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13.07.2017

Neue FIDE-Regeln - was ändert sich wirklich in der Praxis?

FIDE-Regeln, gültig ab 1. Juli 2017
Frank Hoppe
FIDE-Regeln, gültig ab 1. Juli 2017

Alle vier Jahre gibt es für uns Schachspieler neue Regeln und wir müssen uns an neue Dinge gewöhnen. Da die 2013er-Regeln erst zum 1. Juli 2014 in Kraft getreten sind, mussten wir dieses Mal nur drei Jahre auf die Neuerungen warten. Die neuen Regeln wurden während der Schach-Olympiade in Baku in der Regelkommission diskutiert und beschlossen. Daraufhin hat das Presidential Board der FIDE Anfang des Jahres wieder Änderungen zurückgenommen und dann die finale Version verabschiedet. Danach wurde die deutsche Übersetzung auf den neuesten Stand gebracht. Die Hefte mit den neuen Fide-Regeln können in der Geschäftsstelle oder bei den Landesverbänden bestellt werden. Auf der Seite der Schiedsrichterkommission kann dieses Heft auch als PDF heruntergeladen werden. Auf dieser Seite gibt es auch noch mehr Details zu den Änderungen, die aber meiner Meinung nach in der Praxis wenig bis keine Auswirkungen haben. Mittlerweile hat die FIDE zehn Auslegungen auf der Seite arbiters.fide.com veröffentlicht, die ich auf unserer Seite übersetzt habe.

Die größte Änderung der neuen Regeln ist, dass ab diesem Monat das Ziehen mit zwei Händen als regelwidriger Zug gewertet wird. Gleiches gilt für das Uhrendrücken ohne einen Zug ausgeführt zu haben. In Blitz- und Schnellschachpartien, die nicht besonders durch Schiedsrichter überwacht werden, bedeutet dies, dass das erste Fehlverhalten die Partie kostet, sofern der Schiedsrichter dies sieht oder der Gegner dies reklamiert. In Turnierpartien wird der erste regelwidrige Zug (normal, 2 Hände oder Uhrendrücken) mit 2 Zusatzminuten für den Gegner bestraft. Der zweite verliert dann die Partie. Dies gilt auch dann, wenn man die Art des regelwidrigen Zugs gewechselt hat, z.B. der erste ein zweihändiges Ziehen war und der zweite ein „normaler“ regelwidriger Zug war. Wer dies anhand der Regeln nicht glaubt, der sei auf die Auslegungen der FIDE verwiesen. Wie bisher treten die negativen Folgen des regelwidrigen Zugs erst dann ein, wenn man die Uhr gedrückt hat. Ansonsten kann man noch straffrei korrigieren (auch im Blitz- und Schnellschach). Schwieriger wird das Korrigieren, wenn schon zwei Hände im Spiel waren. Ich würde dann dem Spieler empfehlen die Ausgangsstellung wieder aufzubauen, und dann den Zug korrekt aufzubauen. In den Auslegungen der FIDE wird auch klargestellt, dass ich in einem Zug nur einen regelwidrigen Zug machen kann, d.h. eine regelwidrige Rochade ausgeführt mit 2 Händen zählt nur als ein regelwidriger Zug. Weiterhin wird das Ziehen mit der einen Hand und das Drücken mit der anderen nicht als regelwidriger Zug gewertet. Dies ist aber trotzdem ein Regelverstoß, der mit dem normalen Strafenkatalog bestraft wird.

Die weiteren Änderungen der FIDE-Regeln sind weniger spektakulär. So darf man frühestens Remis vereinbaren, wenn beide Spieler mindestens einen Zug ausgeführt haben und das Reglement (wie beispielsweise in der 1. Bundesliga) keine spätere Grenze vorsieht. Falls die Turnierausschreibung keine Regelung zur Wartezeit vorsieht, so beträgt sie automatisch 0 Minuten, d.h. wer zu Partiebeginn nicht am Brett ist, verliert kampflos. Sollte aus Versehen eine Partie mit vertauschten Farben begonnen werden und wird dies innerhalb der ersten 10 Züge festgestellt, so wird eine neue Partie angesetzt, falls die Partie noch nicht beendet wurde.

Eine Partie ist remis, wenn 5 mal dieselbe Stellung erreicht wird. Dies muss dann im Gegensatz zur dreimaligen Stellungswiederholung nicht von einem Spieler reklamiert werden. Hier wurde eine sehr komplizierte 2014er-Regel abgelöst.

Die Turnierausschreibung kann demnächst vorsehen, dass Spieler den Schiedsrichter fragen müssen, wenn sie zur Toilette gehen wollen, auch wenn sie nicht am Zug sind. Weiterhin wird klargestellt, dass die Spieler zusammen mit dem Schiedsrichter Remisanträge nach der 50-Züge-Regel bzw. dreimaligen Stellungswiederholung überprüfen müssen.

Die Regeln zur „Nichtbenutzung“ von elektronischen Geräten sowie die Durchsuchungsrechte des Schiedsrichters wurden angepasst. Es gibt nun einen Verweis auf die Anti-Cheating-Regelungen. Weiterhin wird auch das Rauchen von E-Zigaretten nur in den Raucherbereichen gestattet.

Weiterhin gab es noch Änderungen im Blitz- und Schnellschach, die aber zu keinen Änderungen in der Praxis führen. Es gibt einen neuen Satz, dass der Schiedsrichter auf Zeit reklamieren kann. In den Auslegungen wird festgelegt, dass er dies tun muss, wenn er es sieht und damit sind wir bei den Regeln, die schon seit 2014 in Kraft sind.

Es gab noch Änderungen, die die Endspurtphase betreffen, aber ich denke, dass diese Paragrafen in Deutschland kaum oder gar nicht angewendet wurden.

Jürgen Klüners
Internationaler Schiedsrichter, Mitglied der DSB-Schiedsrichterkommission

// Archiv: DSB-Nachrichten // ID 22151

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