Dr. Robert Hübner wird 70 - wir gratulieren!

06.11.2018 00:00
Robert Hübner 2012 in Dresden
Franz Gärtner
Robert Hübner 2012 in Dresden

Robert Hübner ist zweifellos der herausragende deutsche Schachspieler der Nachkriegszeit. Am 6. November feierte die nach Emanuel Lasker und Siegbert Tarrasch größte deutsche Schachlegende seinen 70. Geburtstag. Der Deutsche Schachbund und ganz Schachdeutschland gratulieren!

Als 1969 die ersten noch inoffiziellen Elo-Listen der FIDE erschienen, war der Jubilar gerade erst 20 Jahre alt, konnte aber bereits eine stolze Elo von 2490 vorweisen. Damit lag er damals, als Elo-Zahlen noch sehr jungfräulich waren und auch eine 2490 etwas bedeutete, auf dem geteilten 75. Platz der Weltrangliste. Doch damit war noch nicht Schluß. Im Januar 1971 gehörte er erstmals zur Top-20 in der Welt und war mit 2590 knapp vor Wolfgang Uhlmann bester Deutscher. Die absolute Weltspitze war in Reichweite. Gleichzeitig wurde er der bis dahin jüngste deutscher Großmeister und spielte sogar im Viertelfinale der WM-Kandidatenkämpfe, wo er allerdings gegen Exweltmeister Tigran Petrosjan unterlag.

Sein zweiter Anlauf auf die WM-Krone begann beim Interzonenturnier 1979 in Rio de Janeiro. Er siegte vor den punktgleichen Lajos Portisch und Tigran Petrosjan. Das bedeutete die erneute Qualifikation für die Kandidatenkämpfe. Schach erreichte durch Hübners Erfolge eine sehr gute Medienpräsenz. Der SPIEGEL interessierte sich nach der Qualifikation für Robert Hübner. "Acht Kandidaten gehen ins Rennen, der Kölner Hübner hält „alle oder keinen“ für favorisiert" stand in der Ausgabe vom 12. November 1979 (Link unten).
Es fing auch sehr gut an. Im Viertel- und Halbfinale besiegte er die beiden Ungarn András Adorján und Portisch, womit er im Kandidatenfinale gegen Viktor Kortschnoi stand. 1980 in Meran führte er gegen den in der Schweiz lebenden Exil-Russen nach 6 von 16 Partien mit 2:1. Nach tragischen Niederlagen in der siebten und achten Partie  brach er den Wettkampf ab. Statt Hübner spielte nun Kortschnoi um die Weltmeisterschaft gegen Titelverteidiger Anatoli Karpow. Karpow gewann bekanntlich.
Es war die schachlich erfolgreichste Zeit von Robert Hübner. Im Januar 1981 teilte er sich bereits Platz 4 mit Boris Spasski in der Weltrangliste. Nur noch Karpow, Portisch und Kortschnoi lagen vor ihm. Ein halbes Jahr später hatte er Spasski abgeschüttelt und Portisch überholt. Karpow (2700) und Kortschnoi (2695) waren mit ihren hohen Elo-Zahlen das Maß aller Dinge. Hübner lag mit 2640 allein auf Platz drei.

In den nächsten Jahren unternahm Hübner noch zwei weitere Anläufe auf die Weltmeisterschaft. 1983 beendete eine Roulette-Kugel seine WM-Träume: Im Achtelfinale hatte Exweltmeister Wassili Smyslow beim Endstand von 7:7 bei dieser "Lotterie" mehr Glück. 1991 schied er im Achtelfinale gegen Jan Timman aus.

Robert Hübner hat weitreichende Spuren in der Schachwelt hinterlassen. Er hat unheimlich viel für die Popularität unseres schönen Sports getan. Und das trotz seiner Berufung als promovierter Papyrologe an der Universität Trier. Stellvertretend für sein Schaffen blicken wir auf drei Turniere aus seiner Laufbahn zurück.

