Hagen Poetsch verteidigt den Dähne-Pokal

05.06.2018 11:55
Hagen Poetsch
Ingrid Schulz
Hagen Poetsch

Man muß lange in der Geschichte des Dähne-Pokals zurückblättern, um einen Pokalsieger zu finden, der zweimal nacheinander diese Trophäe gewinnen konnte. Es waren die Jahre 1966* und 1967* als sich Rolf Bernhardt auf dem Pokalsockel verewigen konnte. Bernhardt, inzwischen 75 Jahre alt und immer noch beim SK Landau aktiv, wurde 2015 als Schachsportler des Jahres im Pfälzischen Schachbund geehrt. Der Doppelsieg des 4-fachen Nationalspielers und deutschen Jugendmeisters 1959 blieb dabei nicht unerwähnt. Und fast wäre ihm das Tripel gelungen, was nach den damaligen Regeln wohl den endgültigen Besitz des imposanten Pokals bedeutet hätte.

Hagen Poetsch hat den Erfolg von Bernhardt nun wiederholt und den Titel "Deutscher Pokalmeister" verteidigt. Der 26-Jährige ist jetzt aber nicht nur Doppelsieger, sondern errang bereits 2013 den Pokal. Er tritt damit in die Fußstapfen von Sven Telljohann, der 1998, 2007 und 2016 ebenfalls dreimal gewinnen konnte. Damit behaupten beide die Spitze der Mehrfachgewinner.

In Leipzig, wo die Pokalmeisterschaft parallel zu Deutschen Schach-Amateurmeisterschaft stattfand, galt der für den SC Heusenstamm spielende Poetsch als großer Favorit. Der Auftakt am Donnerstagvormittag gestaltete sich schon einmal recht leicht. Poetschs Gegner nahm im achten Zug mit der Dame den Bauern auf b2. Dabei dürfte ihm der Ausspruch des genialen Paul Keres (1916 – 1975) durchaus bekannt gewesen sein, daß man auf b2 oder b7 selbst dann nicht schlagen sollte, wenn es gut wäre. Die Folge: Hagen Poetsch siegte nach nur 16 Zügen.

Die Paarungsliste der ersten Runde generierte darüberhinaus bereits einige interessante Ansetzungen. Das Starterfeld war entsprechend Reglement bunt gewürfelt und so trafen mit Sebastian Müer und Gordon Andre zwei Spieler aufeinander, die mit ihren DWZ größer 2200 durchaus vorne mitspielen könnten. Da der Pokal aber im K.o.-Modus gespielt wird, würde Runde eins für einen starken Spieler bereits Endstation bedeuten. Nach 46 Zügen war eine Punkteteilung ausgekämpft. In der Blitzverlängerung siegte Müer mit 1½:½, womit sein Gegner aus Magdeburg praktisch ausgeschieden war.
"Ausgeschieden" bedeutete in dem Fall, es geht weiter im Schweizer System. Damit niemand vorzeitig nach Hause fahren muß.

Gorden Andre blieb trotz der Niederlage im Rennen um den Pokalsieg. Durch die nur 30 Teilnehmer (statt 32) mußte die zweite K.o.-Runde auf 16 Teilnehmer aufgefüllt werden. Andre wurde von der Turnierleitung zum Lucky Loser ("glücklichen Verlierer") gekürt. Zwei Runden später, im Viertelfinale gegen Cliff Wichmann, ereilte ihn aber endgültig das Aus.

Hagen Poetsch eilte währenddessen zum nächsten Sieg. In Runde zwei beendete der bekannte Schachreporter Hartmut Metz seine schlechter stehende Partie kurzerhand mit einem einzügigen Matt - entweder weil er es einfach übersehen hatte, oder um sich weitere Qualen zu ersparen.
Im Viertelfinale mußte Poetsch zum ersten Mal sein ganzes Können ausspielen. Gegen Sebastian Müer hielt er ein Damenendspiel mit Minusbauer remis, um sich danach im Blitzschach mit 2:1 durchzusetzen.
Ein wenig leichter wurde es im Halbfinale gegen Michael Kopylov. Der Internationale Meister vom SK Norderstedt bekam seinen ausgeflogenen Springer auf e2 nicht mehr flott und mußte sich bald von ihm verabschieden.
Im Finale hieß der Gegner Cliff Wichmann. Der Auer Zweitligaspieler stand bereits schlechter, als auch er in ein einzügiges Matt hineinrannte. Damit war der dritte Pokalgewinn für Hagen Poetsch perfekt. Herzlichen Glückwunsch!

