Quiz zum Lasker-Jahr: Auflösung der April-Fragen

21.05.2018 09:00
Der 18-jährige Capablanca (links) spielt für Columbia gegen Havard, 20. Dezember 1906
American Chess Bulletin Januar 1907
Der 18-jährige Capablanca (links) spielt für Columbia gegen Havard, 20. Dezember 1906

Die vierte von zwölf Quizrunden zum Lasker-Jahr 2018 ist beendet und der Sieger steht fest. Herzlichen Glückwunsch!

Insgesamt gab es fünf Lösungsversuche, von denen nur einer vollständig richtig war. Der glückliche Gewinner ist zum wiederholten Male Wolfgang Dröser! Er erhält das Buch "Der Tradition verpflichtet ... Eine Bibliographie der Festschriften deutscher Schachvereine, gegründet bis 1914" von Ralf Binnewirtz und Hans-Jürgen Fresen.

Wir freuen uns über die rege Beteiligung und bedanken uns noch einmal bei Dr. Michael Negele für die gleichermaßen anspruchsvollen wie interessanten Fragen. Hier nun die richtigen Antworten auf unsere April-Fragen:

Über welche Niederlage urteilte Lasker hier so streng, was sah er als Grund für sein Versagen an. Wo ist dies nachzulesen?

Erste Niederlage gegen Capablanca in der fünften Partie, gespielt am 29. und 30. März 1921 in Havanna.
Lasker beklagt die "vermutliche Wirkung der Akklimatisierung an die feurige, sehr helle Sonne Kubas." In seinem Buch "Mein Wettkampf mit Capablanca", Berlin/Leipzig 1922 S. 15.

Wo hat Emanuel Lasker tatsächlich das Boxen mit dem Schach verglichen und folgendes gesagt:
"Ich glaube gefunden zu haben (...), dass es ein allgemein gültiges Gesetz gibt, nach dem in jedem Kampf einerlei welcher Art
- sei es im Schach, im Faustkampf, im Entscheidungskampf zweier Heere und dergleichen, der unter den Umständen stärkste Schlag zu führen ist."

Interview im Berliner Tageblatt, datiert London 9. September 1895, zitiert im Deutschen Wochenschach 1895, No. 38/39, 29. September 1895

Formal war Lasker im Weltmeisterschaftskampf 1921 gegen Raoul José Capablanca der Herausforderer. Warum, wie ist das zu belegen?

Lasker hatte am 18. Juni 1920 in Amsterdam schriftlich zugunsten Capablancas auf den Titel verzichtet. Die in den Niederlanden geführten Verhandlungen führten mit den potentiellen Organisatoren nicht zum gewünschten Ergebnis, man konnte sich nicht auf einen Modus verständigen.

Wo sind sich Lasker und Capablanca zu ersten Mal am Schachbrett begegnet?

Mutmaßlich am 6.April 1906 beim Festessen des Rice Chess Club in New York City. Zwei Teams von Beratenden (mit Weiß Lasker, Marshall, Isaac Rice und Harold M. Phillips, mit Schwarz William Napier, Capablanca, Otto Roething und James Hanham, spielten eine improvisierte Partie, die remis endete.

Anmerkungen von Michael Negele zum Lasker-Quiz

Liebe Lasker-Rätselfreunde,

natürlich freut es mich sehr, solch´ eine intensive Beteiligung am DSB-Lasker-Quiz 2018 wahrnehmen zu dürfen. Dabei ist nicht die Anzahl der Einsendungen gemeint, gerne dürften sich mehr Lasker-Experten bereitwillig dieser Herausforderung stellen. Mich beeindruckt die hohe Qualität der Antworten, die z.T. sogar mein eigenes Wissen bereichert haben.

Zwei Hinweise möchte ich nach einem Viertel der Distanz zur Prämierung des "DSB-Lasker-Experten" allen Enthusiasten mit auf den anstrengenden Weg zum Lasker-Gipfel am 24. Dezember 2018 geben:
In meinen Fragestellungen baue ich bewußt mitunter kleine "Fallstricke" ein, die nur durch eine kritische Prüfung mehrerer Quellen umgangen werden können. Also vertrauen sie nicht auf Offensichtliches, selbst wenn ihre Quelle "Michael Negele" heißen sollte ...
Um auch ein internationales Publikum auf das Lasker-Jahr 2018 aufmerksam zu machen, haben mein Freund Richard Forster und ich etlichen offene Lasker-Fragen auf Edward Winters Chess Notes platziert. So die CN 10705, 10713, 10715, 10716, 10724, 10748, 10761, 10763.
Es wäre schön, wenn sich unsere DSB-Lasker-Expertenrunde auch zu diesen "offenen" Lasker-Fragen beschäftigen würde.

Interessanterweise führt CN 10781 eine (aus meiner Sicht) Fehlinterpretation zum Ricegambit-Wettkampf zwischen Lasker und Schlechter (Prag 1908) aus. Dieser Wettkampf wurde gemäß Süddeutsche Schachblätter 1908 S. 104 eindeutig über fünf Partien ausgeschrieben. Jeder der Spieler erhielt von Prof. Isaac L. Rice unabhängig vom Resultat je 500 Mark. Somit ist bereits in CN 6857 alles richtig dargestellt und die Aussage Schlechters (oder der Wiener Redaktion) "+4 bei 2 Remisen" erscheint mir als eine unglückliche Verdrehung des tatsächlichen Endresultates +3, =2. Gleiche Ungenauigkeit findet sich übrigens in Süddeutsche Schachblätter 1908 S. 143, hingegen ist die Deutsche Schachzeitung 1908 auf S. 292 eindeutig: "Es wurden zu diesem Zwecke in Prag (...) fünf Partien gespielt. (...) Das Resultat war: Schlechter gewann dreimal, zwei Partien blieben unentschieden."

In diesem Sinne: Frohe Ostern und viel Spaß mit den weiteren Lasker-Fragen!

Ihr
Michael Negele

// Archiv: DSB-Nachrichten - Laskerjahr // ID 23127

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