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07.11.2014

7. Deutscher Schulschachkongress

Björn Lengwenus

1. November 2014 in Bad Hersfeld

Mit über 100 Lehrerinnen und Lehrern als lernende Teilnehmer fand der 7. Deutsche Schulschachkongress am 01.11.2014 in Bad Hersfeld statt. Die Qualität dieser Kongresse hat sich herumgesprochen. So ist es unterdessen ganz normal, dass die Teilnehmer auch aus dem benachbarten Ausland kommen. In diesem Jahr reisten die Schulschachinteressierten nicht nur aus allen Bundesländern an sondern auch aus der Schweiz, Österreich und den Niederlanden.

Und warum Bad Hersfeld? Zum einen, da es ein wunderschöner Kurort ist, wie bei der Eröffnung die Vertreter der Stadt und des Landkreises glaubhaft vermitteln konnten, sondern auch weil Bad Hersfeld ein Zentrum des Schulschachs ist mit den beiden ausgezeichneten Deutschen Schachschulen Wilhelm-Neuhaus-Grundschule und Gesamtschule Obersberg. Karl-Heinrich George von der Wilhelm-Neuhaus-GS half bei der Organisation des Kongresses und brachte auch Kinder seiner Grundschule mit, damit in den Workshops nicht nur theoretisch sondern auch praktisch Schachtraining gezeigt werden konnte.

Podiumsdiskussion stark besetzt

Traditionell beginnt am Abend vor dem Kongress die größte bundesdeutsche Veranstaltung im Bereich Ausbildung mit einer Podiumsdiskussion. Das Thema lautete: „Schulprofil Schach – Nachhaltigkeit statt Strohfeuer.“ Walter Rädler – Vorsitzender der Deutschen Schulschachstiftung e.V., und Kirsten Siebarth – Referentin für Schulschach im Vorstand der Deutschen Schachjugend, konnten eindrucksvoll darstellen, wie sich Schulschach in den letzten Jahren entwickelt hat. Von der Arbeitsgemeinschaft am Nachmittag mit einem freiwilligen Spielangebot Schach bis hin zu Schulen, die Schach in ihr Schulprofil aufgenommen haben und Schach als festen Bestandteil ihres Bildungsauftrages in den Fächerkanon integriert haben, wobei das nicht heißen muss, dass das Schulfach Schach benotet werden muss. War das frühere lockere Schachangebot an Schulen meist abhängig von einzelnen Personen, von Nachhaltigkeit also keine Rede, so ist heutzutage an vielen Schulen das Schachangebot fest verankert. Dazu mit beigetragen hat das Qualitätssiegel Deutsche Schachschule. Immerhin schon 42 Schulen tragen dieses Siegel und es kommen jährlich über 10 Schulen hinzu.

Einer der Mitorganisatoren der Initiative Schach als Fach ist auch die Hamburger Firma ChessBase, die die Grundschule Genslerstraße in Hamburg in der Startphase unterstützte und mitverantwortlich war für den Slogan Schach statt Mathe, für den sich sogar mit all den dazugehörenden Konsequenzen die Hamburger Senatorin für Schule und Bildung begeistern konnte. Mit diesem provokanten Slogan wurde die Diskussion um die Integration von Schach in den Schulalltag beflügelt, wie der Geschäftsführer Rainer Woisin schildern konnte.

Barclaycard fördert Schach an Schulen

Genau an dem Punkt setzt auch das Engagement von Barclaycard an. Barclaycard stieg zuerst beim weltgrößten Schulturnier „Rechtes Alsterufer gegen Linkes Alsterufer“ ein und ließ sich und vor allem der Europachef, der in Direktschaltung aus London ins Congress Centrum in Hamburg zugeschaltet war, von der Begeisterung der Schülerinnen und Schülern mitreißen. Aus dieser ersten Initiative entwickelte sich die Idee von Yes2Chess. Einer europaweiten Aktion, mit der über 25.000 Kinder im Grundschulalter erreicht wurden mittels eines Internetschulturnieres, dessen Finale im Juni in London ausgetragen und von der Hamburger Brechtschule gewonnen wurde. Michael Thomsen konnte nachhaltig deutlich machen, dass dies kein Strohfeuer von Barclaycard ist, sondern die Initiativen im Schulschach fortgeführt werden und bis einschließlich 2016 andauern. Barclaycard unterstützte erstmals den Schulschachkongress, fördert Schulen in Brennpunktstadtteilen in Hamburg Schach in die Schule einzubinden und bis 2020 Deutsche Schachschule zu werden. Diese Initiative wird dann von Hamburg auf das Bundesgebiet ausgeweitet werden. Im Mittelpunkt wird aber vor allem weiterhin Yes2Chess stehen, diesmal erweitert durch die Teilnahme von Singapur und Indien. Noch im Dezember wird der Startschuss fallen. Die besten 8 deutschen Mannschaften werden in Hamburg direkt am Brett das deutsche Finale ausspielen. Zu diesem Finale werden sich 4 weitere Schulen qualifizieren können durch Aktionen rund um das Thema Yes2Chess, die man an den eigenen Schulen durchführt.

