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22.05.2016

Ein Sechstligist gewinnt die DBMM!

sbrp.de
Neuer Deutscher Meister Schachfreunde Bad Emstal/Wolfhagen, v.l.n.r. Alexander Riazanzew, Wladimir Kramnik, Pawel Ponkratow, Sergej Rublewskij, Josef Resch (Mannschaftsführer) und Boris Sawtschenko

'"Was, wer hat gewonnen? Bad Ems?!' Nein, Bad Emstal." So schrieb Hans-Dieter Post zu Ostern auf chess-tigers.de als ein noch junger Verein (1993 gegründet) die Hessische Blitz-Mannschaftsmeisterschaft derart überlegen gewann, das er im ersten Fazit unlautere Mittel im Spiel vermutete: "Gute Tagesform und Rest schlecht drauf, unterm Tisch getreten, Figuren umgeschmissen, Uhr des Gegners vorgestellt?" Nichts derart wurde nachgewiesen. Vielmehr reichten die mitgebrachten russischen Großmeister aus, um das Teilnehmerfeld in einen Schockzustand zu versetzen und mit 58:0 Mannschafts- und 110½:5½ Brettpunkten einen Rekord für die Ewigkeit aufzustellen.

Das hessische Schachpublikum konnte sich seit März an den neuen Überflieger gewöhnen und Post prophezeite "Nun hat Hessen einen echten Anwärter auf den deutschen Titel im Rennen. Also, herzlichen Glückwunsch und viel Erfolg!" Die Prophezeiung traf ein!

Vier Tage vor der Deutschen Blitz-Mannschaftsmeisterschaft in Schifferstadt erfuhr auch die breite deutsche Schachöffentlichkeit vom hessischen Wunderteam. Bundesturnierdirektor Ralph Alt gab die teilnehmenden Mannschaften bekannt und wies dabei auf die Aufstellung der über Nordhessen hinaus unbekannten Schachfreunde Bad Emstal/Wolfhagen hin. Wurde doch bei denen Ex-Weltmeister Wladimir Kramnik gemeldet und gleich mit einer knappen Handvoll hochkarätiger Großmeister hintendran. Die eigentlich relativ belanglose Meldung erreicht bis heute Topklickzahlen!

Das plötzliche Staraufgebot des Aufsteigers aus der Nordhessenliga (7. Liga) kommt allerdings nicht ganz so überraschend. Verantwortlich dafür ist neben dem Vorsitzenden Thomas Körber auch Josef Resch, der wie Herbert Bastian unten schreibt schon länger mit Kramnik befreundet ist. Der im Westen Russland's in Pokrowskoje vor 58 Jahren geborene Resch organisierte 2008 die Weltmeisterschaft zwischen Kramnik und Anand in Bonn! Auf der Webseite der Schachfreunde ist zudem die Rede von "unserer Talentschmiede" in der Ukraine.

In der Nordhessenliga (DWZ-Schnitt irgendwo zwischen 1700 und 1800) mischte man die Konkurrenz bei einem eigenen Schnitt von weit über 2100 relativ locker auf. Einmal saß sogar Kramnik am Brett - jedenfalls auf dem Papier. Die gegnerische Mannschaft trat nicht an und verlor kampflos 0:8. Mit Jakow Nesterow stand dabei noch ein weiterer Großmeister auf dem Spielzettel. Es war bis auf noch zwei echte Einsätze von Nesterow die einzige GM-Doppelspitze. Ansonsten holten sich FM Robert Oros (7½/8) und Wladislaw Tiba (6½/7) als Spitzenbretter die Punkte bei den Gegnern ab.

Wir sind gespannt wie es mit den Schachfreunden Bad Emstal/Wolfhagen weitergeht nach dem Gewinn der DBMM und dem Aufstieg in die sechste Liga!

Frank Hoppe

Endstand

Pl. Mannschaft TWZ S R N MP BP
1. SF Bad Emstal/Wolfhagen 2710 24 1 0 49:1 87.5:12.5
2. TSV Schönaich 2451 21 3 1 45:5 74.0:26.0
3. FC Bayern München 2397 20 1 4 41:9 72.0:28.0
4. SG Solingen 2516 17 2 6 36:14 67.5:32.5
5. TSV Schott Mainz 09 2374 16 3 6 35:15 64.5:35.5
6. SG Bochum 1931 2350 14 5 6 33:17 61.5:38.5
7. Erfurter SK 2374 14 5 6 33:17 57.0:43.0
8. SF Berlin 1903 2467 13 6 6 32:18 61.0:39.0
9. SC 1950 Remagen 2263 13 4 8 30:20 60.0:40.0
10. SC Untergrombach 46 2318 13 3 9 29:21 53.0:47.0
11. Düsseldorfer SK 14/25 2401 11 5 9 27:23 50.5:49.5
12. DJK Aufwärts Aachen 1920 2433 11 4 10 26:24 51.5:48.5
13. SF Schwerin 2291 9 7 9 25:25 51.0:49.0
14. SK Landau 2317 8 6 11 22:28 46.5:53.5
15. SV Werder Bremen 2306 7 7 11 21:29 44.0:56.0
16. SC Noris-Tarrasch Nürnberg 2242 9 3 13 21:29 42.0:58.0
17. SC Caissa Schwarzenbach 2228 8 4 13 20:30 45.0:55.0
18. Delmenhorster SK v. 1931 2274 5 9 11 19:31 43.0:57.0
19. SV Sangerhausen 2214 6 6 13 18:32 37.0:63.0
20. SK Norderstedt v. 1975 2290 6 5 14 17:33 40.0:60.0
21. Hannover 96 2277 6 4 15 16:34 37.5:62.5
22. FC St. Pauli 1910 2275 5 6 14 16:34 37.5:62.5
23. SK Bebenhausen 1992 2250 4 6 15 14:36 35.0:65.0
24. TSG Oberschöneweide 2064 3 7 15 13:37 34.5:65.5
25. TSV Haunstetten 2134 3 2 20 8:42 26.0:74.0
26. SC Schifferstadt 2051 1 2 22 4:46 21.0:79.0