Internationales Turnier Büsum 1968

Das Turnier war eines der ersten internationalen Schachturniere in der Bundesrepublik nach dem Zweiten Weltkrieg. Es wurde auch eines der prägenden Turniere im Leben von Robert Hübner. Als 19-jähriger Titelloser konnte er viele bekannte Großmeister und Internationale Meister hinter sich lassen. In seinem 2018 in der Edition Marco erschienenen Buch "Büsum 1968: Erinnerungen von Robert Hübner" blickt er gewohnt akribisch auf das Turnier im kleinen aber bekannten Ferien- und Kurort an der Nordseeküste zurück. Johannes Fischer hat das Werk Hübners passend zum Geburtstag eines weiteren bekannten deutschen Großmeisters auf ChessBase am 20. September 2018 vorgestellt. Hübner widmet diesem Großmeister - Fritz Sämisch - ein ganzes Kapitel. Die lebende Schachlegende Sämisch war in Büsum bereits 71 Jahre alt. Sämisch landete abgeschlagen auf dem letzten Platz, was aber wohl nicht nur seinem Alter geschuldet war. Er war bekannt dafür, seine Bedenkzeitreserven über alle Maßen auszuschöpfen und deshalb oft nach Zeit zu verlieren. Ein Jahr nach Büsum verlor er in Linköping (Schweden) alle 13 Partien durch Zeitüberschreitung!

Pl. Name Land Pkt. 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14 15 16
1. Robert Hübner 11,0 x ½ ½ ½ ½ ½ ½ 1 ½ 1 1 ½ 1 1 1 1
2. GM Georgi Petrov Tringov 10,5 ½ x ½ ½ 1 ½ ½ 1 ½ ½ 1 ½ ½ 1 1 1
3. GM Bruno Parma 9,0 ½ ½ x ½ ½ ½ ½ 0 ½ 1 1 ½ 1 ½ ½ 1
4. Atanas Stefanov Kolarov 9,0 ½ ½ ½ x ½ ½ ½ ½ 1 ½ 1 ½ ½ ½ ½ 1
5. GM Arturo Pomar Salamanca 9,0 ½ 0 ½ ½ x ½ ½ 1 ½ ½ ½ 1 1 ½ ½ 1
6. IM Hans-Joachim Hecht 9,0 ½ ½ ½ ½ ½ x ½ ½ ½ 0 ½ 1 1 1 ½ 1
7. GM Alberic O'Kelly de Galway 9,0 ½ ½ ½ ½ ½ ½ x ½ ½ ½ ½ ½ ½ 1 1 1
8. GM Jan Hein Donner 8,0 0 0 1 ½ 0 ½ ½ x 0 ½ ½ ½ 1 1 1 1
9. Hans Besser 7,5 ½ ½ ½ 0 ½ ½ ½ 1 x 0 0 1 ½ ½ ½ 1
10. Borge Andersen 7,5 0 ½ 0 ½ ½ 1 ½ ½ 1 x ½ ½ ½ ½ 0 1
11. GM Mato Damjanovic 6,5 0 0 0 0 ½ ½ ½ ½ 1 ½ x ½ ½ ½ ½ 1
12. Georg Pollak 6,0 ½ ½ ½ ½ 0 0 ½ ½ 0 ½ ½ x ½ ½ 1 0
13. IM Dieter Mohrlok 6,0 0 ½ 0 ½ 0 0 ½ 0 ½ ½ ½ ½ x 1 ½ 1
14. IM Vojko Musil 5,5 0 0 ½ ½ ½ 0 0 0 ½ ½ ½ ½ 0 x 1 1
15. IM Antonio Angel Medina Garcia 5,0 0 0 ½ ½ ½ ½ 0 0 ½ 1 ½ 0 ½ 0 x ½
16. GM Friedrich Sämisch 1,5 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 1 0 0 ½ x

Hübners Partie gegen Jan Hein (eigentlich Johannes Hendrik) Donner ist verbunden mit einer netten Anekdote:

