Nach oben

Bundeskongress 1970 in Freiburg

Das Protokoll des Bundeskongresses wurde bisher nicht wiederaufgefunden. Im Schach-Echo Heft 9/1970 erschien ein längerer Bericht, den wir hier wiedergeben.

Der Kongreß des Deutschen Schachbundes

Von Harry J. Steffes, Freiburg

Erstmals in der Geschichte der deutschen Schachkongresse wurde ein sitzungsfreier Tag eingelegt, um den Delegierten Gelegenheit zu geben, von ihrem Kongreßort und seiner Umgebung mehr zu sehen, als nur das Tagungslokal und Hotel. So begannen die Besprechungen bereits am Donnerstag, dem 23. April, mit einer Sitzung des Präsidiums, das sich mit internen Fragen beschäftigte.
Die Haupttagung, der eigentliche Kongreß, der wie alle anderen Sitzungen usw. in den Räumen des Restaurants „Alte Burse" stattfand, wurde am Nachmittag des 24. April um 16 Uhr in Anwesenheit des 1. Bürgermeisters der Stadt Freiburg, Dr. Graf, eröffnet, der dem Kongreß die besten Grüße und Wünsche der Stadt Freiburg überbrachte und der Freude Ausdruck gab, daß dieser Kongreß gerade im Jubiläumsjahr der Stadt anläßlich der 850-Jahrfeiern nach hier vergeben wurde. Eine kleine Erinnerungsgabe an alle Delegierten brachte dies auch äußerlich zum Ausdruck. Nach weiteren kurzen Begrüßungsworten durch den 1. Vorsitzenden des Bad. Verbandes, Alfred Weber, und den Vorsitzenden des Bezirks Freiburg, Frank Palmer, eröffnete Präsident Ludwig Schneider die Tagesordnung, gegen die keine Einwände erhoben wurden.Stellvertretend für die im Laufe des Geschäftsjahres verstorbenen Schachfreunde wurde H. Freitag, Siegen, namentlich geehrt. Die Feststellung der Anwesenden und Stimmenzahlen ergab, daß alle Landesverbände vertreten waren und über insgesamt 91 Stimmen verfügten. Die Wahl des Protokollführers fiel auf Benno Musiol, Freiburg. Gegen die Protokolle der ordentlichen und außerordentlichen DSB-Kongresse im Vorjahr in Siegen wurden keine Einwände erhoben.

Die anschließende Berichterstattung durch die Vorstandsmitglieder nahm in diesem Jahr weniger Zeit in Anspruch als früher, da nahezu alle Berichte den Verbänden vorher schriftlich übersandt worden waren.

