Löberitzer Schachtage im Lasker-Jahr 2018

21.06.2018 12:55
Logo der Löberitzer Schachtage 2018
SG Löberitz
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Die Schachgemeinschaft 1871 Löberitz kann im Juni 2018 auf 147 Jahre Vereinsgeschichte zurückblicken. Die zum Vereinsgeburtstag nun schon über mehrere Jahrzehnte stattfindenden „Löberitzer Schachtage“ sollen in diesem Jahr ein kleiner schachlicher Mosaikstein in dem von der FIDE und dem Deutschen Schachbund ausgerufenen Lasker-Jahr sein. Grund ist der bevorstehende 150. Geburtstag des ehemaligen und einzigen deutschen Schachweltmeisters Emanuel Lasker am 24. Dezember 2018.

Diese Lasker-Ehrung wird durch Dr. Gerhard Köhler von der Firma ORWO-Net, Vorsitzender der Schachstiftung GK gGmbH und Mitglied der Emanuel Lasker Gesellschaft gefördert und unterstützt. Uns ist es deshalb möglich, einige Preise in Anlehnung an Laskers 150. Geburtstag mit der gleichen Summe zu dotieren. Das trifft vor allem für die 33. Offene Löberitzer Blitzmeisterschaft zu. Hier erhält nicht nur der Gesamtsieger die 150,-€, sondern auch die bestplatzierte Frau und der bestplatzierte U18-Jugendliche.
Deshalb lade ich Sie alle ein, ob alt oder jung, ob groß oder klein: Kommen Sie nach Löberitz, an einen Ort wo das Schachspiel eine Heimat hat. Auch in unserer schnelllebigen und kurzatmigen Zeit.

Zeitplan

Datum Uhrzeit Veranstaltung
22.06.2018 17:00 Eröffnung
  17:30 Museumsführung
  18:00 Simultan mit dem Ex-Amateurweltmeister Dr. Gerhard Köhler
  19:00 Vereinsfest
23.06.2018 9:00 Landespokal Männer (Halbfinale)
  10:00 Kindermannschaftsturnier um den Emanuel-Lasker-ORWO-Net-Pokal
  14:00 33. offene Löberitzer Blitzmeisterschaft um den Emanuel-Lasker-ORWO-Net-Pokal
  14:00 Landespokal Männer (Finale, Spiel um Platz 3)
24.06.2018 10:00 Mannschaftsblitzturnier um den um den Emanuel-Lasker-ORWO-Net-Pokal

Grußwort von Paul Werner Wagner

Paul Werner Wagner
Paul Werner Wagner

Liebe Löberitzer Schachfreunde,

vor 150 Jahren wurde der einzige deutsche Schachweltmeister Emanuel Lasker geboren. Emanuel Lasker in seinem Jubiläumsjahr zu Ehren, ist eine Aufgabe, die sich der Weltschachgemeinde, die FIDE und insbesondere der Deutsche Schachbund und die Emanuel Lasker Gesellschaft zum Ziel gesetzt haben.

Wer war Emanuel Lasker?

Der wohl genialste Schachmeister erblickte im Jahr 1868 am Heiligen Abend in Berlinchen (Barlinek) in der Neumark das Licht der Welt. Sein um sechs Jahre älterer Bruder Berthold, der 1894 die spätere Schriftstellerin und Malerin Else Lasker-Schüler heiratete, brachte dem elfjährigen Emanuel das Schachspiel bei. Berthold finanzierte sein Medizinstudium in Berlin mit Schach und Skat und nahm den kleinen Bruder immer mit. Der aufgeweckte Emanuel ließ schnell ein beachtliches Spielverständnis erkennen. Zeitlebens suchte er außerhalb des Schachs seine Talente zu entwickeln. Emanuel Lasker studierte später Philosophie und Mathematik in Berlin, promovierte 1902 in Erlangen, schrieb mathematische Abhandlungen, philosophische Schriften, sogar ein Drama und Bücher über Spiele. Nach 1892 stieg er kometenhaft zur Weltspitze auf. In London und New York gewann er Turniere und Wettkämpfe und forderte 1894 Weltmeister Steinitz heraus. Mit einem sensationellen 10:5 Sieg bei 2 Remis stürzte Emanuel den für unbezwingbar gehaltenen Titanen für immer vom Thron.

Emanuel Lasker trug 27 Jahre den Titel des Weltmeisters, so lange wie kein anderer. Sein Credo war der Kampf. Sein Spiel war kraftvoll, der Stil virtuos. Dem Gegner setzte er psychologisch geschickt den unangenehmsten Zug vor. Oft wandelte er in seinen Partien am Rande des Abgrundes, aber genau dort entfaltete er seine größte Stärke. 1932 verließ der deutsche Jude Lasker mit Frau sein Land, lebte in Holland und England, von 1935 – 37 in Moskau und danach in den Vereinigten Staaten. Er starb am 11. Januar 1941 in New York. In der DDR wurde an Emanuel Laskers 100. Geburtstag mit einer Reihe von beachtenswerten Aktivitäten gedacht. Am 17. Juli 1968  erschien in der Reihe „Berühmte Persönlichkeiten“ eine Lasker-Briefmarke im Wert von 15 Pfennig. Es gab in der Zeitschrift „Schach“ einen Fortsetzungsartikel über Emanuel Lasker von Albin Pötsch und am Ende 1968 fand im Casino des „Walter-Ulbricht-Stadion“ ein stark besetztes Emanuel Lasker-Gedenkturnier in Berlin (Ost) statt, das Wolfgang Uhlmann punktgleich mit David Bronstein gewann.