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A41

Interzonenturnier Palma de Mallorca 1970

Die FIDE organisierte Interzonenturniere von 1948 bis 1993 als Vorstufe der Kandidatenwettkämpfe zur Weltmeisterschaft. Für die Interzonenturniere konnten sich vorberechtigte Spieler direkt qualifiizieren, alle anderen mußten sich zuvor in regionalen Zonenturnieren durchsetzen. Robert Hübner nahm als einziger deutscher Spieler am Zonenturnier 1969 in Athen teil. In der griechischen Hauptstadt kämpften 18 Spieler um drei Plätze für das Interzonenturnier auf der spanischen Insel. Hübner verlor zwar die Partien gegen den späteren Turniersieger Milan Matulovic (Jugoslawien) und den zweitplazierten Vlastimil Hort (CSSR), konnte aber gegen die anderen 15 Teilnehmer sehr gute 12½ Punkte holen. Das reichte für Platz drei, punktgleich mit Hort. Die Qualifikation für Palma war geschafft!

Das Interzonenturnier fand vom 9. November bis 12. Dezember 1970 auf der Baleareninsel statt. 23 Partien waren von jedem Teilnehmer zu spielen! Neben Hübner hatte sich als zweiter Deutscher neben Wolfgang Uhlmann qualifiziert, welcher 1969 das Zonenturnier in Raach (Österreich) gewann.

Palma 1970 war die letzte Stufe für die Kandidatenwettkämpfe 1971. Für diesen K.o.-Wettbewerb waren Exweltmeister Tigran Petrosjan, sowie Kandidatenfinalverlierer Viktor Kortschnoi vorberechtigt. Beim Interzonenturnier wurden die restlichen sechs Kandidaten gesucht. Zu den ganz heißen Anwärtern gehörte Bobby Fischer. Der US-Amerikaner hatte sich gar nicht für Palma qualifiziert, aber sein Landsmann Pal Benkö verzichtete auf seinen Platz, was ihm mit 2000 US-Dollar vom US-Schachverband etwas erleichtert wurde.
Fischer stempelte mit einem unheimlichen Siegeszug die "Konkurrenz" zu Statisten ab und siegte mit 3½ Punkten Vorsprung! Nur der zweitplazierte Däne Bent Larsen vermochte ihn zu schlagen, wofür sich Fischer später im Kandidatenhalbfinale mit 6:0 fürchterlich rächte.

Die beiden Deutschen erreichten unterschiedliche Ergebnisse gegen den Überflieger Fischer. Uhlmann verlor und Hübner erreichte ein Remis. Ebenso ging die Partie zwischen den beiden zugunsten Hübners aus. Was beide letztendlich eint: Sie qualifizierten sich für die Kandidatenwettkämpfe! Für Uhlmann blieb es die einzige Teilnahme, Hübner konnte sich noch drei weitere Male qualifizieren.

