Tagesberichte aus Magdeburg

30. August 2022

Gerhard Meiwald berichtet täglich von der Deutschen Senioren-Mannschaftsmeisterschaft der Landesverbände.

Heute geht's los!

Der stellvertretende Vorsitzende der Seniorenkommission des DSB, Gerhard Meiwald, begrüßt im Maritim Hotel Magdeburg die teilnehmenden Mannschaften aus 13 Landesverbänden. Der Präsident des gastgebenden Landesverbandes Sachsen-Anhalt, Andreas Domaske, freut sich darüber, dass auch diese wichtige Deutsche Seniorenmannschaftsmeisterschaft wieder einmal den Weg nach Magdeburg gefunden hat und wünscht einen guten und erfolgreichen Verlauf.

Der Vizepräsident des Deutschen Schachbundes, Ralph Alt, überbringt auch die Grüße des DSB-Präsidenten Ullrich Krause und freut sich, dass sein Bayerischer Landesverband mit 2 teilnehmenden Mannschaften in jeder Kategorie ein deutliches Zeichen setzen kann. Gerhard Meiwald entschuldigt den Seniorenreferenten des DSB Wolfgang Block wegen einer kurzfristigen Erkrankung und wünscht ihm im Namen aller Teilnehmer eine baldige Genesung.

In der Kategorie 50+ spielen 8 Mannschaften ein Rundenturnier. Titelverteidiger Sachsen-Anhalt wartet in diesem Jahr dem Rating nach mit einer etwas schwächeren Mannschaft auf. Einer der Topscorer des Vorjahres, FM Michael Becker, tritt nun für die Anhaltiner in der 65+ an.

Dem Elo-Durchschnitt nach dürfte Württemberg in diesem Jahr gute Chancen haben, aber Baden, NRW und Bayern I werden ein gewichtiges Wort mitzusprechen haben.

In der 65+ gehen 16 Teams an den Start. Vorjahressieger Berlin I hat mich bereits im letzten Jahr einmal eines besseren belehrt und ihr etwas schwächeres Elo-Rating mit einem enormen Kampfgeist ausgeglichen. Ob es ihnen in diesem Jahr wieder gelingt, hängt davon ab, wie sich die nominell stärkeren Mannschaften präsentieren. Sie kommen aus Württemberg, Baden und Schleswig-Holstein.

Insbesondere Schleswig-Holstein hat mit GM Sergey Kalinitschev mächtig aufgerüstet. Die Abstände zu einem ansonsten sehr ausgeglichenen Feld sind aber nicht so groß, dass sich im Turnierverlauf nicht durchaus Überraschungen ergeben können.

1. Runde

In der 1.Runde der Kategorie 65+ kam es auch schon zu einigen Ergebnissen, die man so nicht vorausgesehen hätte. Baden konnte sich nach hartem Widerstand gegen Niedersachsen durchsetzen. Matchwinner war der Deutsche Senioren-Vizemeister FM Hans-Joachim Vatter. Mitfavorit Schleswig-Holstein kann sich mit 2,5:1,5 gegen Sachsen durchsetzen, ebenso wie Württemberg mit einem deutlichen 3,5:0,5 gegen Baden II. Aber schon Bayern II mit einem 2,5:1,5 gegen den höher gehandelten gastgebenden Landesverband Sachsen-Anhalt I gehörte nicht zu den getippten Ergebnissen. Dass Berlin manchmal etwas Zeit braucht um ins Turnier zu kommen, bewies es mit einem 2:2 gegen Mecklenburg-Vorpommern.

In der Kategorie 50+ starteten die Favoriten mit deutlichen Ergebnissen. Bayern I gegen seine Zweitvertretung mit 4:0, ebenso wie Württemberg gegen Sachsen. Baden musste sich mit einem 2,5:1,5 gegen Sachsen-Anhalt zufrieden geben.

2. Runde

In der 2. Runde der Kategorie 65+ gab es erste Klärungen an den Spitzentischen. Baden I bezwingt Hessen mit 2,5:1,5. Matchwinner: Arndt Miltner gegen Berthold Engel. Schleswig-Holstein lässt mit einem 3:1 gegen NRW keinen Zweifel an seinen Ambitionen im Kampf um den Titel aufkommen.
Wie zu erwarten lässt auch Württemberg an Tisch 3 gegen Bayern I nicht locker – mit einem 2,5:1,5-Sieg. Vorsicht ist beim Berichterstatter geboten bei der Bewertung der Berliner Ergebnisse, aber die heutige Niederlage gegen Sachsen-Anhalt I weist im Gegensatz zu den Anhaltinern nicht mehr in Richtung Titelkampf. Matchwinner in diesem Fall ist Dr. Gerhard Köhler gegen FM Michael Schulz.
Eine ähnliche Erfahrung machte Niedersachsen mit einer mehr als deutlichen Niederlage gegen die Zweitvertretung von Sachsen-Anhalt mit 0,5:3,5. In der 65+ könnten bereits in der dritten Runde wichtige Vorentscheidungen im Titelkampf fallen.