Der amerikanische Großmeister Ruben Fine beschrieb Lasker so: „Das hervorstechendste Charakteristikum seiner Meisterschaft war das intuitive Verständnis für das menschliche Element. Er sah die Schachfiguren als Schauspieler an, die bestimmten Gesetzen unterworfen sind und von zwei Regisseuren bewegt werden. Für ihn war Schach ein dramatischer Konflikt, ein Ringen zwischen zwei menschlichen Wesen, die sich auf gewisse Regeln geeinigt hatten. Was wirklich zählte, war das fertige Endprodukt (Partie), an dessen Zustandekommen beide Gegner teilhatten. Das ist der Grund, warum Lasker niemals den Kopf verlor.“

Was verbindet Emanuel Lasker mit der Schachgemeinschaft Löberitz 1871? 

Die SG Löberitz wurde knapp drei Jahre nach Laskers Geburt gegründet.
1883 war Siegbert Tarrasch Turniersieger beim II: Schachkongress des Saale-Schachbundes in Löberitz. Dr. Tarrasch wurde später Emanuel Laskers härtester deutscher Rivale im Kampf um die Schachweltmeisterschaft.
Es ist nicht überliefert, ob Lasker Löberitz besucht hat. Aber der Beitrag des Löberitzer Schachs bei der Gründung des Deutschen Schachbundes und des Saale Schachbundes ist nicht hoch genug zu schätzen. Ganz im Sinne Dr. Emanuel Laskers setzten sich die Löberitzer Schachfreunde dafür ein, Schach zu popularisieren.
Mit der Wiederbelebung und Neugründung der Schachgemeinschaft Löberitz lieferten die Schachfreunde um Konrad Reiß einen wertvollen Beitrag zur Förderung des Schachs unter Kindern und Jugendlichen. Das Schachmuseum in Löberitz pflegt die Geschichte des deutschen Schachs und erinnert an seinen einzigen Weltmeister, Dr. Emanuel Lasker.
Die heutigen Schachspieler können immer noch viel von Lasker lernen. Mit seinem Kampfgeist, seinem Glauben an die eigene Stärke und seiner Überzeugung, dass es in scheinbar schlechteren Stellungen immer noch Ressourcen gibt, die zur Rettung oder zum Sieg führen, kann Lasker ein Vorbild sein für jeden Spieler sein.

In tiefer Verbundenheit mit dem Löberitz und dem Schachwünsche ich der SG Löberitzer 1871 weiterhin viel Glück und Erfolg.

Paul Werner Wagner
Vorsitzender der Emanuel Lasker Gesellschaft und Ehrenmitglied der SG 1871 Löberitz

Grußwort von Andreas Domaske

Andreas Domaske
LSV Sachsen-Anhalt
Andreas Domaske

Liebe Schachfreundinnen und Schachfreunde,

ich grüße Sie alle sehr herzlich zu den Schachtagen 2018 der Schachgemeinschaft 1871 Löberitz e.V.!
Besonders schön finde ich, dass bei diesen Schachtagen neben dem Schach auch andere sportliche Aktivitäten und das gemütliche Beisammensein nicht zu kurz kommen.
Auch in den letzten 12 Monaten ist für unsere Schachgemeinschaft 1871 Löberitz e.V. so viel Aufregendes und Erfolgreiches passiert. Im Männerbereich spielen die ersten beiden Mannschaften eine führende Rolle im Bundesland. Und die Frauenmannschaft hat sich mittlerweile in der 2. Bundesliga etabliert. Der Erfolg in Löberitz basiert auf einer breiten Basis und dies schon seit Jahren. Der Verein veranstaltet eine Reihe von Turnieren, insbesondere möchte ich die Kirchenturniere erwähnen, und führt auch ein sehr aktives Vereinsleben. Auch bei anderen Meisterschaften sind SpielerInnen aus Löberitz absolute Spitze. So bei Landeseinzelmeisterschaften der Männer und des Nachwuchses. Aber auch bei diversen deutschen Meisterschaften haben Löberitzer SchachspielerInnen unser Land schon oft würdig vertreten, wie aktuell auch wieder bei den Deutschen Jugendeinzelmeisterschaften in Willingen. Nicht zuletzt soll das einmalige Schachmuseum erwähnt werden. Mit jedem Jahr kommen viele schöne Exponate dazu.

Insgesamt kann ich mit Fug und Recht behaupten, dass Löberitz einen zentralen Schwerpunkt als Verein auf Landesebene einnimmt. Dafür allen Beteiligten meinen herzlichsten Dank. Ich bedanke mich bei allen (einschließlich ihrer Familienangehörigen), die mit ihrer Arbeit und Unterstützung ganz wesentlich zur erfolgreichen Vorbereitung und Durchführung dieser jährlichen Schachtage in Löberitz beitragen.

Andreas Domaske
Präsident des Landesschachverbandes Sachsen-Anhalt e.V.