Pl. Name Land Pkt. 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14 15 16 17 18 19 20 21 22 23 24
1. GM Robert Fischer 18,5 x 0 1 ½ 1 1 ½ 1 ½ 1 1 1 1 1 1 1 1 ½ 1 1 ½ ½ 1 ½
2. GM Bent Larsen 15,0 1 x ½ ½ 0 1 ½ ½ ½ ½ 1 1 0 ½ ½ 1 ½ 1 ½ 1 1 ½ 1 ½
3. GM Jefim Geller 15,0 0 ½ x 1 ½ 1 ½ 1 ½ ½ ½ 1 ½ ½ 1 ½ 1 ½ ½ ½ 1 1 ½ ½
4. IM Robert Hübner 15,0 ½ ½ 0 x ½ 1 ½ 0 ½ ½ 0 ½ ½ 1 ½ 1 1 1 1 ½ 1 1 1 1
5. GM Mark Taimanow 14,0 0 1 ½ ½ x ½ ½ ½ ½ ½ ½ 0 ½ 0 1 1 ½ 1 ½ 1 ½ 1 1 1
6. GM Wolfgang Uhlmann 14,0 0 0 0 0 ½ x 1 ½ ½ 1 ½ ½ 1 ½ 0 1 ½ 1 1 ½ 1 1 1 1
7. GM Lajos Portisch 13,5 ½ ½ ½ ½ ½ 0 x ½ 0 1 ½ 1 1 ½ ½ ½ 1 ½ ½ 1 ½ 1 1 0
8. GM Wassili Smyslow 13,5 0 ½ 0 1 ½ ½ ½ x 1 ½ ½ 0 ½ ½ ½ ½ ½ ½ 1 1 ½ 1 1 1
9. GM Lew Polugajewski 13,0 ½ ½ ½ ½ ½ ½ 1 0 x ½ 1 ½ ½ ½ ½ 1 0 ½ 1 1 ½ ½ ½ ½
10. GM Svetozar Gligorić 13,0 0 ½ ½ ½ ½ 0 0 ½ ½ x 1 ½ 1 ½ 1 ½ ½ 1 0 ½ 1 ½ 1 1
11. GM Óscar Panno 12,5 0 0 ½ 1 ½ ½ ½ ½ 0 0 x ½ ½ ½ 1 1 ½ ½ ½ ½ 1 1 ½ 1
12. IM Henrique Mecking 12,5 0 0 0 ½ 1 ½ 0 1 ½ ½ ½ x 1 ½ ½ ½ ½ 0 ½ ½ 1 1 1 1
13. GM Vlastimil Hort CSK 11,5 0 1 ½ ½ ½ 0 0 ½ ½ 0 ½ 0 x 1 ½ 1 ½ ½ ½ ½ 1 ½ 1 ½
14. GM Borislav Ivkov 10,5 0 ½ ½ 0 1 ½ ½ ½ ½ ½ ½ ½ 0 x ½ ½ 0 ½ ½ ½ ½ 1 ½ ½
15. IM Duncan Suttles 10,0 0 ½ 0 ½ 0 1 ½ ½ ½ 0 0 ½ ½ ½ x 0 ½ ½ 1 ½ 0 1 ½ 1
16. IM Dragoljub Minić 10,0 0 0 ½ 0 0 0 ½ ½ 0 ½ 0 ½ 0 ½ 1 x 1 ½ ½ ½ 1 ½ 1 1
17. GM Samuel Reshevsky 9,5 0 ½ 0 0 ½ ½ 0 ½ 1 ½ ½ ½ ½ 1 ½ 0 x ½ ½ ½ 0 0 ½ 1
18. GM Milan Matulović 9,0 ½ 0 ½ 0 0 0 ½ ½ ½ 0 ½ 1 ½ ½ ½ ½ ½ x ½ ½ 0 0 ½ 1
19. IM William Addison 9,0 0 ½ ½ 0 ½ 0 ½ 0 0 1 ½ ½ ½ ½ 0 ½ ½ ½ x ½ 0 0 1 1
20. GM Miroslav Filip CSK 8,5 0 0 ½ ½ 0 ½ 0 0 0 ½ ½ ½ ½ ½ ½ ½ ½ ½ ½ x ½ 1 ½ 0
21. IM Renato Naranja 8,5 ½ 0 0 0 ½ 0 ½ ½ ½ 0 0 0 0 ½ 1 0 1 1 1 ½ x 0 0 1
22. IM Tüdewiin Üitümen 8,5 ½ ½ 0 0 0 0 0 0 ½ ½ 0 0 ½ 0 0 ½ 1 1 1 0 1 x 1 ½
23. IM Jorge Rubinetti 6,0 0 0 ½ 0 0 0 0 0 ½ 0 ½ 0 0 ½ ½ 0 ½ ½ 0 ½ 1 0 x 1
24. IM Eleazar Jiménez Zerquera 5,5 ½ ½ ½ 0 0 0 1 0 ½ 0 0 0 ½ ½ 0 0 0 0 0 1 0 ½ 0 x

