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21.06.2016

Alexander Naumann gewinnt das Löberitzer Ehrenpreisturnier

Frank Hoppe
V.l.n.r.: Herbert Bastian, LSV-Präsident Andreas Domaske, Vereinsvorsitzender Andreas Daus, Alexander Naumann, Dr. Robert Hübner, Jan Timman, Dana Reizniece-Ozola, Schiedsrichter Gert Kleint, Manfred Schöneberg und Konrad Reiß

Als ich am 18. Juni 2016 zum ersten Mal in meinem Leben einen Fuß auf Löberitzer Boden aufsetzte, machte mich Schachmuseumsleiter Konrad Reiß gleich auf einen Fehler in meinem Vorbericht aufmerksam. Da das Ehrenpreisturnier nur alle fünf Jahre stattfindet, kann Alexander Naumann 2015 natürlich nicht gewonnen haben. Egal, zähle ich einfach 1 dazu und schon kann ich den gebürtigen Magdeburger und amtierenden Deutschen Mannschaftsmeister mit der SG Solingen sogar als aktuellen Ehrenpreissieger bezeichnen. Naumann dominierte das sechsköpfige Teilnehmerfeld an den ersten beiden Tagen mit 4 aus 4. Nach einer schlaflosen Nachtschicht trennte er sich am Sonntagvormittag von Schachlegende Dr. Robert Hübner unentschieden und konnte anschließend aus den Händen von Konrad Reiß Sektkübel, Urkunde und Preisgeld in Empfang nehmen.

Ehrenpreisturnier

Gespielt wurde am Freitag, Sonnabend und Sonntag (17. - 19. Juni) eine, drei und wieder eine Runde mit einer Bedenkzeit von 60 Minuten für 40 Züge plus eine Viertelstunde ohne Inkrement. Zwischen den Runden war genug Zeit um mit Spaziergängen von der Anspannung bei den Partien herunterzukommen oder sich beim Yoga auf dem Rasen des Fussballvereins zu entspannen, wie es Dana Reizniece-Ozola tat. Die einzige Dame im Feld machte es den Herren nicht leicht und besiegte neben dem DDR-Meister von 1972, Manfred Schöneberg, auch Robert Hübner! Dafür wurde sie am Ende mit Platz drei belohnt.

Für den ehemaligen Weltranglistendritten und wohl besten deutschen Schachspieler aller Zeiten nach Emanuel Lasker, sollte es nicht die einzige Niederlage bleiben. Neben Jan Timman durfte sich auch DSB-Präsident Herbert Bastian über einen ganzen Punkt gegen Hübner freuen. Es war erst seine zweite Wettkampfpartie gegen die Schachlegende. Zuvor gab es die bisher einzige Partie bei einer Deutschen Blitzmeisterschaft in den 1970er Jahren.

So groß wie die Freude über den Sieg gegen Hübner war, so groß war auch der Ärger über die verpatzte Partie gegen Jan Timman. Noch stundenlang saß Bastian allein oder mit wechselnden Zuschauern im Turnierraum und brütete über der entscheidenden Stellung gegen den ehemaligen niederländischen Weltklassespieler. Selbst am Abend kam er nicht von der Partie los und baute zum Entsetzen von Konrad Reiß im Schachmuseum auf einem Olympiatisch von 1960 erneut die entscheidende Position auf. Das hatte neben der Belüftung der Figuren und des Brettes noch einen weiteren netten Nebeneffekt: Nun dürfen sich zukünftige Schachhistoriker über die DNA eines DSB-Präsidenten freuen.

Wer gedacht hat, das war bereits das Ende der Analyse, wurde am Sonntag eines Besseren belehrt. Nach einer schnellen Punkteteilung gegen Manfred Schöneberg setzte sich Herbert Bastian draußen zu mir auf die Bank und ging auf dem Brett noch einmal die Partie gegen Timman durch. Eine für ihn gewinnverheißende Fortsetzung fand er auch da nicht.