Löberitzer Schachgeschichte in der Übersicht

1868 Johann Melchior Kirsch brachte das Schachspiel nach Löberitz
1871 Gründung des Löberitzer Schachclubs durch Friedrich Franz Ohme, Johann Melchior Kirsch und Friedrich Gustav Krause  im Gasthof zur Weintraube
1874 Der Herausgeber der „Deutschen Schachzeitung“ Dr. Constantin Schwede besuchte zusammen mit den Schachmeistern J.A. Metger  und E. Hoffmann für zwei Tage  den Ort und bezeichnete Löberitz erstmals als Schachdorf
1875 Durch den Löberitzer Einfluss wird der Zörbiger Schachclub ins Leben gerufen. Weitere Vereinsgründungen folgen in Möhlau, Quellendorf, Jeßnitz und Bitterfeld
1877 Gründung des „Deutschen Schachbundes“  am  18. Juli anlässlich einer Adolph-Anderssen-Feier in Leipzig. Löberitz war Gründungsmitglied
1879 I. Kongress des Deutschen Schachbundes vom 13.-19. Juli in Leipzig mit Teilnehmern aus Löberitz
1879 Fernpartie zwischen dem Löberitzer Schachclub und dem Apoldaer Schachclub, vertreten durch dessen Leiter C. Weschke
1881 II. Kongress des Deutschen Schachbundes in Berlin. Franz Ohme belegte im I. Nebenturnier den 5. Platz.
1882 Gründung des Saale-Schachbundes am 8. Oktober in  „Bettmann's Hotel“ in Zörbig durch die Vereine aus Halle, Löberitz und Zörbig. Erster Präsident wurde der Löberitzer Franz Ohme
1883 II. Kongress des Saale-Schachbundes mit 80 Teilnehmern am 10. Juni in Löberitz, Siegbert Tarrasch (Halle) gewinnt das Ehrenpreisturnier vor Otto Rosenbaum / Dessau
1885 V. Kongress des Saale-Schachbundes am 15. Juni in Zörbig, Beachtenswert: II. Hauptturnier: 1. Franz Ohme (Löberitz); II. Nebenturnier: 1. Kühne (Löberitz). Der Löberitzer Rudolf verliert beim Blindsimultan gegen Dr. Siegbert Tarrasch aus Halle
1885 Fernpartie Löberitz gegen Dessau, Dessau gewinnt 1,5:0,5
1887 VII. Kongress des Saale-Schachbundes am 10. und 11. September in Löberitz
1891 20 jähriges Stiftungsfest des Löberitzer Schachclubs, verbunden mit dem XI. Kongress des Saale-Schachbundes am 13. und 14. Juni in Löberitz
1896 25 jähriges Stiftungsfest des Löberitzer Schachclubs, verbunden mit dem XIV. Kongress des Saale-Schachbundes am 14.Juni, Ehrengast:  DSB-Bundessekretär Dr. Max Lange
1903 32. Stiftungsfest des Löberitzer Schachclubs, verbunden mit dem XXI. Kongress des Saale-Schachbundes am 14. Juni in Löberitz
1914 Durch Beginn des I. Weltkrieges Ende der aktiven Zeit des Löberitzer Schachclubs
1927 Löberitz wird im Heimatkalender der Kreise Bitterfeld und Delitzsch in einem Artikel über den Flinz oder Teufelsstein noch als „Schachspielerdorf“ bezeichnet
1930 Donnerstags wird nach der Übungsstunde im Gesangverein immer Schach gespielt. Herausragende Spieler waren Richard Krause und Franz Blaue
1944 Der Löberitzer Walter Essebier belegte beim Schachturnier des Reserve-Lazarettes Carlsfeld den 2. Platz
1948 Gründung eines allgemeinen Schachzirkels durch Walter Essebier, als stärkster Spieler galt Franz Reiß
1951 Gründung einer Arbeitsgemeinschaft Schach an der Löberitzer Schule
1964 Gründung der BSG Traktor Löberitz mit einer Sektion Schach unter der Leitung des Lehrers Franz Xaver Zinke (1904-1968)
1965 Paul Werner Wagner, der bekannte Schachmanager, Literaturwissenschaftler und Gründer der „Dr. Emanuel Lasker Gesellschaft“ beginnt in Löberitz seine schachliche Laufbahn
1978 Neugründung der Arbeitsgemeinschaft  Schach am  4. September durch Konrad Reiß
1979 I. Schulschachmeisterschaft, Thomas Richter gewinnt vor Lars-Guido Hauchwitz und Sabine Kaspar
1983 Gründung der „Schachgemeinschaft 1871 Löberitz“ am 29. April als Rechtsnachfolger der früheren Löberitzer Schachvereine; Konrad Reiß wird SG-Leiter
1985 I. Vereinsmeisterschaft, Uwe Bombien gewinnt vor Thomas Richter und Heiko Thomaschewski
1984 Errichtung einer Großfeldschachanlage auf den Schulhof der Löberitzer Schule
1985 DDR-FDJ-Pokal der weiblichen Jugend AK 15/16 in Löberitz, 4. Platz für Löberitz
1986 DDR-FDJ-Pokal der weibl. Jugend AK 15/16 in Bitterfeld, Veranstalter Löberitz  erreicht zum 3. Mal in Folge Rang 4
1986 Festwoche „115 Jahre Schach in Löberitz“ vom 20. bis 29. Juni mit Einweihung der neuen Turnhalle, die den Namen „Dr. Emanuel Lasker“ erhält
1990 Simultanveranstaltung mit dem Schachgroßmeister Lothar Schmid aus Bamberg in der Lasker-Turnhalle
1990 Die Schachgemeinschaft 1871 Löberitz wird am 25. Juli 1990 in das Vereinsregister des Kreisgerichtes Bitterfeld unter der Nr. 88 registriert und ist damit rechtsfähig
1991 Das 120 jährige Löberitzer Schachjubiläum mit einer Simultanveranstaltung des  Bamberger Großmeisters  Dr. Helmut Pfleger
1992 Löberitzer Schachtage  vom 26. bis 28. Juni mit Einweihung  des neuen  „Schachclub der SG 1871 Löberitz“
1992 VIII. Franz-Ohme-Gedenkturnier  (Sieger IM Heinz Liebert / VdS Buna Halle)  mit Einweihung des Franz-Ohme-Schachdenkmals an der Turnhalle „Dr. Emanuel Lasker“
