Interview mit Dan-Peter Poetke, Referent für Frauenschach

19.03.2018 12:14
Dan-Peter Poetke

Kandidatenturnier in Berlin

Dan-Peter Poetke ist seit 2009 beim Deutschen Schachbund für das Referat Frauenschach zuständig. Da er nicht weit von Berlin entfernt wohnt, war er nicht nur Gast bei der Eröffnungsgala, sondern schaut auch immer wieder live bei den Runden vorbei.

Wie hat Dir die Eröffnungsfeier gefallen?

Ich bin unvoreingenommen hingegangen und habe viel Interessantes erlebt. Die Rede von Serzh Sargsian, dem Präsidenten der Armenischen Schachföderation, war mir allerdings zu lang und mein Musikgeschmack wurde auch nicht getroffen - ich habe beides verdrängt. Sehr, sehr angenehm empfand ich, dass alle Spieler jeden Fotowunsch erfüllten und auch einige kleine Gespräche möglich waren. Bei der Turnierleitung hatte ich nachgefragt, ob es vertraglich festgelegt war für die Spieler - Antwort "nein".

Wie gefällt Dir das doch etwas ungewöhnliche Ambiente im Kühlhaus?

Am Freitagabend besuchte ich das erste Mal eine Runde und war durch die Berichte vorgewarnt! Unansehnliche Wände, das Treppenhaus, … konnten mich nicht verschrecken.

Von oben auf die Bretter zu schauen ist eine interessante Sicht. Die Partien zu verfolgen gelingt dann aber doch besser am Monitor. Die Darbietung der WM in Bonn und der Dortmunder Turniere gefällt mir besser.

Für das leibliche Wohl der Zuschauer könnte besser gesorgt werden. Jeder Gastgeber der 1. oder 2. Frauenbundesliga macht das besser. Für die nächsten Runden die ich besuche, bin ich vorbereitet und habe mein Essen mit dabei. Immerhin sind es über 6 Stunden, die man u. U. das Spielgeschehen verfolgt.

Welches war für Dich die bisher interessanteste Partie?

Schwer zu sagen, weil es immer bei mir davon abhängt, wie intensiv ich die Partien verfolge. Kramnik-Aronjan steht sicherlich ganz oben, aber auch Grischuk-Ding empfand ich überragend. 12. Sxf7 … da ist man als Nicht-Titelträger überfordert. Dann denkt man nach, wie Grischuk seinen Angriff verstärken kann und kommt auf den Geistesblitz mit 21. f4 .. zu versuchen die Diagonale h4-d8 zu öffnen und es wird f4 gespielt aber ohne 22.Lh4+ …. Dann sagt man sich: wieder falsch gedacht. In der Pressekonferenz erfährt man dann, warum Grischuk Lh4+ nicht als Kandidatenzug geprüft hat.

Was interessiert Dich während der Partien am meisten?

Ich schaue mir gerne die Köpersprache der Spieler an. Dann fällt mir auf, dass sie sich teilweise nicht anders verhalten als Amateurspieler. Natürlich gibt es Spieler, die zeigen keine Reaktionen, bei anderen erkennt man an ihrem Verhalten wie sie stehen. Da ich selber Internationaler Schiedsrichter bin, beobachte ich auch die Schiedsrichter und versuche an ihrem Verhalten etwas abzulesen.

Wer wird Deiner Meinung nach das Turnier gewinnen?

Ich hatte mich auf 4 Spieler vorher festgelegt, davon scheint Aronian traditionell nicht sein bestes Schach zu spielen, wenn er im WM-Zyklus spielt. Bei Kramnik habe ich das Gefühl, dass er nicht in optimalster Verfassung ist. Damit bleiben die beiden Spitzenreiter übrig. Beide werden nicht im Verlaufe des Turnieres einbrechen und den Sieger stellen.

Kannst Du einen Besuch beim Kandidatenturnier empfehlen?

Unbedingt! Die Chance kommt nicht so schnell wieder!

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