Nach oben
18.07.2014

Georg Meier möchte Schach nicht zum Beruf machen

Dagobert Kohlmeyer
Georg Meier vor seiner legendären Partie gegen Kramnik

Vielleicht überlegt sich das Georg Meier nochmal mit seiner nichtschachlichen Berufskarriere. Am letzten Sonnabend gewann er mit Schwarz gegen Ex-Weltmeister Wladimir Kramnik, einen ausgewiesenen Spieler der Weltelite, der mit Schach locker seine Familie ernähren kann. Wer so einen Spieler besiegt, hat doch sicher auch das Zeug Schach zum Beruf zu machen. Zumal Meier auch schon bei anderen Turnieren seine Klasse unter Beweis gestellt hat.

Uns beantwortete der deutsche Olympionike vor einigen Tagen ein paar Fragen.

In den letzten Jahren hast Du in den USA gelebt und studiert. Bist Du mit Deinem Studium fertig? Wie sehen Deine Pläne für die Zukunft aus?

Ich habe ein Jahr an der Texas Tech in Lubbock studiert, dann 2 Jahre am Campus der Webster University in St. Louis. Die Bachelor-Studiengänge in den USA dauern typischerweise ein Jahr länger als bei uns, also insgesamt 4 Jahre. Das letzte Jahr meines Bachelorstudiums absolviere ich ab August in Wien, am dortigen Campus der Webster University. Meine Abschlüsse mache ich in den Studiengängen „Management with emphasis on international business“ und „Internatioal relations with emphasis on economics“. Ich beschäftige mich bereits mit der Planung meines Master-Studiums in „Internatioal Economics“, werde also noch 2 weitere Jahre studieren, dann hoffentlich an einer weit besseren Uni als Webster. In jedem Fall beabsichtige ich nun in Europa zu bleiben und schließlich einen Beruf zu ergreifen der nichts mit Schach zu tun hat.

In wenigen Wochen beginnt die Schacholympiade. Hast Du einen speziellen Trainingsplan dafür? Wenn ja, wie sieht der aus?

Ich beschäftige mich häufig mit Schach, vor großen Turnieren natürlich mehr als sonst. Mein Trainingsplan sah diesmal das „Warmspielen“ bei den Weltmeisterschaften im Blitz- und Schnellschach in Dubai vor. Ich finde oft schwer in Turniere rein wenn ich längere Wettkampfpausen habe, daher habe ich auch angefangen wieder mehr Blitz im Internet zu spielen. Mir hilft das um in Form zu bleiben, aber meistens sind die Gegner dort nicht stark genug. Früher machte ich Trainingscamps mit einem Trainingspartner vor wichtigen Turnieren. Jetzt wo ich zurück in Europa bin eröffnet sich diese Möglichkeit von Neuem, für die Zukunft.

Vor der Olympiade hast Du Dir ein straffes Turnierprogramm auferlegt. Glaubst Du so für die Olympiade in die optimale Form zu kommen?

Im Sinne meiner letzten Antwort: Für mich ist spielen das beste Training. Auch habe ich des öfteren 3 Turniere hintereinander gespielt. Es ist ein bisschen gefährlich, denn wenn der Bogen einmal überspannt ist, lässt die Form nach, aber nach meiner Erfahrung ist alles im grünen Bereich wenn ich das 3. Turnier nicht an einem schrecklichen Ort spiele, so wie das Flughafengelände des Istanbuler Flughafens bei der letzten Olympiade... In Tromsø werde ich mich wohlfühlen, mittlerweile verbringe ich viel Zeit in Skandinavien.

Die Schacholympiade ist das Highlight des Schachjahres. Viele deutsche Schachliebhaber werden dieses große Event intensiv verfolgen. Inwiefern kriegt man während so eines anstrengenden Turniers diese Unterstützung mit?

Ich bekomme hin und wieder aufmunternde Nachrichten, auch von mir unbekannten Menschen die Schach mögen und mitfiebern. Ich freue mich über jede einzelne Botschaft der Unterstützung.

Magnus Carlsen, der in Tromsø die norwegische Mannschaft anführen wird, ist vor kurzem auch Schnell- und Blitzschach-Weltmeister geworden. Wie erklärst Du seine unangefochtene Dominanz und was muss Anand bei der kommenden WM in Chanty-Mansijsk tun, um eine realistische Chance auf den Titel zu haben?

Ich habe dazu eine Meinung, aber die wird den Rahmen dieses Interviews sprengen, vielleicht einmal an anderer Stelle.

Welche Frage wolltest Du schon immer mal gestellt bekommen und wie lautet die Antwort auf diese Frage?

„Welche Frage wolltest Du schon immer mal gestellt bekommen und wie lautet die Antwort auf diese Frage?“

„Mir fehlt hierzu das Interesse an Selbstdarstellung.“

Die Fragen für den DSB stellte Jonathan Carlstedt.

Bisherige Interviews: Elisabeth Pähtz | Tatjana Melamed | Liviu Dieter Nisipeanu | Melanie Ohme | David Baramidze | Zoya Schleining

Frank Hoppe

// Archiv: DSB-Nachrichten // ID 9918

Sie müssen sich anmelden, wenn Sie diesen Artikel kommentieren wollen.
Haben Sie Nachrichten für uns? ist die richtige Adresse!

Zurück

x