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KSC Strausberg und LSSVB trauern um Werner Barthel

Dem Schachnachwuchs gehörte seine Kraft und seine Zuneigung

Die Nachricht erschütterte die Schachsportler des Senioren-Schachvereins Brandenburg und ganz besonders den KSC Strausberg. Der langjährige Leiter der Abteilung Schach, Werner Barthel, ist tot. Er verstarb am 8. Oktober 2003 im Alter von 81 Jahren in Strausberg. Er hat in seinem Leben viel für den von ihm so geliebten Schachsport geleistet und wird deshalb auch bei seinen vielen Schachfreunden lange in Erinnerung bleiben. Am 1. Dezember 1921 wurde Werner Barthel in Chemnitz geboren. Von jung auf war er mit dem Sport eng verbunden und betrieb seit 1954 organisiert Schachsport. Seit 1958 wohnte er in Strausberg. Zuerst in der Freizeit, später in der neu gegründeten Sektion Schach der Armeesportgemeinschaft "Vorwärts Strausberg", wurde er aktiver Mannschaftsspieler und alsbald stellvertretender Leiter der Sektion. In den 60er Jahren wurde Werner Barthel in das Präsidium des Schachverbandes der DDR gewählt. Seine besondere Aufgabe war es, in Strausberg Spitzenspieler zu konzentrieren, die sich neben ihrem Wehrdienst gleichzeitig in ihrer Sportart Schach auf hohem Niveau weiterentwickeln sollten. So weilten in den Jahrzehnten bis 1990 viele bekannte Schachspieler in Strausberg. Die wohl bekanntesten waren die Internationalen Schachgroßmeister Lothar Vogt, Uwe Bönsch (heute Bundestrainer) und Wolfgang Uhlmann. Der Strausberger Schachsport war durch Mannschaften in vielen Spiel- und Leistungsklassen vertreten. In den Schulen Strausbergs gab es Kinderschach, und es wurde hervorragender Nachwuchs ausgebildet. Lange Jahre war Werner Barthel Vizepräsident des Schachverbandes der DDR, bevor er 1978 zum Präsidenten gewählt wurde. Folgerichtig wurde er Mitglied des Internationalen Schachverbandes FIDE.

Er nahm an zahlreichen Internationalen Kongressen und Schacholympiaden teil. Anatoli Karpow, Garry Kasparow, Robert Fischer und andere Größen des Schachsports kannte Werner Barthel persönlich, mit vielen hatte er lange Jahre freundschaftlichen Kontakt. Als Präsident gelang es ihm, 1988 den einzigen offiziellen Länderkampf zwischen der DDR und der Bundesrepublik vorzubereiten und in Potsdam zu realisieren. Dieses Projekt war zuvor aus verschiedenen Gründen immer wieder gescheitert. Das Prestige-Match endete mit einem Sieg für die DDR. Nach der Wende hat sich Werner Barthel um den KSC Strausberg und insbesondere um seine Schachabteilung verdient gemacht. Viele junge Strausberger dieser Zeit, auch Ihre Eltern, schätzen noch heute seine Bemühungen um die Entwicklung eines talentierten Schachnachwuchses. Schach war für Werner Barthel nicht Selbstzweck, sondern wichtige Grundlage für vieles Wertvolle wie Persönlichkeitsentwicklung, Schule des Denkens und strategischen Planens, Entwicklung von Ausdauer und Konzentrationsfähigkeit. All das motivierte ihn, sich bis ins hohe Alter in die Horte der Strausberger Grundschulen zu begeben, für den Denksport Schach zu werben und Grundkenntnisse zu vermitteln. Bis in die jüngste Vergangenheit haben die von Werner Barthel betreuten Schachteams des Nachwuchses bemerkenswerte Erfolge erzielt und unter anderem Landesmeistertitel erkämpft. Talentierte Einzelspieler (z. B. Daniel Werner, Alexander Boldt u. a.), die bei ihm in die Geheimnisse des Schachs eingewiesen wurden, berechtigen zu großen Hoffnungen für ihre sportliche Zukunft. Eine der letzten Aktivitäten von Werner Barthel war die organisatorische Vorbereitung der 4. Senioren-Landesmannschaftsmeisterschaft im Schnellschach in Strausberg.

Mit dem Tod von Werner Barthel hat der Schachsport in Strausberg und im Land Brandenburg einen schmerzlichen Verlust erlitten. Viele Freunde und Weggefährten haben ihm am 24. Oktober 2003 auf dem Waldfriedhof in Eggersdorf die letzte Ehre erwiesen. Wir fühlen mit seiner Ehefrau Traude Barthel und mit seiner großen Familie, deren Zusammenhalt immer sein ganzer Stolz war.

Dr. Hagen Kattner, Geschäftsführer KSC Strausberg
Karl-Heinz Langer, Vorsitzender LSSVB

Quelle: Rochade Europa, Regionalteil Berlin-Brandenburg 11/2003, Seite 1

Ursprünglich war im Internet ein Artikel online, der allerdings inzwischen nicht mehr verfügbar ist und auch nicht gesichert wurde.

Vielen Dank an Norbert Heymann für die Zusendung des Rochade-Artikels im April 2007.

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