Sarah bittet in Brühl zur Handicapsimultanshow

14.02.2012 09:36
Sarah Hoolt (Hamburger SK) bei der Mannschafts-EM in Porto Carras
Sarah Hoolt (Hamburger SK) bei der Mannschafts-EM in Porto Carras
Foto: Uwe Bönsch

Bereits am 14. Januar konnten die Veranstalter der Deutschen Schach-Amateurmeisterschaft verkünden, dass das 5. Qualifikationsturnier in Brühl restlos ausgebucht ist. Also Anmeldestopp! Vom 17. bis 19. Februar werden nun im RAMADA-Hotel mehr als 330 Teilnehmer erwartet. Wie immer geht es dann in sechs Leistungsgruppen in einem begrenzten DWZ-Rating-Rahmen in fünf Runden darum, die jeweils sechs Besten für das Finale zu ermitteln, das diesmal vom 7. bis 9. Juni in Halle/Saale stattfindet. Und mit der elften Auflage der erfolgreichsten Breitenschach-Turnierserie im Deutschen Schachbund hat auch dieses vorletzte Qualifikationsturnier wieder eine Patin der Nationalmannschaft. Nach Ketino Kachiani-Gersinka zum Auftakt in Bad Soden im Oktober vergangenen Jahres, Elena Levushkina in Frankfurt (Oder), der Vizeweltmeisterin U16 Hanna Marie Klek in Aalen und Marta Michna in Hamburg-Bergedorf übernimmt nun Sarah Hoolt (Foto) diese Aufgabe. Am Freitagabend (17. Februar) wird die amtierende Deutsche Meisterin dabei das traditionelle Uhrenhandicap gegen zehn Gegner(innen) bestreiten.

Ich habe Sarah Hoolt, die im Alter von sechs Jahren durch ihre Eltern zum Schach gekommen ist und deren erster Verein mit acht der SV Bad Bentheim war, wie auch den übrigen Patinnen die folgenden zehn Fragen gestellt:

Schach finden Sie gut, weil....

...die Partie erst entschieden ist, wenn die Hände geschüttelt werden. Es bleibt oft lange spannend, und auch schlechtere Stellungen können sich noch zum Guten wenden. Außerdem ist es faszinierend, dass man z.B. 30 Minuten über einen Zug nachdenken kann, ohne zu merken, wie die Zeit vergeht, weil man so in die Stellung vertieft ist.

Was war bisher Ihr sportlich größter Erfolg auf den 64 Feldern und welche Partie war die beste?

Zu den größten sportlichen Erfolgen zählen für mich das Erspielen meiner zwei WGM-Normen[1] und die deutschen Meistertitel von 2006 und 2011. Meine beste Partie habe ich 2008 in dem Open von Cappelle la Grande gegen Großmeister Anthony Kosten gespielt.[2] In dem Turnier habe ich meine erste WGM-Norm erspielt.

Welche halten Sie für die beste und welche für die schädlichste Entwicklung im Schach?

Wenn ich das auf Deutschland beziehe, denke ich, dass es eine sehr gute Entwicklung ist, dass Schach vermehrt in Schulen angeboten wird und insbesondere, wenn Schach ein reguläres Schulfach ist.

Die schädlichste Entwicklung sind ganz klar die vermehrten Betrugsfälle in den letzten Jahren - insbesondere die öffentlich gewordenen von Sebastian Feller und Christoph Natsidis. Das schädigt den Ruf von Schach, und Turnierergebnisse werden dadurch verfälscht. Ich hoffe sehr, dass nicht vermehrt auf Dopingkontrollen, sondern auf Verbote von elektronischen Geräten gesetzt wird.

Welche Vorurteile über das Frauen-Schach ärgern Sie und wie reagieren Sie darauf?

Es kommt immer mal wieder vor, dass Sprüche fallen, wir Frauen können kein Schach spielen etc. Mich spornt so etwas nur an, und mein Ziel ist es, meine Gegner eines Besseren zu belehren. Aber richtig verärgert ist man darüber nicht, weil man da einfach drübersteht.

Was fällt Ihnen spontan über Ihre Mitstreiterinnen oder auch Konkurrentinnen in der Frauen-Nationalmannschaft ein und wie würden Sie das Klima innerhalb des Teams beschreiben?

Meiner Meinung nach, hat sich das Klima in der Nationalmannschaft in den letzten zwei Jahren verbessert. Insbesondere bei der Schacholympiade 2010 in Chanty-Mansijsk war die Stimmung innerhalb der Mannschaft sehr gut, und ich hab mich sehr wohl mit meinen Mitstreiterinnen gefühlt.

Welche Rolle spielt für Sie der Teamcoach?