3. Runde

Br. Weiß DWZ Erg. Schwarz DWZ
1 Sebastian Müer 2236 ½:½
(Blitz 1:2)
IM Hagen Poetsch 2462
2 IM Cliff Wichmann 2300 ½:½
(Blitz 1½:½)
Gordon Andre 2241
3 Thorsten Döscher 1958 ½:½
(Blitz ½:1½)
Markus Müller 2135
4 Jewgenij Kirnos 2157 0:1 IM Michael Kopylov 2366
5 Torsten Schröder 2087 0:1 FM Dirk Paulsen 2297
6 llja Ozerov 2181 1:0 Wilfried Woll 1967
7 Manuel Pietzsch 2145 1:0 Christian Glaser 2028
8 Norman Daum 2025 0:1 FM Hartmut Metz 2281
9 Karl Friedrich 1727 ½:½ Thomas Herz 2062
10 FM Hans-Elmar Schwing 2330 1:0 Britta Leib 1824
11 Friedrich Tomaschko 1924 1:0 Dieter Riegler 1938
12 Dr. Achim Engelhart 2073 ½:½ Kristoffer Falk 1985
13 Hannes Meyner 2157 1:0 Ulf Stoy 1943
14 Martin Kaster 2051 1:0 Leon Fabian Apitzsch 1919
15 Manfred Jandke 2056 1:0 Paul Guido Martin 1931
-

4. Runde

Br. Weiß DWZ Erg. Schwarz DWZ
1 Markus Müller 2135 ½:½
(Blitz 0:2)
IM Cliff Wichmann 2300
2 IM Hagen Poetsch 2462 1:0 IM Michael Kopylov 2366
3 Sebastian Müer 2236 1:0 Jewgenij Kirnos 2157
4 FM Dirk Paulsen 2297 1:0 FM Hans-Elmar Schwing 2330
5 Manuel Pietzsch 2145 1:0 llja Ozerov 2181
6 FM Hartmut Metz 2281 1:0 Thorsten Döscher 1958
7 Kristoffer Falk 1985 ½:½ Thomas Herz 2062
8 Friedrich Tomaschko 1924 ½:½ Dr. Achim Engelhart 2073
9 Christian Glaser 2028 0:1 Karl Friedrich 1727
10 Martin Kaster 2051 0:1 Norman Daum 2025
11 Dieter Riegler 1938 ½:½ Paul Guido Martin 1931
12 Britta Leib 1824 1:0 Wilfried Woll 1967
13 Gordon Andre 2241 0:1 Hannes Meyner 2157
14 Manfred Jandke 2056 0:1 Torsten Schröder 2087
15 Ulf Stoy 1943 ½:½ Leon Fabian Apitzsch 1919
-

5. Runde

Br. Weiß DWZ Erg. Schwarz DWZ
1 IM Cliff Wichmann 2300 0:1 IM Hagen Poetsch 2462
2 IM Michael Kopylov 2366 1:0 Sebastian Müer 2236
3 FM Dirk Paulsen 2297 1:0 Manuel Pietzsch 2145
4 Markus Müller 2135 ½:½ FM Hartmut Metz 2281
5 Karl Friedrich 1727 0:1 llja Ozerov 2181
6 Thorsten Döscher 1958 ½:½ Torsten Schröder 2087
7 Norman Daum 2025 1:0 Kristoffer Falk 1985
8 Thomas Herz 2062 0:1 Friedrich Tomaschko 1924
9 Hannes Meyner 2157 1:0 Britta Leib 1824
10 Dr. Achim Engelhart 2073 0:1 FM Hans-Elmar Schwing 2330
11 Leon Fabian Apitzsch 1919 1:0 Dieter Riegler 1938
12 Wilfried Woll 1967 1:0 Christian Glaser 2028
13 Ulf Stoy 1943 ½:½ Martin Kaster 2051
14 Gordon Andre 2241 1:0 Manfred Jandke 2056
15 Paul Guido Martin 1931 +:- Jewgenij Kirnos 2157
-