Vielfältig attraktives Seminarangebot

Aus 21 Seminaren in 3 Blöcken konnte sich jeder Teilnehmer sein individuelles Programm zusammenstellen. Die einen wollten lieber mehr Tipps und Tricks aus dem Bereich Organisation erhalten und ließen sich von Simon Martin Claus einweihen in die Kunst der Turnierorganisation, andere waren mehr an neuen Lehrmaterialien interessiert und ließen sich zum Beispiel einführen in das neue Trainingsmaterial für den Kindergartenbereich, die Vorschule und die ersten Klassen der Grundschulen, das Dr. Dirk Jordan und Harald Niesch entwickelt haben. Sehr stark nachgefragt sind auch immer die Seminarthemen, bei denen man ganz praktisch in das direkte Training eingeführt wird wie „Kleine Spiele im Schachtraining“ mit Walter Rädler, „Auf der Jagd nach König Schwarz – eine Schachschnitzeljagd mit Björn Lengwenus, oder mit Manfred Grömping eine Einführung in motivierenden Schachunterricht für Anfänger. Schulschachtraining 2.0 mittels Internet und Software sowie eine Einführung in das Yes2Chess Programm lehrte Rainer Woisin und das russische Trainingssystem stellte Nikolaus Sentef vor.

Methodenkoffer 2.0 für den Schachunterricht

Gleich zweimal mussten Kirsten Siebarth und Patrick Wiebe ran, denn sie stellten den von ihnen zusammen mit Björn Lengwenus entwickelten Methodenkoffer 2.0 vor. Vor 4 Jahren beim Kongress in Hamburg wurde die erste Version des Koffers präsentiert. Schnell entwickelte sich mehr daraus. Neue Methoden, neue Ideen kamen hinzu und so musste die Version 2.0 auf den Markt. Mehr als ein Jahr dauerte die Entwicklung und Erstellung des neuen Methodenkoffers, den nun die Schulschachstiftung pünktlich zum Schulschachkongress präsentieren konnte. Vor allem dank der Mitarbeit und Unterstützung der Firma Joodix, die von Dr. Dirk Jordan in Dresden gegründet wurde. Ohne ihn und der Mitarbeiterin Nadine Villwock, die zusammen mit Gustaf Mossakowski und Martin Woidyla das Layout verantwortet, wäre der neue Methodenkoffer nie in der vorliegenden Qualität erschienen. Im Mittelpunkt stehen aber natürlich die 60 Methoden der Autoren Kirsten Siebarth, Patrick Wiebe, Björn Lengwenus, mit deren Hilfe mit jedem Alter und jeder Spielstärke abwechslungsreiches, kinder- und jugendgemäßes Schachlernen ermöglicht wird.

Markt der Möglichkeiten und Tauschbörse

Im Kongresshotel eroberte Schach sofort alle Räumlichkeiten und Flure, was vor allem auch am Markt der Möglichkeiten lag. Hier können Schulen sich präsentieren, Lehrerinnen und Lehrer ihr Trainingsmaterial, ihre Ideen präsentieren. Dies ist ein ganz wichtiger Bestandteil des Kongresses, die Kommunikation, der Austausch untereinander. Das Schulsystem in Deutschland ist vielfältig, genauso vielfältig sind die Angebote an den Schulen.
Zum Markt der Möglichkeiten und zur Tauschbörse von Lehrmaterial passte sehr gut, dass Kirsten Siebarth zum Kongress die neue Internetseite www.schach-als-fach.de vorstellen konnte. Auf ihr kann ab sofort Lehrmaterial getauscht werden. Jeder kann einstellen und herunterladen, um seinen Unterricht im Schach noch attraktiver und abwechslungsreicher zu gestalten. In vielen Schulfächern gibt es solche Tauschbörsen im Internet, nun auch im Schach.