In der Kategorie 50+ kamen die beiden favorisierten Teams aus Württemberg und Baden zu klaren Erfolgen. Württemberg setzte sich gegen Rheinland Pfalz mit 3,5:0,5 gut in Szene und auch Baden ließ mit einem 3:1 gegen Sachsen keine Zweifel aufkommen. In einem Kampf auf Augenhöhe konnte sich Bayern I mit 2,5:1,5 gegen NRW durchsetzen.

3. Runde

In der 3. Runde der Kategorie 65+ kam es an den beiden Spitzentischen zu klaren Entscheidungen. Im immergrünen Bruderduell konnten sich die Württemberger mit 3:1 gegen Baden I durchsetzen. Noch deutlicher setzte sich Schleswig-Holstein gegen Bayern II durch. Lediglich Rainer Oechslein konnte gegen FM Boris Gruzmann ein Remis erreichen. Das Schleswig-Holsteiner Spitzenbrett GM Sergey Kalinitschew ist mit 3 aus 3 bisher eine sichere Bank.

Das zweite direkte Bruderduell der Anhaltiner Mannschaften endete bereits kurz nach Beginn mit einem 2:2 , was es den Mannschaften aus NRW und Hessen mit ihren Siegen gegen Bayern I und Baden II erlaubte, sich auf die Verfolgung der beiden bisher ungeschlagenen Mannschaften zu machen. Komplettiert werden sie von Brandenburg, dass heute mit einem 2,5:1,5 die Berliner wohl endgültig aus dem Titelrennen genommen hat.

In der Kategorie 50+ sammelt Bayern I mit einem 3,5:0,5 gegen Sachsen-Anhalt fleißig Brettpunkte. Baden bleibt mit einem 2,5:1,5 aber dran, was den Württembergern mit ihrem heutigen 2:2 gegen NRW nicht ganz gelingt. Bayern II sammelt erstmals Punkte mit einem 3,5:0,5 gegen Sachsen.

Vor dem Beginn der 3.Runde stellte sich das Präsidium des Förderkreises der Senioren im DSB den Teilnehmern vor. Der Vizepräsident Martin Bierwald aus Hamburg, zuständig für die Verwendung der Gelder des Förderkreises, erläuterte, auf welche finanzielle Weise der Förderkreis seit nunmehr fast 30 Jahren finanzschwächeren Senioren die Teilnahme an Schachturnieren ermöglicht. Für seine Ansprache erntete er den Zuspruch der Teilnehmer.

4. Runde

In der 4. Runde der Kategorie 65+ trafen am Spitzentisch die führenden verlustpunktfreien Teams aus Württemberg und Schleswig-Holstein aufeinander. Nach relativ problemlosen Remispartien an den Brettern 3 und 4 sollte also die Entscheidung an den beiden Spitzenbrettern fallen.
An Brett 1 konnte Rolf Fritsch dem zunehmend druckvollen Angriffsspiel von GM Sergey Kalinitschew nichts mehr entgegensetzen und überschritt in schon aussichtsloser Stellung die Zeit.
An Brett 2 zwischen Richard Dudek und FM Boris Gruzmann gelang es dem FIDE-Meister mit 2 Springerzügen in Folge, die bis dahin völlig ausgeglichene Partie in die Verlustzone zu bringen. Diesem Angebot konnte Richard Dudek nicht widerstehen und sicherte seiner Mannschaft damit das Unentschieden.

Mit einem beeindruckenden 3,5:0,5 gegen Brandenburg kann sich Baden I damit an die beiden Führenden heranschieben. Das gelingt auch den Hessen mit einem 3:1 gegen Bayern II. Das 2:2-Ergebnis von Sachsen-Anhalt I gegen NRW sortiert beide Teams jetzt eher im Mittelfeld.
Das vor Turnierbeginn hoch gehandelte Team von Bayern I kassiert gegen Sachsen-Anhalt II bereits die dritte Niederlage in Folge. Für die letzten 3 Runden kann also nur noch das Ziel sein, die eigene Zweitvertretung zu übertrumpfen.

In der Kategorie 50+ konnte Württemberg dem bisher mitführenden Team Bayern I mit 2,5:1,5 die erste Niederlage beibringen. Diese Chance wollte sich Baden nicht entgehen lassen und konnte sich mit einem 3,5:0,5 gegen NRW bestens in Szene setzen und damit verlustpunktfrei die Tabellenspitze übernehmen. Da in der Spitzenpaarung der 5. Runde bereits Baden auf Württemberg trifft, liegt eine Vorentscheidung um den Meistertitel in der Luft.