1993 Die Vereinszeitung „Löberitzer Schachnachrichten“ wird vom Deutschen Sportbund mit dem Titel „Beste Vereinszeitung des Landes Sachsen-Anhalt“ ausgezeichnet.
1995 Fernschach mit der 1871 gegründeten  niederländ. Schachgemeinschaft Staunton Groningen, Groningen gewinnt 1½ : ½
1996 Mit Stephanie und Rebekka Reiß nehmen erstmalig Löberitzer an Deutsche Meisterschaften in Pinneberg teil
1996 „125 jährige Vereinsjubiläum“ mit Int. Großmeisterturnier um den Ehrenpreis (1.-2. GM Bönsch und GM Luther, 3. GM Tischbierek, 4. GM Wolfgang Uhlmann, 5. IM Liebert (alle Deutschland), 6. IM Edwin Bhend (Schweiz); Egon Ditt,  Präsidenten des Deutschen Schachbundes, besucht Löberitz
1996 Die SG 1871 Löberitz wird für die Verdienste um die Verbreitung des Schachsports mit der Sportplakette des Bundespräsidenten Dr. Roman Herzog ausgezeichnet
1997 1. Bistumsmeisterschaft des Bistums Magdeburg in Löberitz, Konrad Reiß sichert sich den 1. Platz
1999 Konrad Reiß wird Vizelandesmeister im Schnellschach der Männer
2000 Roland Franke belegt mit dem Team Sachsen-Anhalt bei der Deutschen-Eisenbahnermeisterschaft Rang 2
2001 Rebekka Reiß belegt mit Auswahl von Sachsen-Anhalt Platz 3 bei Deutschen Frauen-Mannschaftsmeisterschaft
2001 Rebekka Reiß wird Landesmeisterin der Frauen
2001 „Das große Schachfest“ aus Anlass des 130. Vereinsjubiläums vom 15. bis 24. Juni mit Int. Großmeisterturnier um den Ehrenpreis  (1. GM Dr. R. Hübner,  2. IM C. Jahn,  3. GM Dr. B. Malich (alle Deutschland),  4. GM  N. Lakos,  5.  GM I. Madl  (beide Ungarn),  6. IM Liebert (Deutschland)
2001 IM Constanze Jahn belegt bei der 101. Int. Schweizer Meisterschaft der Frauen  im Kurort Scuol  Platz 4
2001 IM Constanze Jahn wird 3. bei der Deutschen Schnellschachmeisterschaft der Frauen in Halle / Saale
2001 I. Schachmeisterschaft der Kirchenprovinz Sachsen in Sandersdorf (Ausrichter SG 1871 Löberitz), Uwe Bombien belegt Rang 2
2002 Die SG 1871 Löberitz  schaltet beim Deutschen Mannschaftspokal der Männer SC Leipzig-Gohlis aus und scheitert in der Zwischenrunde am USC Magdeburg
2002 IM Constanze Jahn belegt mit Auswahl von Sachsen-Anhalt Platz 3 bei Deutschen Frauen-Mannschaftsmeisterschaft
2002 IM Constanze Jahn belegt als einzige Frau bei der 1. Deutschen Amateurmeisterschaft in Leipzig den 16. Platz
2002 IM Constanze Jahn und Konrad Reiß wurden aus Anlass des 125-jährigen Jubiläums des Deutschen Schachbundes für ihren langjährigen und erfolgreichen Einsatz mit der DSB-Ehrenurkunde ausgezeichnet
2002 Eröffnung einer zweiten Trainings- und Wettkampfstätte
2003 Die lettische Großmeisterin und Nationalspielerin Dana Reizniece kommt in Löberitz an Brett 1 zum Einsatz
2003 GM Dana Reizniece, IM Constanze Jahn und Rebekka Reiß belegt mit Auswahl von Sachsen-Anhalt in Naumburg Platz 3 bei Deutschen Frauen-Mannschaftsmeisterschaft
2003 Der Traditionsverein verstärkt sich, u.a. mit dem besten Schachspieler des Landes Sachsen-Anhalt, Holger Pröhl
2004 Die I. Männermannschaft wurde Landesblitzmeister, Landespokalsieger, Landesmeister und steigt in die Oberliga auf
2004 IM Constanze Jahn und Rebekka Reiß wurden mit Auswahl von Sachsen-Anhalt in Braunfels Deutschen Frauen-Mannschaftsmeisterinnen
2004 Löberitz nahm an der Deutschen-Mannschaftsmeisterschaft im Blitzschach in Bad Godesberg teil
2005 Norman Schütze wurde Schnellschachlandesmeister, Roland Franke belegt Rang 3
2005 Martin Schuster erkämpfte den Landesmeistertitel
2005 Die II. Frauenmannschaft wurde Landesmeister
2005 Die I. Männermannschaft wurden Landesblitzmeister, Landespokalsieger und 5. In der Oberliga-Ost
2005 IM Constanze Jahn wurde in Halle / Saale Deutschen Schnellschachmeisterin  der Frauen
2005 Löberitz nahm an der Deutschen-Mannschaftsmeisterschaft im Blitzschach in Wattenscheid teil
2005 Roland Franke belegte mit dem Team Sachsen-Anhalt bei der Deutschen-Eisenbahnermeisterschaft Platz 1
2006 Martin Schuster und Norman Schütze nahmen erfolgreich an der 77. Deutschen Schachmeisterschaft in Osterburg/Sachsen-Anhalt teil
2006 Josephine Reiß wird Landesmeisterin in der AK U16
2006 Alle 5 Männermannschaften erreichen in ihre Spielklassen mindestens den 3. Rang! Herausragend: Löberitz I in der Oberliga Platz 2  und Löberitz II in der Bezirksoberliga Platz 1
2006 SG 1871 Löberitz wird Landesblitzmeister
2006 Norman Schütze wurde 3. im Deutschen Pokal
2006 Das 135. Vereinsjubiläum mit dem Großmeisterturnier um den Ehrenpreis (1. GM Dr. R. Hübner, GM V. Hort, H. Pröhl (alle Deutschland), GM L. Rogule, GM D. Reizniece (beide Lettland) u. IM C. Jahn)
2006 Auszeichnung des Vereins mit der Ehrenurkunde des Landesschachverbandes
2007 Martin Schuster nimmt an der 78. Deutschen Schachmeisterschaft in Bad Königshofen / Bayern teil und belegt Platz 20
2007 Eröffnung des Löberitzer Schachmuseums aus Anlass des 800. Jahrestages der Ersterwähnung des Ortes Löberitz
2007 Ehrenurkunde des Landesschachverbandes Sachsen-Anhalt
