
Sehr zufrieden zeigte sich auch Bundestrainer Jan Gustafsson: "3:1 gegen Kroatien. Da kann man nicht meckern." Besonders hat ihn die Leistung von Matthias Blübaum gefreut, der "wiedererwacht" ist (Raj Tischbierek im SchachdeutschlandTV-Stream). Sein Gegner "Livaic wollte Matthias mit einer riskanten Variante überraschen. Matthias hat stark gespielt und korrekt geopfert." sagte Gustafsson.
Weiterlesen … Team-EM, Runde sieben: Frauen auf Medaillenkurs, Männer mit klarem Sieg und einem "wiedererwachten" Matthias Blübaum
11.10.2025
Die deutschen Frauen hatten vor dem heutigen Ruhetag gestern mit der Ukraine einen richtig schweren Gegner bei der Europameisterschaft in Batumi. Frauenbundestrainer Zahar Efimenko stammt aus der Ukraine und kannte die Kontrahentinnen seiner Mannschaft natürlich sehr gut. Alle vier Partien endeten mit Remis und die Frauen kletterten auf Platz zwei im Gesamtklassement. Der Europameistertitel scheint aber schon vergeben, denn Polen hat makellose 12:0 Punkte und drei Punkte Vorsprung.
Am Sonntag geht es gegen Rumänien, einen vermeintlich leichteren Gegner auf dem Weg zu einer Medaille. Doch Lara Schulze bleibt auf dem Boden: "Man muss immer das nächste Match im Blick haben und gar nicht so an das große Ganze denken."
Die Männer besiegten die Slowakei und spielten noch komplett, da waren die Partien der Frauen bereits beendet. Dank der zuverlässigen Punkteholer Vincent Keymer, der den kreativen Jergus Pechac besiegte, und Frederik Svane wurde ein 3:1-Sieg gutgeschrieben. Matthias Blübaum stand mit Schwarz auch fast auf Gewinn, doch der Gegner mogelte sich noch raus und beide teilten den Punkt.
Nächster Gegner ist Kroatien. (fb)
Weiterlesen … Team-EM, Runde sechs: Männer ringen Slowakei nieder, Frauen unentschieden gegen die Ukraine
09.10.2025
Aserbaidschan und Polen hatte die diesmal nicht am Start befindliche Elisabeth Pähtz bei ihrem Besuch bei der Livekommentierung auf SchachdeutschlandTV als die stärkste Mannschaften im Frauenturnier eingeschätzt, während sie den nach Elo klar an eins gesetzten Georgierinnen weniger zutraute: »Sie sind fast alles Mütter«!
Sowohl die »Mütter« als auch die »Kinder« von Aserbaidschan konnte die deutsche Mannschaft in Matches, in denen alles wie am Schnürchen lief, in den beiden vorangegangenen Runden mit 2½:1½ schlagen! Heute jedoch fand unser Lauf ein Ende. Das nötige Quäntchen Glück hatten diesmal unserer Gegnerinnen: die »letzte Hürde« Polen.
Das Quäntchen Glück fehlte auch den Männern. Gegen Bulgarien, mit der früheren deutschen Nummer eins Arkadij Naiditsch, reichte es nur zu einem 2:2. Die Niederlage von Dmitrij Kollars konnte Frederik Svane gerade noch ausgleichen. Am Spitzenbrett trennten sich Vincent Keymer und Naiditsch remis.
Weiterlesen … Team-EM, Runde fünf: Frauen verlieren Spitzenduell gegen Polen, Männer nur Unentschieden gegen Bulgarien
Frauen nach viertem Sieg auf Platz zwei, Männer nach Niederlage gegen die Ukraine ins Mittelfeld abgerutscht.
08.10.2025
Unsere Frauen bleiben bei den Europameisterschaften in Batumi (Georgien) weiter in der Erfolgsspur. Heute wurde mit Aserbaidschan ein Angstgegner besiegt. Frauenbundestrainer Zahar Efimenko fieberte mit und sah nach soliden Eröffnungen insbesondere am Brett von Hanna Marie Klek allerdings erst einmal Unheil auf seine Mannschaft zukommen. "Im Mittelspiel hat Hanna wahrscheinlich etwas verwechselt und danach stand sie schlecht. Ich hatte Angst, dass sie diese Partie verlieren könnte. Aber am Ende hat sie einen Trick gefunden und ein Remis forciert. Ich war sehr glücklich." Nachdem die ersten drei Bretter unentschieden ausgingen, lag die Verantwortung bei Kateryna Dolzhykova. Ihre Gegnerin bot Remis an, womit der Trainer aber nicht einverstanden war. "Kateryna hat schöne Technik im Endspiel demonstriert. Ihre Gegnerin hat ein Remis angeboten, aber ich habe das nicht akzeptiert. Ich sagte, Kateryna, du musst weiterspielen. Am Ende hat sie im Turmendspiel den Erfolg geschafft." Efimenko: "Natürlich bin ich sehr glücklich, dass wir wieder gegen eine so starke Mannschaft gewonnen haben."
Schwer enttäuscht war dafür Bundestrainer Jan Gustafsson: "Ein 1½:2½ gegen die Ukraine ist natürlich sehr bitter." Drei Partien endeten mit Remis und Matthias Blübaum verlor. Dabei war die scharfe Nimzoindisch-Variante durchaus eingeplant. Am Morgen hatte Gustafsson sich das noch einmal auf dem Computer angeschaut. Den Pfad der Tugend hatte Blübaum wohl nach dem gegnerischen 13. ... b6 verlassen, wo "Matthias gleich angefangen hat, sich Zeit zu nehmen." Und weiter: "Ich habe es noch nicht mit Computer gecheckt, aber es fühlte sich komisch an, was dann kam. Dieses 14. b4 a5 wirkte schon sehr wackelig." sagte Gustafsson und meinte, das 14. Txd5 wohl die bessere Wahl mit scharfer Stellung gewesen wäre.
Weiterlesen … Team-EM, Runde vier: Frauen weiter erfolgreich, Männer mit "frustrierendem Match"