Endstand

Pl. Teilnehmer Verein/Ort Elo DWZ Pkt. Buch SoBe 1 2 3 4 5
1. Hagen Poetsch SC Heusenstamm 2507 2462 5,0 15,5 70,50 1w26 1s5 ½s7 1w3 1s2
2. Cliff Wichmann ESV Nickelhütte Aue 2305 2300 4,0 15,0 70,50 1w15 1s19 ½w18 ½s6 0w1
3. Michael Kopylov SK Norderstedt von 1975 2418 2366 4,0 15,0 73,50 1w24 1w8 1s17 0s1 1w7
4. Dirk Paulsen SC Kreuzberg e.V. 2317 2297 4,0 15,0 61,50 0s6 1w12 1s15 1w9 1w11
5. Hartmut Metz SG Rochade Kuppenheim 1979 e.V. 2279 2281 3,5 16,0 71,50 1s20 0w1 1s8 1w14 ½s6
6. Markus Müller SC Niedermohr-Hütschenhausen 2150 2135 3,5 15,0 74,50 1w4 ½s28 ½s14 ½w2 ½w5
7. Sebastian Müer SK Union Oldenburg 2222 2236 3,0 15,5 72,00 ½w18 ½s21 ½w1 1w17 0s3
8. Norman Daum SC Rotation Pankow e.V. 2129 2025 3,0 14,0 61,50 1w13 0s3 0w5 1s25 1w22
9. Hans-Elmar Schwing SGEM Dreisamtal 2325 2330 3,0 12,0 65,00 1w27 0s17 1w19 0s4 1s20
10. Ilja Ozerov Schachverein Mülheim-Nord 1931 e 2166 2181 3,0 11,5 55,00 1w22 0s18 1w23 0s11 1s16
11. Manuel Pietzsch Schachgemeinschaft Leipzig 2162 2145 3,0 11,0 65,50 0s14 1s30 1w28 1w10 0s4
12. Hannes Meyner SAbt TG 1949 Wehlheiden 2181 2157 3,0 10,5 69,00 0w28 0s4 1w24 1s18 1w19
13. Friedrich Tomaschko TSV 1860 Tettau e.V. 1924 3,0 9,0 62,00 0s8 ½s24 1w30 ½w20 1s21
14. Thorsten Döscher SK Bremen-Nord 2022 1958 2,5 14,5 64,00 1w11 1s23 ½w6 0s5 ½w15
15. Torsten Schroeder SSG Lübbenau e.V. 2174 2087 2,5 13,0 64,50 0s2 1w25 0w4 1s29 ½s14
16. Karl Friedrich Burger SK Schwarz-Weiß 1716 1727 2,5 10,0 62,00 0w17 1s27 ½w21 1s28 0w10
17. Evgeni Kirnos Schachclub Porta Westfalica Holt 2222 2157 2,0 15,5 52,50 1s16 1s9 0s3 0s7 -26
18. Gordon Andre SG Aufbau Elbe Magdeburg 2313 2241 2,0 14,0 62,00 ½s7 1w10 ½s2 0w12 1w29
19. Britta Leib SC Agon Neumünster 1833 1824 2,0 13,0 56,00 1s29 0w2 0s9 1w23 0s12
20. Dr. Achim Engelhart SV Jedesheim 1921 2135 2073 2,0 12,5 57,00 0w5 1s26 ½w22 ½s13 0w9
21. Thomas Herz TSV Langenau 2093 2062 2,0 12,0 56,00 1w25 ½w7 ½s16 ½s22 0w13
22. Kristoffer Falk Ilmenauer SV 1988 1985 2,0 11,0 59,50 0s10 1w29 ½s20 ½w21 0s8
23. Wilfried Woll Greifswalder SV 1998 1967 2,0 9,0 63,50 1w30 0w14 0s10 0s19 1w28
24. Ulf Stoy SK Neustadt 2012 1943 1,5 13,0 54,00 0s3 ½w13 0s12 ½w27 ½w25
25. Martin Kaster SK Altenkirchen 2107 2051 1,5 10,5 61,00 0s21 0s15 1w27 0w8 ½s24
26. Paul Guido Martin SV Schwalbach 1999 1931 1,5 9,0 58,00 0s1 0w20 0s29 ½s30 +17
27. Leon Fabian Apitzsch SC Diogenes e.V. 1972 1919 1,5 9,0 56,00 0s9 0w16 0s25 ½s24 1w30
28. Christian Glaser BC Aichach 2087 2028 1,0 14,0 55,50 1s12 ½w6 0s11 0w16 0s23
29. Manfred Jandke SSG Lübbenau e.V. 2122 2056 1,0 9,5 60,00 0w19 0s22 1w26 0w15 0s18
30. Dieter Riegler DBSB 1975 1938 0,5 10,5 47,00 0s23 0w11 0s13 ½w26 0s27

DSB-Turnierseite

Frank Hoppe

* In der Wikipedia sind die Jahre bis 1972/73 um plus 1 verschoben und Bernhardt wird als Sieger 1967 und 1968 genannt, statt 1966 und 1967. Mehr über diese verworrene Situation kann man in der Diskussion zum Wikipedia-Artikel nachlesen. Weitere Recherchen in zeitgenössischer Literatur oder in Archiven sind also vonnöten.

// Archiv: DSB-Nachrichten - Spielbetrieb // ID 23182

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