2007 Löberitz wird Landespokalsieger
2007 Holger Pröhl erkämpft bei der 34. Deutschen Blitzmeisterschaft in Calbe/Saale den 21. Platz
2008 Löberitz scheitert erst im Viertelfinale des Deutschen Pokals an ESV Nickelhütte Aue 1:3
2008 Löberitz wird Jugendlandesmeister und steigt in die Jugendbundesliga auf
2008 Löberitz belegt bei der 25. Deutschen Blitzschachmeisterschaft in Herford Rang 23
2008 Löberitz wird Landespokalsieger der Männer
2008 Das Schachmuseum Löberitz ist Offizieller Aussteller des DSB bei der Schacholympiade in Dresden
2009 Patricia Lehmann und Pauline Mertens werden Jugendlandesmeisterinnen
2009 FM Harald Matthey wird Schnellschachlandesmeister der Männer
2009 Der Verein restauriert historischen Burgkeller als Museumserweiterung
2010 Konrad Reiß erhält den Ehrenteller des Deutschen Schachbundes
2011 Die Frauenmannschaft wird Landesmeister
2011 Norman Schütze wird Schnellschachlandesmeister der Männer, FM Harald Matthes auf Rang 3
2011 Löberitz belegt bei der 28. Deutschen Blitzschachmeisterschaft in Aue Rang 17
2011 Löberitz wird Landespokalsieger der Männer
2011 Das Schachmuseum  erwirbt das erste in deutscher Sprache 1616/17 in Leipzig gedruckte Schachbuch „Das Schach- oder König-Spiel“ von Gustavus Selenus
2011 Das 140. Vereinsjubiläum mit dem Großmeisterturnier um den Ehrenpreis (1. GM Naumann, 2. GM Slobodjan, 3. GM Elisabeth Pähtz, GM Dr. Hübner, FM Stolz um H. Pröhl)
2012 Sebastian Pallas, Marlen Eltze, Patricia Lehmann und Fridolin Mertens holen Nachwuchs-Landesmeistertitel
2012 Christian Schindler und Norman Schütze nehmen an der 83. Deutschen Meisterschaft in Osterburg teil
2012 SG 1871 Löberitz I gewinnt die Oberliga und steigt in die II. Bundesliga auf
2012 FM Harald Matthey wird Schnellschachlandesmeister der Männer
2012 Schachlegende Viktor Kortschnoi / Schweiz besucht Löberitz und enthüllt eine Selenus-Gedenktafel
2012 Gründungsversammlung der Initiative „Schach in Kindergärten“ für die Metropolregion Sachsen - Sachsen-Anhalt – Thüringen im „Löberitzer Schachclub“
2013 Annika Priese, Sebastian Pallas u. Patricia Lehmann holen Nachwuchs-Landesmeistertitel
2013 FM Harald Matthey wird Schnellschachlandesmeister der Männer u. Nicolas Niegsch Vizemeister
2013 Norman Schütze wird Landesmeister im Blitzschach
2014 Konrad Reiß erhält in der Kategorie Kulturgeschichte den Mitteldeutschen Historikerpreis „Ur Krostitzer Jahresringe 2013“ für die Monographie „Das Schach- oder König-Spiel des Gustavus Selenus“ über das Exemplar des Schachmuseums Löberitz
2014 Ein historischer Schachtisch aus dem Schachmuseum Löberitz kommt in der Leipzig Universität beim Wettkampf der Schachlegenden Viktor Kortschnoi und Wolfgang Uhlmann zum Einsatz
2014 Die Frauenmannschaft gewinnt die Regionalliga und steigt in die 2. Bundesliga auf
2014 Die Männermannschaft qualifiziert sich im Deutschen Pokal  für das Halbfinale und verliert dort gegen den amtierenden Deutschen Meister OSG Baden-Baden
2014 Löberitz belegt bei der 31. Deutschen Blitzschachmeisterschaft in Bielefeld Rang 25
2014 Roland Franke wird in Halberstadt Seniorenlandesmeister
2014 Löberitz wird Landespokalsieger und Landesblitzmeister
2014 Nicolas Niegsch wird Landesmeister in der AK U18
2015 Die Männermannschaft qualifiziert sich im Deutschen Pokal bis ins Viertelfinale und scheidet durch ein 2:2 nach Berliner Wertung gegen Rotation Pankow aus, was am Ende Platz 5-8 bedeutet. Pankow wurde am Ende 2.
2015 Dr. Martin Schuster belegt bei der Landesmeisterschaft in Magdeburg den 3. Rang
2015 Nicolas Niegsch, Christian Schindler und Sebastian Pallas belegen bei der Landesschnellschachmeisterschaft der Männer die Plätze 1-3
2015 Löberitz belegt bei der 32. Deutschen Blitzschachmeisterschaft in Garching Rang 22
2015 Norman Schütze wird in Burg Blitzschachlandesmeister
2016 Anita Gara wird Schachmeisterin von Ungarn
2016 Das 145. Vereinsjubiläum mit dem Großmeisterturnier um den Ehrenpreis 1. GM Alexander Naumann (Deutschland), 2. GM Jan Timman (Niederlande), 3. GM Dana Reizniece-Ozola (Lettland), 4. IM Herbert Bastian, 5. GM Dr. Hübner und 6. FM Manfred Schöneberg (alle Deutschland)
2016 WGM Dana Reizniece-Ozola, Lettlands Finanzministerin, schlägt bei der Schacholympiade in Baku / Aserbaidschan die amtierende Weltmeisterin Hou Yifan aus China
2017 Sebastian Pallas und Robert Stein gewinnen Titel bei den Nachwuchsmeisterschaften des Landes Sachsen-Anhalt
2017 Die Frauenmannschaft belegt in der 2. Frauenbundesliga 2016/17 Platz 3
2017 Die SG 1871 Löberitz gibt das Buch „Reinhold Schmidts Schachgeschichten“ heraus. Autoren sind Konrad Reiß, Dr. Antje Göhler, Elke Rehder und Fritz Hoffmann (+)
2018 Sebastian Pallas gewinnt des Titel bei den Nachwuchsmeisterschaften des Landes Sachsen-Anhalt
2018 Sebastian Pallas belegt bei der Deutschen Jugendmeisterschaft den 9. Platz