Präsident Schneider dankte seinen Mitarbeitern hierfür, da dies doch den Ablauf der Sitzung wesentlich verkürze. Der Bericht des 1. Vizepräsidenten, Kurt Hülsmann, war ein eigener Punkt der Tagesordnung, der sich mit der Schacholympiade in Siegen beschäftigte und bis dahin (es war Punkt 15 von insgesamt 19) zurückgestellt wurde. Der 2. Vizepräsident, Alfred Kinzel, berichtete in eindrucksvoller Weise über seine Tätigkeit für den DSB beim Deutschen Sportbund und gab hier wertvolle Informationen und Anregungen, deren Auswertung in den einzelnen Gremien des DSB sicherlich positive Ergebnisse zeitigen wird. In Anklang an seine Ausführungen beim letztjährigen Kongreß in Gießen führte er aus, daß dieses Jahr der Tätigkeit in neuer Zusammensetzung nicht nur seine damaligen Vorstellungen von einer echten Teamarbeit im Präsidium erfüllt habe, sondern daß es (trotz vieler Nachtsitzungen) Freude mache, in diesem Gremium mitarbeiten zu können. Bundesspielleiter Willy Fohl wies in seinem Kurzbericht über internationale Veranstaltungen auf die Schachpresse hin, die hierüber jeweils eingehend berichtet habe. Werner Rösner streifte nochmals die wichtigsten Ereignisse auf Bundesebene, wie das 14. Kandidatenturnier in Rinteln, die 50. Deutsche Einzelmeisterschaft in Königsfeld, die Deutsche Mannschaftsmeisterschaft und die Kämpfe um den Silbernen Turm. Er wies auf die kommende Einzelmeisterschaft in Völklingen und deren besondere Bedeutung hin, besonders im Hinblick auf internationale Berufungen. Jugendwart Ernst-Robert Kadesreuther hob in seinem Bericht hervor, daß mit der Einführung des Referenten für Schulschach in Gießen sowie mit der bevorstehenden Gründung der „Deutschen Schachjugend im DSB" zwei überaus positive Schritte getan worden seien, um die Jugendarbeit effektiv zu fördern. Seine Ausführungen für Veranstaltungen auf nationaler und internationaler Ebene im Berichtsjahr ließen eine gute Aufwärtsentwicklung in der Spitze, aber auch in der Breite erkennen. Der Referent für das Schulschach, Christian Zickelbein, berichtete über seine Bemühungen: „im weitesten Sinne des Wortes für Jugend- und Schulschach einzutreten und seine Bedeutung vor allem auch in Schachkreisen zu zeigen". Auch er hob die bevorstehende Gründung der Deutschen-Schach-Jugend als ein positives Ereignis im deutschen Schach hervor. (Über diese wird an anderer Stelle eingehend berichtet). Frau Margarete Grzeskowiak berichtete über das Frauenschach, das dadurch weniger nach außen in Erscheinung trat, daß die Deutsche Frauen-Einzelmeisterschaft nur alle 2 Jahre stattfindet. So waren die beiden FIDE-Veranstaltungen in Lublin und Vrnjacka Banja die herausragenden Ereignisse des Jahres. Schriftführer und Pressewart K.-P. Reiber hob, wie schon im vergangenen Jahr, hervor, daß er seine Arbeit nicht in der Journalistik sehe, sondern in der Weitergabe von Informationen des Präsidiums über die Schachpresse an die Verbände und Mitglieder. Das Schreiben von Artikeln über Veranstaltungen überlasse er den Schach-Journalisten. FIDE-Präsidialmitglied Friedrich Stock gab einen Überblick über den letzten FIDE-Kongreß in Puerto Rico, der wie immer große Aufmerksamkeit fand. Er streifte die Schacholympiade in Siegen mit dem damit verbundenen FIDE-Kongreß, bei dem der langjährige Präsident der FIDE, Rogard, nicht mehr kandidieren werde. Der Bericht des Schatzmeisters Horst Schwarzlmüller wies positive Zahlen aus, die aber gleichzeitig aufzeigten, daß mit den derzeitigen Mitteln keine großen Sprünge gemacht werden können. Die beiden Kassenprüfer, W. Hempfing (Eschwege) und G. Hierholzer (Freiburg), konnten der Kassenführung eine saubere Arbeit bescheinigen, die nach einigen sachlichen Rückfragen zur Entlastung des Schatzmeisters durch das Gremium führte.

In den folgenden Punkten der Tagesordnung wurden die im Entwurf vorliegenden Änderungen zur Satzung, Turnierordnung sowie die neu geschaffene Sitzungsordnung behandelt. Nach einigen sachlichen und redaktionellen Änderun-gen wurden sie alle angenommen. Diese Ordnungen etc. sollen als Broschüre zusammengefaßt werden und allen Landesverbänden nebst ihren eigenen Organisationen zur Verfügung gestellt werden. Es kann hier nicht der Raum sein, auf alle diese Bestimmungen etc. einzugehen, da sonst eine Sondernummer erforderlich wäre.

Die beantragte Entlastung des Präsidiums erfolgte einstimmig. Die erforderlichen Neuwahlen eines Teiles des Präsidiums erfolgten bei jeweils nur 1 Kandidatenvorschlag einstimmig, und zwar: 1. Vizepräsident: Kurt Hülsmann (Rheinhausen), Schatzmeister: Horst Schwarzlmüller (Hamburg), Frauenwart: Frau Margarete Grzeskowiak (Gießen), Meistervertreter: Lothar Schmid (Bamberg), Referent für das Schulschach: Christian Zickelbein (Hamburg). Lediglich bei der Neuwahl des Schriftführers und Pressewarts gab es keine Einstimmigkeit. Klaus-Peter Reiber (Hamburg) als einziger Kandidat wurde auf Antrag in geheimer Wahl gewählt und erhielt dabei 55 Ja- und 23 Gegenstimmen bei 12 Enthaltungen.