In SCHACH Heft 1/1971 schreibt Uhlmann ausführlich über das Turnier und lobt den Westdeutschen: "Nach 20 Runden stand ich wieder im Kreis der Kandidaten-Anwärter. Die Aufgabe, die letzten drei Partien gut zu überstehen, war aber außerordentlich schwer, da ich gegen Hübner und Matulovic Schwarz [hatte] ... Die 21. Runde war dann für mich sehr wichtig. Mit dem unbedingten Willen, Hübner zu schlagen, konnte ich zunächst auch eine aussichtsreiche Stellung aufbauen und lehnte ein Remisangebot ab. Der Widerstand von Hübner war aber ausgezeichnet, und mit zunehmender Zeitbedrängnis stellten sich bei mir kleine Fehler ein. Eine Niederlage war nicht mehr zu vermeiden. Hübner, der in diesem Turnier ganz vorzüglich spielte, erzielte mit diesem Sieg seine sechste Gewinnpartie hintereinander und hatte damit sein Endziel schon erreicht. Dem 22-jährigen Kölner ist ein hohes Kompliment zu machen, in diesem schweren Turnier auf Anhieb in den Kreis der Kandidaten einzuziehen. Bedeutungsvoll war für ihn die Partie gegen Ivkov, in der er eine verlorene Position noch gewinnen konnte."

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B42

Uhlmann schreibt weiter, nachdem er mit Platz 6 die Qualifikation geschafft hatte: "Überglücklich und vollkommen erschöpft konnte ich viele Glückwünsche meiner Konkurrenten entgegennehmen. Mit 18½ Punkten und erheblichem Vorsprung beendete Fischer als sicherer Sieger dieses VIII. Interzonenturnier. Sein ungewöhnlicher Siegeswille und seine Konzentration über das ganze Turnier hinweg stempeln ihn zum ersten Favoriten für das Kandidatenturnier. Punktgleich teilten Larsen, Geller und Hübner die Plätze zwei bis vier. Während man Larsen und Geller diesen Platz zugetraut hatte, ist das Vordringen Hübners in die Phalanx der Großmeister eine echte Sensation."

Beim Abschlußbankett nahm FIDE-Präsident und Exweltmeister Max Euwe die Auslosung der Kandidatenwettkämpfe vor. Uhlmann wurde mit Bent Larsen gepaart, Hübner bekam Exweltmeister Tigran Petrosjan als Gegner.
Fünf Monate nach Palma spielte Hübner sein Match mit Petrosjan in Sevilla (Spanien). Hans-Joachim Hecht begleitete ihn als Sekundant. Nach sechs Punkteteilungen, verlor Hübner die siebte Partie - und brach danach den Wettkampf ab! Es war zu laut. Sowohl eine Durchgangsstraße als auch die Zuschauer sorgten für dauerhaften Lärm. Petrosjan war schwerhörig und er war nicht einverstanden mit Hübners Vorschlag in einem anderen Raum zu spielen.

Interzonenturnier 1970 in der Wikipedia

Deutsche Meisterschaft Altenkirchen 1999

Roman Slobodjan und Robert Hübner in Altenkirchen
Wikimedia Commons/Gerhard Hund
Roman Slobodjan und Robert Hübner in Altenkirchen

Ein sehr starkes Teilnehmerfeld mit zehn Großmeistern hatte den Weg nach Altenkirchen im Westerwald (Rheinland-Pfalz) gefunden. Favorit auf die Meisterschaft war GM Artur Jussupow, der allerdings zuviel remisierte um ganz vorn landen zu können. In Frage für den Titel kamen aber auch Christopher Lutz, Rustem Dautov und natürlich Robert Hübner. Er hatte mit 3 aus 3 den besten Start und trennte sich in Runde vier von Lutz remis. Nachdem er Jörg Hickl besiegt hatte, gab es mit Schwarz eine Punkteteilung mit Roman Slobodjan. Auch danach ließ er sich die Führung nicht mehr wegnehmen: Dautov ½, Bischoff 1, Jussupow ½. Mit einem halben Punkt Vorsprung gewann er die Meisterschaft vor Dautov.