5. Runde

In der 5. Runde der Kategorie 65+ treffen die Topfavoriten der Meisterschaft aufeinander.
Schleswig-Holstein mit Topscorer GM Sergey Kalinitschew (bisher 4 aus 4) gegen FM Christof Herbrechtsmeier nominell im Vorteil, an den Brettern 2 und 3 eher leichter Vorteil für Baden, am 4. Brett ein deutliches nominelles Übergewicht bei den Badenern.
Nach 2 Remisen im Mittelspiel an den Brettern 2 und 3 wird die Entscheidung an 1 und 4 fallen. FM Herbrechtsmeier baut eine solide weiße Stellung auf. GM Kalinitschew gibt einen Bauern, kann in der Folge aber keine ausreichende Kompensation erzielen. Christof Herbrechtsmeier gibt seine Dame für 2 Türme und Springer und wickelt in ein sehr vorteilhaftes Endspiel ab. Als Georg Nippgen an Brett 4 gegen Prof. Dr. Joachim Kornrumpf gewinnt, fällt es Herbrechtsmeier nicht schwer, dem Großmeister ein Remis anzubieten, dass dieser stellungsgemäß nicht mehr ablehnen kann.

Eine ähnliche Situation ergibt sich auch am 2. Spitzentisch: die mitführenden Württemberger müssen sich den heranstürmenden Hessen stellen. Nach Remisen an den ersten beiden Brettern tobt der Kampf an 3 und 4. An Brett 3 kann sich FM Erhard Frolik einen Mehrbauern erspielen, den er in gewohnt sicherer Weise zum ganzen Punkt verwertet. In einer völlig ausgeglichenen Stellung kann Gerhard Bosbach gegen Hans-Peter Remmler den Ausgleich zum Mannschaftsremis nicht mehr erzwingen. Damit setzt sich Württemberg mit 9 Mannschaftspunkten an die Tabellenspitze.

Baden I mit 8 vor Schleswig-Holstein und NRW mit jeweils 7. Hessen, Brandenburg und Sachsen-Anhalt I folgen mit 6, werden aber im Titelrennen kaum noch eine Rolle spielen.

In der Kategorie 50+ Müllert es in der Spitzenpaarung gewaltig. An Brett 1 für Württemberg FM Ralf Müller, an den Brettern 3 und 4 bei Baden FM Michael Müller und Erich Müller. Entscheidend würde man in der Fußballersprache sagen „ist aufm Platz“ bei uns also am Brett.
An den Brettern 1-3 gibt es ausgekämpfte Remisen. An Brett 4 muss Erich Müller gegen Mario Born seine erste schmerzhafte Niederlage hinnehmen, die die Württemberger mit nunmehr 9 Punkten alleine an die Tabellenspitze bringt. Bayern I kann sich mit 2,5:1,5 gegen Sachsen durchsetzen, zieht mit Baden gleich und kommt auch auf 8 Punkte. Sie können jetzt in den beiden letzten Runden nur noch auf einen Ausrutscher der Württemberger hoffen.

Müsste man jetzt schon ein Resümee ziehen, wäre man geneigt festzustellen, dass in diesem Turnier die Württemberger das Maß aller Dinge sind. Aber wir wollen das berühmte Bärenfell ja nicht verteilen, bevor der Bär erlegt ist.

6. Runde

In der 6. Runde der Kategorie 65+ marschieren die topgesetzten Teams im Gleichschritt an der Spitze.
An Tisch 1 besiegt Württemberg die Nordrheinwestfalen mit 3:1, an Tisch 2 bleibt Baden I mit 2,5:1,5 gegen Sachsen-Anhalt I siegreich und an Tisch 3 können sich die Schleswig-Holsteiner wieder einmal auf GM Sergey Kalinitschew verlassen, der gegen FM Günter Walter das 2,5:1,5 sicherstellt.
In der Reihenfolge Württemberg 11, Baden I 10, Schleswig-Holstein 9 und Hessen 8 wird in der letzten Runde über die Platzierung auf dem Siegertreppchen entschieden.

In der Kategorie 50+ behält Württemberg mit 3:1 gegen Bayern II die Oberhand. In der Partie um Platz 2 kann sich Bayern I gegen Baden mit 2,5:1,5 durchsetzen und hat vermutlich die besseren Aussichten, in der Schlussrunde diesen Platz auch zu verteidigen.

Die 7. und letzte Runde verspricht noch einmal Spannung, vor allem auch die, ob es den Württembergern tatsächlich gelingen wird, sich in beiden Kategorien mit dem Meistertitel zu schmücken.

Turnierseite: dsenmm.de

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// Archiv: DSB-Nachrichten - Senioren // ID 24307

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