 

Die Schachgemeinschaft 1871 Löberitz erhielt zu den unterschiedlichsten Anlässen u. a. von nachfolgenden Damen und Herren, z. T auch mehrmals, Grußbotschaften:

Egon Ditt (Präsident des Deutschen Schachbundes), Gustav-Adolf Schur (bekannt als Radsportlegende „Täve Schur“), Manfred von Richthofen (Präsident des Deutschen Sportbundes), Dr. Roman Herzog (Bundespräsident), Leo Nowak (Bischof von Magdeburg), Otto Schily (Bundesinnenminister), Dr. Richard von Weizsäcker (Altbundespräsident), Axel Noack (Bischof der Kirchprovinz Sachsen), Dr. Wolfgang Schäuble (Stellvertretender Vorsitzender der CDU/CSU-Bundestagsfraktion / Innenminister), Alfred Schlya (Präsident des Deutschen Schachbundes), Prof. Dr. Wolfgang Böhmer (Ministerpräsident des Landes Sachsen-Anhalt), Peer Steinbrück (Bundesministers der Finanzen), Dr. Günter Reinemann (Präsident des Landesschachverbandes Sachsen-Anhalt), Horst Köhler (Bundespräsident), Dr. Gerhard Feige (Bischof von Magdeburg), Prof. Dr. Joel Allen (Reverend der First United Methodist Church of Barbourville in Kentucky / USA), Prof. Dr. Jan-Hendrik Olbertz (Kultusministers des Landes Sachsen-Anhalt), Dr. Hans Ellinger (Präsident des Schachverbands Württemberg), Dr. Josef Clemens (Kurienbischof im Vatikan und Sekretär des Päpstlichen Laienrates Pontificium Consilium pro Laicis), Dr. Gerlinde Kuppe (Ministerin für Gesundheit und Soziales des Landes Sachsen-Anhalt), Holger Hövelmann (Ministers des Inneren des Landes Sachsen-Anhalt), Prof. Dr. Robert K. Frhr. von Weizsäcker (Präsident des Deutschen Schachbundes), Dr. Reiner Haseloff (Ministerpräsident des Landes Sachsen-Anhalt), Herbert Bastian (Präsident des Deutschen Schachbundes), Prof. Dr. Dr. h.c. Margot Käßmann (Botschafterin des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland für das Reformationsjubiläum 2017 und früheren Ratsvorsitzenden der EKD), Holger Stahlknecht (Minister des Inneren des Landes Sachsen-Anhalt),  Stephan Dorgerloh (Kultusminister des Landes Sachsen-Anhalt), Maik Reichel (Direktor der Landeszentrale für politische Bildung im Land Sachsen-Anhalt), Diana Skibbe (MdL, Präsidentin des Thüringer Schachbundes), Hans Joachim Schätz (Präsident des Schachverbandes Sachsen e.V.), Dana Reizniece-Ozola (Großmeisterin u. Wirtschaftsministerin (jetzt Finanzministerin) der Republik Lettland), Andreas Domaske (Präsident des Landesschachverbandes Sachsen-Anhalt) und Paul Werner Wagner (Vorsitzender der Emanuel Lasker Gesellschaft) Dr. Michael Negele (Beauftragter für Schachgeschichte und Schachkultur des DSB), Elke Rehder (Schachgraphikerin aus Hamburg – Barsbüttel), Dr. Helmut Pfleger (Schachgroßmeister aus München) und Dr. Robert Hübner (Schachgroßmeister aus Köln).

Vom Gasthof „Weintraube“ zur Schulsporthalle „Dr. Emanuel Lasker“

Lasker war vermutlich nie in Löberitz, aber einer seiner ärgsten Widersacher: Siegbert Tarrasch. Und dennoch gab es einmal einen Bezug zu dem einzigen deutschen Schachweltmeister. Doch da muss man etwas in den Geschichtsbüchern blättern.