Nachfolgend zwei Partien aus dem Turnier:

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A41
-
E15
Pl. Spieler Elo Verein S R V Pkt. Wert1 Wert2
1. GM Dr. Robert Hübner 2599 SG 1868-Aljechin 5 4 0 7,0 2547 35,00
2. GM Rustem Dautov 2597 Godesberger SK 4 5 0 6,5 2475 31,50
3. GM Klaus Bischoff 2509 SK König Plauen 4 4 1 6,0 2537 34,50
4. GM Roman Slobodjan 2550 USC Magdeburg 4 4 1 6,0 2516 34,00
5. GM Christopher Lutz 2591 SG Porz 4 4 1 6,0 2493 33,50
6. GM Karsten Müller 2533 Hamburger SK 5 2 2 6,0 2479 33,50
7. GM Lev Gutman 2471 TuRa Melle 5 2 2 6,0 2425 31,00
8. GM Jörg Hickl 2552 Stuttgarter SF 4 3 2 5,5 2520 34,50
9. GM Artur Jussupow 2636 SG 1868-Aljechin 2 7 0 5,5 2491 32,00
10. Ullrich Krause 2263 Lübecker SV 4 3 2 5,5 2451 30,00
11. Tobias Jugelt 2401 Bremer SG 5 1 3 5,5 2369 27,50
12. Udo Käser 2334 SF Lohmar 5 1 3 5,5 2359 28,00
13. GM Stefan Kindermann 2527 SK König Plauen 4 2 3 5,0 2477 31,50
14. Holger Grund 2482 SK Ladenburg 3 4 2 5,0 2450 32,00
15. IM Thies Heinemann 2489 Hamburger SK 3 4 2 5,0 2392 31,00
16. FM Ulrich Rohde 2290 SV Betzdorf-K. 3 4 2 5,0 2378 27,00
17. FM Dirk Paulsen 2331 SK König Tegel 4 1 4 4,5 2430 30,50
18. FM Rüdiger Seger 2412 SV GW Frankfurt 4 1 4 4,5 2417 31,50
19. Martin Kaster 2072 SK Altenkirchen 4 1 4 4,5 2368 27,00
20. Frerik Janz 2284 SC Meerbauer Kiel 3 3 3 4,5 2352 25,50
21. FM Ulf von Herman 2407 SK König Tegel 4 1 4 4,5 2339 26,50
22. FM Mathias Holzhäuer 2334 SK Schmiden/C. 3 3 3 4,5 2334 28,50
23. FM Jochen Bruch 2320 SK Ludwigshafen 3 3 3 4,5 2322 26,00
24. Enrico Marchio 2289 SK Gernsheim 3 3 3 4,5 2291 23,00
25. Reiner Schmidt 2144 SK Altenkirchen 3 2 4 4,0 2393 28,00
26. Dirk Suhl 2360 BSC Rehberge 1 6 2 4,0 2392 27,50
27. FM Uwe Kersten 2366 SG Bad Hersfeld 3 2 4 4,0 2386 29,00
28. Roland Voigt 2147 SC Leipzig-Gohlis 3 2 4 4,0 2385 25,00
29. IM Dr. Helmut Reefschläger 2381 SF Baden-Lichtenb. 3 2 4 4,0 2376 29,50
30. Eduard Schunk 2260 SC 1868 Bamberg 3 2 4 4,0 2310 27,00
31. FM Udo Osieka 2342 SK Bann 1 6 2 4,0 2301 23,50
32. FM Matthias Müller 2403 Erfurter SK 1 5 3 3,5 2356 29,50
33. Günter Walter 2305 SG Lok Brandenburg 2 3 4 3,5 2340 24,50
34. Dr. Stefan Hamm 2243 SC Asberg 2 3 4 3,5 2265 21,50
35. Gernot Blum 2128 SV GW Piesteritz 2 2 5 3,0 2298 23,50
36. Gerd Dettmann 2184 Post SV Güstrow 1 4 4 3,0 2292 21,00
37. Martin Riediger 2230 SC Pfarrkirchen 1 4 4 3,0 2276 24,00
38. FM Herbert Bastian 2405 SVG Saarbrücken 2 2 5 3,0 2260 23,50
39. Dieter Bischoff 2194 SK Sandhausen 1 3 5 2,5 2355 25,50

Schacholympiade in Luzern 1982, Wettkampf Bundesrepublik Deutschland gegen Jugoslawien

In der Nationalmannschaft der Bundesrepublik Deutschland und für Deutschland nach dem Mauerfall spielte Robert Hübner von 1965 bis 2002. Dabei zählten wir für ihn 251 Einsätze mit einer Bilanz von 104 Siegen, 126 Remis und nur 19 Niederlagen. Wer nachrechnet wird merken, das uns wohl zwei Ergebnisse abhanden gekommen sind. Und tatsächlich fehlen uns die beiden Resultate aus dem Länderkampf gegen Luxemburg 1972.