Bericht des DSB-Präsidenten

Die vom SC Schifferstadt 1922 ausgerichtete DBMM wird zu den Highlights dieses Jahres gehören. In der wunderschönen Aula der Realschule Plus und FOS Schifferstadt und umsorgt vom perfekt funktionierenden Team um den Vorsitzenden Roland Meinhardt fühlten sich die Akteure sehr wohl. Das Wetter spielte mit, und das Siegerteam um Exweltmeister Wladimir Kramnik zog Zuschauer an.

Wer genauer hinschaute, konnte viele pikante Begegnungen von Helden vergangener Tage genießen. Ein paar Beispiele:

Herbert Bastian

Hier spielt Eric Lobron (Deutscher Meister 1980 und 1984; links) gegen Klaus Bischoff (Deutscher Meister 2013 und 2015, rechts). Klaus Bischoff war 13 mal Deutscher Blitzschachmeister, Eric Lobron noch nie. Doch diese Begegnung gewann Lobron. Beide haben viele Jahre gemeinsam in der Nationalmannschaft gespielt.

Herbert Bastian

Hier spielt Klaus Bischoff gegen Peters Enders, Deutscher Meister 1994. Die Partie endete remis.

Herbert Bastian

Aus der Begegnung Schachfreunde Bad Emstal/Wolfhagen gegen den SK Landau. Josef Resch (stehend rechts) ist mit Wladimir Kramnik befreundet. Er hat das erfolgreiche Team zusammengestellt und geführt. Am Brett sieht man Wladimir Kramnik, Alexander Riatzanzew, Boris Sawtschenko und Sergej Rublewskij. Für Landau spielen Karl Jasmin Muranyi, Stephan Becking, Torsten Lang und Tobias Bärwinkel.

Herbert Bastian

Michael Bezold, Bundesnachwuchstrainer von 2000 bis 2002, geriet gegen Wladimir Kramnik in einen unparierbaren Königsangriff. Er erzielte an Brett 1 ausgezeichnete 19,5 Punkte aus 25 Partien. Sein Team Bayern München wurde Dritter. Klaus Bischoff (20 aus 25) holte an Brett 2 den Ehrentreffer gegen Sawtschenko.

Herbert Bastian

Das junge saarländische Team vom SC Caissa Schwarzenbach hat in der Oberliga Südwest mit einem Schlussrundensieg gegen Koblenz den Wiederaufstieg in die 2. Bundesliga geschafft. Von links nach rechts Dr. Jan Bürmann (Vorsitzender), Rick Frischmann, Reinhold Müller, Jan Grewenig, Achim Wild und Paul Grewenig. In Schifferstadt wurde ein ausbaufähiger Platz 17 erreicht.

Herbert Bastian

Die Schachfreunde Berlin 03 (Platz 8) werden im nächsten Jahr die zentrale Endrunde der Bundesliga austragen (29. April - 1. Mai 2017). Parallel dazu ist ein bundesweiter Vereinskongress in Planung. Diesen Termin sollte man sich jetzt schon eintragen! Am Brett (von links nach rechts) Ilja Schneider, Marco Baldauf, Lars Thiede und Rainer Polzin.

Herbert Bastian
Werder Bremen (links Olaf Steffens) gegen Schifferstadt

Ein schöner Rücken kann auch entzücken. Es ist bestimmt keine schlechte Idee, als Team mit einem einheitlichen Trikot, das als Werbefläche für den Verein dienen kann, anzutreten. Im Schach ist eine Trikotpflicht immer noch nicht durchsetzbar, was ich persönlich schade finde. Der ausrichtende Verein hatte neben den Spielern auch alle Helfer mit diesem Trikot versorgt.

Herbert Bastian

Ich habe nur eine Frau bei den Aktiven gesehen, und die sollte man kennen: Gisela Fischdick, hier mit ihrem Lebenspartner Ulf Andersson (links), hat 17 mal die Deutsche Blitzschachmeisterschaft der Frauen gewonnen. Das erste Mal 1974, das letzte Mal 2015!

Herbert Bastian

Blick in den Turnierraum, die Aula der Realschule Plus. Rechts der Tisch der Turnierleitung mit Bundesturnierdirektor Ralph Alt.

Herbert Bastian

Es gab nur wenig zu schlichten. Hajo Vatter erklärt Ralph Alt die Schlussphase seiner Partie. Links Schiedsrichter Dieter Hess.

Herbert Bastian

Wahre Liebe kennt keine Vorliebe – Franz-Josef Becking spielt mit allen Figuren gern.

Ich werde den Tag in Schifferstadt in bester Erinnerung behalten. Solche Events in einem ansprechenden Ambiente braucht der Schachsport!

DSB-Turnierseite

Herbert Bastian

// Archiv: DSB-Nachrichten // ID 20968

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