Am Anfang stand Franz Ohme

Wenn über die Anfänge des Schachs in Löberitz berichtet wird, so stößt man immer auf die Person des Franz Ohme. Ein Mann, der Dreh- und Angelpunkt des Löberitzer Schachlebens war und auch sonst viele bemerkenswerte Leistungen vollbrachte. Für die Schachspieler war natürlich die Gründung und Leitung des Schachclubs das herausragendste und bedeutendste Ergebnis eines unruhigen, mit vielen Ideen und Initiativen ausgefüllten Lebens. Doch bis es dazu kam, erst einmal einige Jahre zurück.
Am Dienstag, dem 8. September des Jahres 1834, der Geschützdonner der Völkerschlacht bei Leipzig war erst zwei Jahrzehnte verklungen, wurde dem Gasthofbesitzer Johann Gottlieb Ohme und seiner Frau Dorothea Rosina, geb. Diemer, vormittags 8.00 Uhr ein Sohn geboren. Schon einige Tage später, am Sonntag, dem 13. September wurde der kleine Friedrich Franz in der dem Hl. Martin geweihten Löberitzer Dorfkirche getauft. Taufpaten waren Johann Gottfried Ohme aus Kölse, Johann Gottfried Bartz aus Gollme und in Abwesenheit Friederike Friedrich aus Salzfurth. Frau Friederike Friedrich wurde durch Maria Dorothe Bartz, der Ehefrau des einen Paten, in der Kirche vertreten.
Diese Information kann den Kirchenbüchern der Gemeinde Löberitz entnommen werden. Es war die 28. Eintragung im Taufregister des Jahres 1835.

Gasthaus „Zur Weintraube“
Gasthaus „Zur Weintraube“

Keiner ahnte, welche Bedeutung der kleine Friedrich Franz Ohme viele Jahre spä-ter im Gemeindeleben des Dorfes erlangen sollte. Nach dem Besuch der Löberitzer Dorfschule erlernte er den Beruf eines Seilers, und nur wenige Jahre später legte Franz Ohme in diesem Beruf den Meisterbrief ab. Zur Berufsausübung kam es aber nicht, denn mit dem Tod des Vaters musste der Gaststättenbetrieb übernommen werden.

Saal der Weintraube
Saal der Weintraube

Die „Weintraube“ war schon seit jeher die größte Gaststätte in Löberitz und brachte deshalb genug an Arbeit mit in die Erbschaft.

Die Gastwirtschaft war der kulturelle Mittelpunkt des Dorfes. Ständige Theateraufführungen und selbst Opern und Operetten waren an der Tagesordnung. Höhepunkte des Jahres waren Fasching, Kirmes und im Sommer eine „Italienische Nacht“ mit abschließendem Feuerwerk im Garten. Der Gesangsverein, der Schach-club, der Turnverein, Tanzschulen und viele andere Personenkreise des pulsierenden Dorflebens hatten hier ihre Heimatstatt.

Aufführung der Operette „Der Seekadett“ und die Geschichte des Seekadettenmatts

Am 29. März 1882 wurde dort sogar die durch eine lebende Schachpartie berühmte Operette „Der Seekadett“ aufgeführt. Heutzutage ist diese Operette kaum bekannt, die Schachspieler kennen aber das sich daraus ableitende „Seekadettenmatt“.

Als in Löberitz die Operette „Der Seekadett“ aufgeführt wurde, waren inzwischen über 100 Jahre ins Land gegangen, seitdem Philidors Lehrer Legal 1750 die folgende Partie  mit den weißen Steinen gegen St. Brie gespielt hat: 1. e4 e5 2. Sf3 Sc6 3. Lc4 d6 4. Sc3 Lg4 5. Sxe5?! Lxd1?? Die Falle hat zugeschnappt.

Schlüsselstellung  vor 5. … Lg4 x d1 (?)
Schlüsselstellung vor 5. … Lg4 x d1 (?)
Schlussstellung nach dem 7. Zug von  Weiß
Schlussstellung nach dem 7. Zug von Weiß

Wenn ein Schachanfänger sieht, dass er die gegnerische Dame schlagen kann, tut er dies zumeist ohne nachzudenken. Allerdings gibt es Speck bekanntlich nur in der Mausefalle kostenlos. Selbst Schachspieler mit eher mäßigen Fähigkeiten würden 5...Sxe5 antworten und mit einer Mehrfigur verbleiben. Doch es ging folgendermaßen weiter: 6. Lf7:+ Ke7 7. Sd5+ matt.
Es gibt allerdings zahlreiche Beispiele, wo der Abzug des Springers aus der Fesselung unter Damenopfer durchaus gerechtfertigt ist. Berühmt wurde allerdings die oben abgebildete Kombination die mit dem Abzug des Springers f3(f6) und anschließendem Mattangriff unter der Bezeichnung "Opfer des Legal" oder „Seekadettenmatt“ in die Schachgeschichte einging. Doch zurück zur „Weintraube“.

Neben der Gaststätte unterhielt Franz Ohme noch einen Lebensmittelladen. Am 10. Mai 1873 wurde ihm vom königlichen Postamt die Lizenz zur Unterhaltung einer öffentlichen Verkaufsstelle für Postwertzeichen übertragen. Diese Poststelle, die übrigens bis 1992 im gleichen Gebäude ihren Dienst versah, war eine der ersten in der Gegend. Aber auch im kulturellen Leben stand Franz Ohme seinen Mann und bewies auch dort sein vielseitiges Geschick. Neben der Mitgründung des Schachclubs hob er 1865 den Turnverein aus der Taufe. Diesem stand er viele Jahre als Vorsitzender vor. Auch die Freiwillige Feuerwehr wurde von ihm 1867 mitgegründet, und noch im hohen Alter war er stellvertretender Feuerwehrhauptmann. Er interessierte sich sehr für die Heimatgeschichte, und so ist es nicht verwunderlich, dass er am 2. Oktober 1889 zum „Pfleger für das Provinzialmuseum Halle“ (dem heutigen Landesmuseum) berufen wurde.