250 Länderspiele und mehr schafften neben Hübner übrigens nur vier weitere Spieler: Wolfgang Unzicker 384, Lothar Schmid 271, Hans-Joachim Hecht 253 und Wolfgang Uhlmann 250. Seine Premiere im westdeutschen Nationalteam hatte Hübner 1965 bei der Mannschafts-Europameisterschaft in Hamburg mit einem Ergebnis von 4½ aus 8. Gespielt wurde an 10 Brettern. Die Bundesrepublik trat vorn mit den beiden Großmeistern Wolfgang Unzicker und Lothar Schmid an. Hübner spielte an Brett acht.

Drei Jahre später hatte Hübner sein Debüt bei der Schacholympiade. Es sollten noch elf weitere Teilnahmen folgen. Zweimal, 1972 und 1990, war er bester Spieler am 1. Brett. Im Jahr 2000 hatte er in Istanbul großen Anteil an der olympischen Silbermedaille für Deutschland. Eine seiner aufsehenerregendsten Partien bei einer Schacholympiade spielte er 1990 in Novi Sad. Er gewann in nur 28 Zügen gegen Wassili Iwantschuk - damals Nummer 4 der Welt! Der Wettkampf gegen die UdSSR ging aber trotzdem 1½:2½ verloren.

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B08

Robert Hübners Vereine

Hübners erster Verein war 1957 der Eisenbahnschachverein Turm Köln. Seine Spielstärke entwickelte sich so rasant, das er im Dezember 1961 bereits bei der Endrunde der Deutschen Mannschaftsmeisterschaft in Minden mitspielen durfte. Köln wurde Dritter und der 13-Jährige erreichte am 8. Brett einen Sieg und ein Remis in drei Partien.
Als Hübner in den 1970er Jahren in der Weltspitze angekommen war, waren auch die Schachvereine für die er nun spielte, erfolgreicher. 1974 und 1975 wurde er mit Solingen Deutscher Meister der Bundesrepublik. Viele weitere Titel folgten: 1979 mit Porz, 1987 und 1988 wieder mit Solingen, 1996 wieder Porz und 2006 Baden-Baden. Eine richtige Serie hatte er mit Bayern München: 1989, 1990, 1991, 1992, 1993 und 1995. International schaffte er 1976 und 1990 mit der Solinger SG den Europacupsieg, 1992 mit Bayern München.

Von 2015 bis 2018 legte Hübner in Deutschlands Ligen eine Ruhepause ein und spielte ausschließlich in der Schweiz und Luxemburg. Seit Juli 2018 ist er Mitglied beim Schachclub Siegburg. Der Zweitligaabsteiger spielt in der Oberliga Nordrhein-Westfalen und Hübner natürlich am ersten Brett. In Runde eins schlugen die Siegburger die inzwischen drittklassige, aber immer noch starke SG Porz mit 5:3. Hübner trennte sich vom Niederländer Erik van den Doel (DWZ 2616) remis.

Robert Hübner treffen

Der Deutsche Schachbund wird Robert Hübner während der zentralen Bundesligarunde im März 2019 in Berlin ehren. Im Rahmen dieser Veranstaltung wird Großmeister Hübner auch eine Simultanvorstellung geben und einen Vortrag halten. Plätze für das Simultan werden in den kommenden Monaten auf Schachbund.de sowie auf der DSB-Facebook-Seite verlost und bei den bevorstehenden Turnieren der Deutschen Schach-Amateurmeisterschaft als Überraschungspreise vergeben!

Robert Hübner in der Wikipedia | Lesenswert: Weltmeisterkandidat Hübner - Jetzt oder nie (Spiegel 12.11.1979)

Frank Hoppe

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