Große Aufmerksamkeit fand der Bericht des 1. Vizepräsidenten, Kurt Hülsmann, über den Stand der Vorarbeiten für die Schach-Olympiade in Siegen, die zügig im Gange sind. Das Organisationsgremium hat alle erforderlichen Belange berücksichtigt, die einen guten äußeren Rahmen für die Durchführung garantieren. Aktuelle Informationsblätter, die offizielle Festschrift, der Programmweiser mit Hinweisen auf die Rahmenveranstaltungen werden zu einer umfassenden Unterrichtung beitragen. Die Terminplanung sieht am 5. September die festliche Eröffnung nebst 1. Runde vor. Letzter Spieltag ist der 25. 9., während das Abschlußbankett am 26. 9. stattfindet, zu dem der Schirmherr der Schacholympiade, Bundespräsident Dr. Heinemann, seine Teilnahme zugesagt hat. Die Tagungen der FIDE beginnen am 10. September und enden ebenfalls am 25., während Präsidium und erweiterter Vorstand des DSB voraussichtlich am 24. und 26. zusammentreten werden.
Der Schachwerbetag, der in diesem Jahr erstmals durchgeführt werden soll und dessen Ausgestaltung den Landesverbänden überlassen bleibt, wird anläßlich der Eröffnung der Schach-Olympiade am 5. September stattfinden, wobei an Simultanveranstaltungen, Vorträge und andere Gemeinschaftsveranstaltungen gedacht ist.
Die von Schatzmeister Schwarzlmüller beantragte Erhöhung der Beiträge um je -,50 DM ab 1.1.1971 wurde ebenso einstimmig genehmigt wie der vorgelegte neue Haushaltsplan, nachdem hier nur geringfügige Änderungen vorgenommen worden waren.
Die Behandlung der Anträge nahm nur sehr kurze Zeit in Anspruch. Der Kongreß 1971 wurde hierbei einstimmig an Berlin vergeben, das sich bereits für dieses Jahr darum beworben hatte, jedoch zugunsten von Freiburg zurückgetreten war. Der Punkt „Verschiedenes" brachte eine Reihe von wertvollen Anregungen von Lothar Schmid für die Zeit nach der Olympiade in Siegen, da sicher ein Teil der dortigen Spieler an Simultanveranstaltungen usw. interessiert sein wird.

Nun noch etwas zum Rahmenprogramm: Der dienstfreie Samstag, der 25. April, wurde auf Einladung der Freiburger Organisatoren zu einer mehrstündigen Omnibusfahrt durch und um den „Kaiserstuhl" benutzt, wobei die Besichtigung einer Winzergenossenschaft mit entsprechender Weinprobe nicht fehlen durfte. Am Abend fand ein Gesellschaftsabend statt, den der Oberbürgermeister der Stadt Freiburg, Dr. Eugen Keidel, mit seiner Anwesenheit beehrte und bei dem Friedrich Stock, auf dessen Initiative hin s. Zt. in Gießen der Kongreß nach Freiburg vergeben wurde, mit der Ernennung zum Ehrenmitglied des Deutschen Schachbundes, die der Kongreß einstimmig beschlossen hatte, besonders geehrt wurde. Die einhellige Meinung aller Teilnehmer an den arbeitsreichen Freiburger Kongreßtagen war, daß den Freiburger Ausrichtern hoher Dank und Anerkennung für Vorbereitung, Durchführung und Gestaltung auszusprechen ist, was der Präsident, Ludwig Schneider, in seinen Schlußworten am Sonntag nochmals besonders zum Ausdruck brachte.

Die Gründung der Deutschen Schachjugend

Die Gründungsversammlung der Deutschen-Schach-Jugend im Deutschen Schachbund, die im Rahmen der Tagungen des DSB-Kongresses am 25. April in Freiburg stattfand, erfreute sich einer außerordentlich guten Beteiligung, da alle Landesverbände - lediglich Saar hatte keinen Vertreter entsandt - mit ihren Jugendleitern und Jugendsprechern erschienen waren. Das Interesse der DSB-Führung zeigte sich in der Anwesenheit des 1. Vizepräsidenten, Kurt Hülsmann. Die beiden Versammlungsleiter, DSB-Jugendwart Ernst Kadesreuther und der Referent für das Schulschach im DSB, Christian Zickelbein, brachten in einer über 8 Std. dauernden Tagung die reichhaltige Tagesordnung glatt über die Runden. Hier nahm die Fassung der vorgeschlagenen Satzung bzw. Jugendordnung den größten Raum ein, der hier leider nicht vorhanden ist, um näher darauf eingehen zu können. Sie wurde ebenso wie die Turnierordnung für die Jugend angenommen und in der Kongreß-Hauptversammlung bestätigt.

Die Deutsche-Schach-Jugend (DSJ) wählte sich folgenden Vorstand: Ernst-Robert Kadesreuther, Bayern, zum 1. Vorsitzenden, Christian Zickelbein, Hamburg, zum 2. Vorsitzenden und zugleich Referent für das Schulschach, Herbert Eggert, Schleswig-Holstein, zum Spielleiter, Herbert Schramm, Bayern, zum Kassenwart, Karl Goßner, Nordrhein-Westfalen, zum Lehrwart, Gunnar Schwarting, Hamburg, zum Pressewart, Stephan Buchal, Niedersachsen, zum Jugendsprecher sowie Michael Schmölzing, Hessen, zum 2. Jugendsprecher.

In die beiden Ausschüsse (Turnier-Schiedsgericht und Spielausschuß) wurden zusätzlich gewählt: Ralph Mallée, Nordrhein-Westfalen, Dieter Rasch, Hamburg, sowie Willi Knebel, Nordrhein-Westfalen, und Ralf Müller-Ernesti, Niedersachsen.

HJS

x