Schachlehrerin des Jahres Sabine Würz

Der Kongress klingt aus mit der schachpädagogischen Nacht, bei der man sich in Gespräche verwickeln lässt, Kontakte knüpft, es sich gut gehen und überraschen lässt von einem kleinen Kulturprogramm. In diesem Jahr überraschte der Zauberkünstler Ronald Granrath mit seinen Kunststücken die Kongressteilnehmer. Bestandteil der schachpädagogischen Nacht ist die Bekanntgabe, wer sich künftig Schachlehrer oder Schachlehrerin des Jahres nennen darf. Die Jury, der Arbeitskreis Schulschach der DSJ, hatte es wieder schwer. Zwar gab es nicht viele Bewerbungen, dafür aber sehr gute! In der geheimen Abstimmung setzte sich Sabine Würz aus Ingolstadt durch. Sie ist Lehrerin an der Grundschule an der Münchener Straße. Es beeindruckte die Jury, wie sie innerhalb weniger Jahre aus dem Nichts, es gab kein Schachangebot an der Schule, in Eigenregie ein Schachangebot aufbaute. Unterdessen unterrichtet sie 6 Stunden Schach an der Grundschule, Kolleginnen bitten sie schwierige Schüler oder Schülerinnen in ihren Schachunterricht einzubinden, um sie an das Lernen heranzuführen, was sie mit Erfolg tut. Und die Schule wurde dank ihres Engagements Deutsche Schachschule 2013.

Kinder haben ein Recht auf Bildung

Und zwar weltweit. Dafür setzt sich terre des hommes ein, eine weltweit agierende Hilfsorganisation, die sich hauptsächlich den Kindern verschrieben hat. Seit nun fast 15 Jahren hat die Deutsche Schachjugend eine Kooperation mit terre des hommes und bemüht sich die Ziele von tdh innerhalb der Schachorganisation bekannt zu machen und zum Nachdenken anzuregen. Kirsten Siebarth und Malte Ibs, Beauftragter der DSJ für die Kooperation mit tdh sowie 2. Vorsitzender der DSJ, kamen auf die Idee, die Kooperation in den Schulschachkongress einzubinden. Eigentlich eine naheliegende Idee, denn beide Seiten, die Schulen in Deutschland und die Deutsche Schachjugend, stehen für Bildung. Und Bildung sollte für alle Kinder auf dieser Welt zugänglich sein, dafür steht terre des hommes.
Doris Wächter präsentierte die Arbeit von tdh und die Kooperation auf dem Markt der Möglichkeiten, und die Lehrerinnen und Lehrer kauften Tombolalose für über 400 Euro zugunsten von terre des hommes. Zudem fand auf der schachpädagogischen Nacht eine amerikanische Versteigerung eines Methodenkoffers zugunsten von terre des homme statt. Alles in allem unterstützt der Schulschachkongress die Arbeit von terre des hommes mit mehr als 600 Euro.

Vernetzung der Schachschulen

Im Anschluss an den Kongress trafen sich die Deutschen Schachschulen zu einem Workshop und entwickelten Ideen für eine intensive Vernetzung. So wurde zum Beispiel beschlossen regionale Konferenzen einzuführen, auf denen sich die Lehrer und Lehrerinnen der Schachschulen austauschen können.
Zeitgleich trafen sich die Landesschulschachreferenten zu einem Ideenaustausch. Die DSJ plant den Boom des Grundschulschachs aufzufangen durch eine Erweiterung der Deutschen Grundschulmeisterschaften, bei der pro Landesverband künftig 4 Mannschaften starten dürfen, darunter auch reine Mädchenteams, sowie durch eine Erweiterung der Wettkampfklasse IV.

Schulschach auf dem Vormarsch?

Der Vormarsch von Schach an den Schulen ist nicht aufzuhalten, da sind sich Kirsten Siebarth und ihr AK Schulschach der DSJ und Walter Rädler von der Schulschachstiftung e.V, einig. Er wird begleitet und beschleunigt durch die gute, vielseitige Arbeit beider Organisationen. Dazu gehört als ein Jahreshöhepunkt der Schulschachkongress!

Jörg Schulz

// Archiv: DSB-Nachrichten // ID 19077

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