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Tabelle

Pl. Name DWZ Elo Land Verein Pkt. 1 2 3 4 5 6
1. GM Alexander Naumann 2544 2561 SG Solingen 4,5 x 1 1 1 ½ 1
2. GM Jan Timman 2522 2559 SG Porz 4,0 0 x 1 1 1 1
3. WGM Dana Reizniece-Ozola 2309 2246 SG 1871 Löberitz 2,5 0 0 x ½ 1 1
4. IM Herbert Bastian 2260 2297 SVG Saarbrücken 2,0 0 0 ½ x 1 ½
5. GM Dr. Robert Hübner 2535 2584 - 1,5 ½ 0 0 0 x 1
6. FM Manfred Schöneberg 2226 2245 SG Leipzig 0,5 0 0 0 ½ 0 x

Alle Partien zum Nachspielen

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17.06.2016

Jubiläumsschnellschachturnier

Pl. Teilnehmer DWZ Elo Verein 1 2 3 4 5 6 7 Pkt. Buch SoBe
1. Dr. Martin Schuster 2162 2223 SG 1871 Löberitz 8w1 3s½ 2w0 7s1 6s1 5w1 9w1 5,5 27,5 20,00
2. Frank Hoppe 1915 2014 SV Berolina Mitte 9s½ 11w1 1s1 4w½ 3w½ 8s½ 6s1 5,0 28,0 20,00
3. Gedeon Hartge 2083 2147 USV Halle 12s1 1w½ 5s1 6w1 2s½ 4s½ 7w½ 5,0 28,0 18,75
4. Thomas Richter 1669 1738 SG 1871 Löberitz 6s0 12w1 13w1 2s½ 5s½ 3w½ 8w1 4,5 23,5 12,75
5. Thomas Hentzgen 2003 2061 USV Halle 10w1 7s½ 3w0 8s1 4w½ 1s0 + 4,0 28,0 13,50
6. Michael Zeuner 2080 2152 Aufbau Elbe Magdeburg 4w1 13s1 7w1 3s0 1w0 10s1 2w0 4,0 27,0 11,50
7. IM Heinz Liebert 2065 2182 USV Halle 11s1 5w½ 6s0 1w0 + 13s1 3s½ 4,0 23,5 9,75
8. Maxim Perechoschuk 1851 1876 USV Halle 1s0 9w1 10s1 5w0 12s1 2w½ 4s0 3,5 26,5 10,50
9. Tom Sadewasser 1610 Chemie Bitterfeld 2w½ 8s0 12w½ 11s½ 13w1 + 1s0 3,5 22,0 8,25
10. Andris Ozols 1686 SG 1871 Löberitz 5s0 + 8w0 13s1 11w½ 6w0 12s1 3,5 18,5 6,25
11. Rebekka Schuster 1678 1814 SG 1871 Löberitz 7w0 2s0 + 9w½ 10s½ 12w0 13s1 3,0 19,0 5,50
12. Falk Zschiesing 1839 Chemie Bitterfeld 3w0 4s0 9s½ + 8w0 11s1 10w0 2,5 23,5 6,00
13. Carolin Krone SG 1871 Löberitz + 6w0 4s0 10w0 9s0 7w0 11w0 1,0 23,5 3,00

Etwas dünn präsentierte sich die Spielerdecke beim Jubiläumsschnellturnier am Sonnabend, welches während der zweiten und dritten Runde des Ehrenpreisturniers stattfand. Nur 13 Spielerinnen und Spieler fanden sich um 10 Uhr im schönen Turniersaal ein, der sonst dem Gesangsverein "Löberitzer Liedertafel" jeden Donnerstag als Übungsstätte dient.

Favorit auf den Turniersieg war Dr. Martin Schuster aus der 1. Mannschaft der gastgebenden SG 1871 Löberitz. Nach drei Runden sah es aber gar nicht nach einem vorderen Platz aus. Nach der überraschenden Niederlage in Runde drei gegen den Berichterstatter, hatte mich Turnierleiter Uwe Bombien sogar als möglichen Turniersieger im Fadenkreuz. Doch durch drei mehr oder weniger ausgekämpfte Punkteteilungen (davon zwei geschenkte) kam ich für Platz eins kaum noch in Frage. Schuster dagegen blühte auf, machte Punkt auf Punkt und nahm verdient Siegerurkunde und Preisgeld für seine 5½ Punkte in Empfang.

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Bericht beim Landesschachverband Sachsen-Anhalt
Bericht bei der SG 1871 Löberitz (Scrollen bis zum 20.06.16)

Alle Bilder und Videos im Original und zur freien Verwendung kann man sich in meiner Dropbox herunterladen: Sonnabend | Sonntag

Die Links sind nur einige Monate gültig. Mit enthalten sind auch die Aufnahmen aus dem Schachmuseum. Dazu ist ein separater Artikel geplant.

Frank Hoppe

// Archiv: DSB-Nachrichten // ID 21057

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