Günter Reinemann †

18.07.2018 15:46
Dr. Günter Reinemann
Norbert Hartge
Dr. Günter Reinemann

Am 16. Juli 2018 ist der langjährige Präsident und Ehrenpräsident des Landesschachverbandes Sachsen-Anhalt, Dr. Günter Reinemann, nach schwerer Krankheit verstorben. Der Landesschachverband und der Deutsche Schachbund verlieren mit ihm einen extrem zuverlässigen und bescheidenen Menschen, der sich jahrzehntelang im Schachsport hingebungsvoll engagierte.

In seiner präsidialen Amtszeit von 1999 bis 2015 entwickelte sich das Schach in Sachsen-Anhalt mit Hilfe seines Teams in unnachahmlicher Weise. Der Mitgliederbestand wurde gefestigt und im Nachwuchs gab es sogar eine steigende Tendenz. Die Finanzen wurden auf eine solide Basis gestellt, die Lizenzen bei den C-Trainern innerhalb von acht Jahren verdoppelt. Mannschaften und Spieler aus der Jugend feierten deutschlandweit Erfolge und holten Titel und Medaillen nach Sachsen-Anhalt. Zudem richtete der Landesschachverband zahlreiche nationale und internationale Meisterschaften aus, exemplarisch dafür steht die Deutsche Einzelmeisterschaft 2006 in Osterburg und die Seniorenweltmeisterschaft 2004 in Halle.

Auch auf Bundesebene im Arbeitskreis der Landesverbände (AKLV) hatte das Wort von Günter Reinemann stets Gewicht und seine Meinung wurde sehr geschätzt. Es war deshalb selbstverständlich, dass der Deutsche Schachbund seine Verdienste auf allen Ebenen auf dem Bundeskongress 2015 in Halberstadt mit der Verleihung der Goldenen Ehrennadel würdigte.

Am 26. September 2015 kandidierte Dr. Günter Reinemann aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr als LSV-Präsident. Andreas Domaske (r.) wurde sein Nachfolger.
Norbert Hartge
Am 26. September 2015 kandidierte Dr. Günter Reinemann aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr als LSV-Präsident. Andreas Domaske (r.) wurde sein Nachfolger.

Am 26. Januar 1942 im thüringischen Eisenach geboren, begeisterte sich Günter Reinemann im Alter von acht Jahren erstmals für das Schachspiel. In den 1960er Jahren wurde er Mitglied der Schachsektion der Technischen Hochschule (TH) Merseburg. Dort war er nicht nur ein erfolgreicher Sektionsleiter, sondern auch beruflich erreichte seine Karriere als Leiter des Rechenzentrums der TH einen ersten Höhepunkt. Später entwickelte er selbst Anwendungssoftware und beschäftigte sich folgerichtig in seiner Freizeit auch mit Computerschach. 1987 veröffentlichte er im Ostberliner Akademie-Verlag mit Christian Posthoff - ebenfalls ein Programmierer und starker Schachspieler - das Taschenbuch "Computerschach - Schachcomputer", das ein Jahr später vom Verlag Harri Deutsch in Frankfurt/Main nachgedruckt wurde.

Nach der Wiedervereinigung war Günter Reinemann beim Haus der Technik in Essen als freier Dozent für grafische Datenverarbeitung tätig. Hier entwickelte er sich zu einem Experten in AutoCAD, einer 1982 erstmals erschienenen Software für die Erstellung von Vektorgrafiken, insbesondere technischer Zeichnungen. Unter seiner Leitung erschienen zahlreiche Fachbücher über AutoCAD.

Beruflich wechselte er danach wieder nach Sachsen-Anhalt und wurde Abteilungsleiter der Gesellschaft für Organisation und Informationsverarbeitung (GISA) in Halle/Saale. An der Universität Halle und der Fachhochschule Anhalt Köthen war er zudem Lehrbeauftragter und bei der imp GmbH in Halle Geschäftsführer.

Schachlich zog es ihn nach der Zeit in Merseburg übrigens zu WBK 67 Halle-Neustadt, wo er rund 30 Jahre aktiv war und oft in der DDR-Ligamannschaft zum Einsatz kam. 2001 wechselte er zu USV Volksbank Halle und spielte dort in der Landesliga. Es war gleichzeitig sein letzter Verein. Am Montag hörte sein Herz für immer auf zu schlagen.

Unsere Gedanken sind bei seiner Frau Christine und seiner Familie.

Ullrich Krause
Präsident des Deutschen Schachbundes

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