Er nimmt eine wichtige Rolle ein. Sowohl bei der Vorbereitung als auch der Analyse unterstützt er die Mannschaft. Ebenso halte ich es für wichtig, dass der Teamcoach die Mannschaft und einzelne Spieler motiviert, damit das Klima, auch wenn es mal nicht so gut läuft, positiv bleibt.

In diesem Jahr findet in Istanbul wieder eine Schacholympiade statt. Was bedeutet es Ihnen, dort mit dem deutschen Team zu spielen?

Ich hoffe sehr, dass ich für die Schacholympiade 2012 nominiert werde. Denn es ist immer ein riesiges Event und etwas Besonderes, an einer Schacholympiade teilzunehmen.

Mit welchem Slogan würden Sie für das deutsche Frauen-Team werben?

Die klügsten Frauen Deutschlands - die Schach-Nationalmannschaft!

Wie würden Sie einem Ausländer sagen, wenn er Sie fragt, was Deutschland ist?

Deutschland ist ein Land, welches in Mitteleuropa liegt.

Welche abschließende Frage würden Sie gern gestellt bekommen, und wie lautet Ihre Antwort?

"Möchten Sie noch jemandem danken?"

Ich möchte mich gern für die jahrelange Unterstützung bei meinen Eltern bedanken, ohne Sie wäre es nicht möglich gewesen, so viel zu erreichen. Ebenso gilt meinem Dank alten Trainern, meinen Schwestern, insbesondere meiner jüngeren Schwester Rebekka, mit der ich früher einige Turniere zusammengespielt habe, meinem Freund und Freunden, die mich unterstützen, wo es geht.


[1] Am vergangenen Wochenende (11./12. Februar) hat es bei Sarah Hoolt endlich mit der dritten WGM-Norm bei den Frauenbundesliga-Runden 8 und 9 geklappt. Entscheidend war dafür am Sonnabend ein schöner Sieg gegen die deutsche Rekord-Nationalspielerin Ketino Kachiani-Gersinka (OSG Baden-Baden) sowie ein schwer erkämpftes Remis tags darauf gegen Manuela Mader (Karlsruher SF).

[2] Und hier die erwähnte Glanzpartie gegen den Engländer Anthony Kosten, der seit dem Jahr 2002 für den französischen Verband spielt.

Kosten, A. (Elo 2511) - Hoolt, S. (2220)
24. Open Cappelle la Grande, Runde 3, 2008
Königsindische Verteidigung [E61]

1.c4 Sf6 2.g3 g6 3.Lg2 Lg7 4.Sc3 0–0 5.d4 d6 6.h3 Sbd7 7.e4 e5 8.d5 a5 9.Sge2 Sc5 10.Lg5 a4 11.0–0 Ld7 12.Dd2 Dc8 13.Kh2 Tb8 14.f4 exf4 15.gxf4 h6 16.Lh4 Te8 17.Sg3 Sh7 18.Tae1 b5 19.cxb5 Bxb5 20.Tf3 La6 21.Lf1 Lxf1 22.Tfxf1 Db7 23.Te2 Db4 24.Tf3 Dc4 25.Tg2 a3 26.b3

26... Sxb3!! 27.axb3 Txb3 28.Sge2 Txe4 29.Le1 Te8 30.Te3 Teb8 31.Te4 Dc5 32.Bf2 Lxc3 33.Dc2 Dxd5 34.Te7 Lf6 35.Txc7 Dd3 36.Tc8+ Txc8 37.Dxc8+ Kg7 38.Sc1 Dc3 39.Txg6+ fxg6 40.Dd7+ Kf8 41.Sxb3 Dxb3 42.Dxh7 a2 43.Dxh6+ Lg7, und Weiß gab auf [0–1]

ZUR PERSON

SARAH HOOLT wurde am 30. April 1988 in Nordhorn geboren und wuchs in Bentheim auf. Im Nachwuchsbereich gewann sie im sechsten Anlauf 2007 den Titel in der Königsklasse U18. Was ihren Spielstil angeht, so sieht sich die zweimalige Teilnehmerin an Schacholympiaden (2008 Dresden und 2010 Chanty-Mansijsk) als aktive und aggressive Spielerin, die immer bis zum Schluss kämpft und schlechte Stellungen gern verkompliziert. Die Studentin an der Uni Duisburg-Essen (Energie und Finanzen), die im Sommer 2011 bei der Universiade in China startete, ist Mitglied des SF Katernberg und spielt in der Frauen-Bundesliga für den Hamburger SK. In ihrer Freizeit spielt Sarah gern Volleyball und liest.

Raymund Stolze

// Archiv: DSB-Nachrichten - Startseite // ID 239

Sie müssen sich anmelden, wenn Sie diesen Artikel kommentieren wollen.

Zurück

Einen Kommentar schreiben

Sie müssen sich anmelden, um Kommentare hinzuzufügen.

Unsere Partner