1869 heiratete Franz Ohme die aus Domnitz stammende Ernestine Rudloff. Im Jahre 1875 verkaufte er die „Weintraube“ an Wilhelm Pielenz, der selbst ein aktiver Schachspieler war, und übernimmt als Teilhaber die Ziegelei zwischen Zörbig und Löberitz. Später geht sie ganz in sein Eigentum über. Nach anfänglich großen wirtschaftlichen Erfolgen wird dieser Betrieb, hervorgerufen durch eine wirtschaftlich schlechte Lage und des dabei auftretenden harten Konkurrenzkampfes, zu einem Verlustgeschäft.

Am 29.04.1894 kommt es zum ersten Konkursverfahren, das zwar am 17. Mai des gleichen Jahres noch einmal aufgehoben werden konnte, doch nachdem 1897 die Eisenbahn auf der Strecke Bitterfeld-Zörbig-Stumsdorf ihren Betrieb aufnahm, kommt die Konkurrenz auch noch von auswärts. Im Juli 1900 muss Franz Ohme nochmals Konkurs anmelden. Auch dieses Verfahren wird noch einmal aufgehoben, ehe dann 1903 die Firma endgültig Pleite geht. Deshalb wird am 11. April 1903 die im Handelsregister A des königlichen Landesgerichtes Zörbig unter Nr. 19 eingetragene Firma von Franz Ohme gelöscht. Kurze Zeit später verzieht Franz Ohme. Leider lässt sich dadurch nicht mehr Todesjahr und -ort ermitteln. Er, der das Löberitzer Kulturleben fast ein halbes Jahrhundert mitgestaltete, starb vermutlich vereinsamt und unbeachtet. Dennoch hat sein bewegtes Leben mit der Fortführung seiner schachlichen Ideen eine Erfüllung gefunden.

Gaststättensaal wird zur Turnhalle umgebaut

Sporthalle „Dr. Emanuel Lasker“
Sporthalle „Dr. Emanuel Lasker“

1986 wiederholte sich der Gründungstag des Löberitzer Schachclubs zum 115. Mal. Dieses Jubiläum sollte Anlass zu einer großen Feier sein. Begünstigt wurde das Jubiläum auch mit der Einweihung der gerade renovierten Turnhalle. Hier wurde der alte Saal der „Weintraube“ umgebaut und mit einer Zentralheizung versehen. Für die Löberitzer Schulkinder war das natürlich eine dienliche Errungenschaft. Die Schachspieler wiederum nutzten die alte schachliche Tradition des Bauwerks, und so planten sie eine Namensgebung im Sinne des Schachsportes.

Es bot sich natürlich die Benennung nach dem bekanntesten Besucher Dr. Siegbert Tarrasch an, doch die DDR-Sportgeschichtsschreibung konnte damit wenig anfangen. Anders war das bei dem deutschen Weltmeister Lasker. Hier ließ sich durch seine Emigration in die Sowjetunion eine direkte antifaschistische Haltung ableiten. Das gefiel den zuständigen Sportfunktionären. Der Antrag auf die Namensgebung wurde dann auch neben Laskers Namen mit dem Untertitel „Sporthalle der DSF“ (DSF ist die Abk. für Deutsch-Sowjetische Freundschaft) untermauert. Zwei Schaukästen im Eingangsbereich, einer über die Geschichte der „Weintraube“ und einer über das Leben von Emanuel Lasker, belegte über viele Jahre die Geschichte des Bauwerkes und befasste sich mit dem Leben des Schachweltmeisters Dr. Emanuel Lasker.

Am 11. März 1990 fand in der Sporthalle eine Simultanveranstaltung mit dem Schachsammler und Karl-May-Verleger, Großmeister Lothar Schmid, statt. Mit dabei war Großmeister Dr. Burkhard Malich aus Halle.
Am 11. März 1990 fand in der Sporthalle eine Simultanveranstaltung mit dem Schachsammler und Karl-May-Verleger, Großmeister Lothar Schmid, statt. Mit dabei war Großmeister Dr. Burkhard Malich aus Halle.

Nach der politischen Wende wurde die Immobilie an den Alteigentümer zurückgegeben. Das wäre allerdings nicht nötig gewesen, denn das Gebäude befand sich zu den im Einigungsvertrag festgelegten Stichtagen als unverzichtbares Verwaltungseigentum in öffentlicher Hand. Nach Anträgen beim Bundesvermögensamt ging das Haus in den Gemeindebesitz über. Der damalige Bürgermeister Willi Kaspar verzichtet aus seinem tief empfunden Gerechtigkeitssinn zugunsten der Alteigentümer auf das Haus. Die Sporthalle sollte allerdings im Gemeindeeigentum bleiben. Da die Sporthalle aber um einige Meter in das angrenzende Wohnhaus, der früheren Gaststätte, bautechnisch hineinragte, fiel das ganze Grundstück komplett dem neuen Besitzer zu. Die Gemeinde erhielt das Recht zur weiteren, aber nicht kostenfreien Nutzung der Halle. Als der neue Besitzer alles zu seinen Gunsten erreicht hatte, war bei ihm auch nicht mehr von Eigenbedarf die Rede. Er verkaufte kurzerhand das Grundstück. Es verschwanden das Namensschild und die Schaukästen. Für die Gemeinde Löberitz und später für die Stadt Zörbig wurde nun die Nutzung der Turnhalle ein teurer Spaß, denn neben der Pacht mussten und müssen alle anfallende Betriebskosten für eine veraltete und überholte Technik (Kohleheizung) getragen werden. Die Schachgemeinschaft spielte ab dieser Zeit nicht mehr dort. Ein fast dreißigjähriger Investitionsstau dürfte inzwischen den Wert des Gebäudes minimiert haben.

www.sg1871loeberitz.de

Konrad Reiß

// Archiv: DSB-Nachrichten - Laskerjahr // ID 22588

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