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Der Kampf der 60-jährigen - 9. Deutsches Senioren-Derby

von Jörg Holler

Die Sieger v.l. Josef Hülmann (1.), Josef Beutelhoff (2.), Heinz Meierhöfer (3.)
Die Sieger v.l. Josef Hülmann (1.), Josef Beutelhoff (2.), Heinz Meierhöfer (3.)

Das 9. Deutsche Senioren-Derby 2010 wurde von Josef Hülsmann, Langenfeld (SF Monheim 1947), vor Josef Beutelhoff, Senden (SK Lüdinghausen) und Heinz Meierhöfer, Fürth (SK 1945 Fürth) gewonnen. Alle drei blieben bei 3 x Remis ohne Verlustpartie und nur minimale Unterschiede in der Buchholz-Wertung entschieden über Sieg und Platzierung. Auch Platz 4, Rolf Brensing, Engelskirchen (SC Marienheide 1933), war ohne Verlustpartie bei vier Remisen, ebenso wie Platz 5, Wolfgang Tichatschke, BSW Lokomotive Dresden, was zeigt, wie eng es in der Spitze insgesamt war.

Vom 8. bis zum 11. April 2010 konnte der Gasthof "Heidelust" in Undeloh-Wesel bereits zum 9. Male wieder ganz besondere Gäste begrüßen - nämlich Schachspieler aus ganz Deutschland, die für das Deutsche Senioren-Derby ihre Teilnahme bekundet hatten. So mancher war in Begleitung seiner Ehefrau gekommen und machte so gleichzeitig einen Kurzurlaub in der schönen Lüneburger Heide.

Schautafeln im Saal
Schautafeln im Saal

Die Besonderheit dieses vom Deutschen Schachbund organisierten Turniers ist, dass die Teilnehmer alle gleichaltrig sind, denn das Derby steht nur Schachfreunden offen, die 1950 geboren sind, also 60 Jahre alt sind oder in diesem Jahr werden. Auch Damen, die 2010 ihren 55. Geburtstag feiern können, waren eingeladen.

Insgesamt nahm ein Teilnehmerfeld von 49 schachverrückten "alten Säcken" und einer Dame den Kampf um den Titel auf, mit dem Wissen, dass sie nur einmal im Leben an diesem einzigartigen Turnier teilnehmen können und nur einmal im Leben die Chance auf einen vorderen Platz oder gar auf den Gewinn dieses Turniers besteht. Dem leistungsmäßig sehr gemischten Teilnehmerfeld mit DWZ von unter 1300 bis über 2100 standen 7 Runden Schweizer System mit einer Bedenkzeit von 90 Minuten für 40 Züge und zusätzlichen 30 Minuten bis Blättchenfall bevor.

Drei Tage mit interessanten Partien vergingen wie im Fluge, bis es am Sonntag in die siebte und letzte Runde ging, wo es bei den Spitzenplätzen noch mal richtig eng wurde, denn drei Spieler lagen mit 5 Punkten vorn. Alle drei kamen jedoch über ein Remis nicht hinaus, so dass dank besserer Buchholzwertung Josef Hülsmann aus Langenfeld (NRW) den Turniersieg des Senioren-Derbys für sich verbuchen konnte.

Mancher Leser wird jetzt denken: "Na ja, abgesehen von der Altersbegrenzung also ein ganz normales Turnier...". War es aber nicht. Denn schon von der ersten Partie an merkten die Teilnehmer, mit welcher Perfektion und Liebe dieses Derby vorbereitet war. Das begann schon damit, dass jeder ein Schild zum Anstecken erhielt, worauf Name und Herkunft des Spielers ersichtlich war. Jeder Spielplatz war nummeriert und neben den bereitliegenden Kugelschreibern lag vor jeder Partie das Spielformular, auf dem der Kopf mit Name und DWZ bereits aufgedruckt(!) war.

5. Runde Stefan Glasewald (r.), Robert Beltz
5. Runde Stefan Glasewald (r.), Robert Beltz

Bevor vom Turnierleiter nach einer kurzen Begrüßungsansprache die Bretter freigegeben wurden, ertönte eine Hymne, in diesem Fall aus "Also sprach Zarathustra" von Richard Strauss. Diese Zeremonie wurde vor jeder Partie im Turnierverlauf wiederholt und so manch abgebrühter Schachspieler bekam dabei sicher ein wenig Gänsehaut.
Viele kennen bestimmt auch die Situation, dass erst kurz vor der nächsten Runde ausgelost wird, so dass Hektik und Durcheinander entstehen. Nicht aber bei diesem Seniorenderby. Kaum eine Stunde nach Ende der Runde konnte sich jeder auf einer übersichtlichen Schautafel über die nächsten Ansetzungen und den Turnierstand informieren. Darüber hinaus war sofort ersichtlich, wie sich für den Einzelnen die DWZ geändert hatte.
Im Turniersaal befand sich für das leibliche Wohl und als Vitaminspender ein großer Obstkorb, aus dem sich die Spieler nach Herzenslust bedienen konnten, bei jeder neuen Partie lag neben dem Brett eine kleine Leckerei in Form von Süßigkeiten. Die gesamte Atmosphäre im Spielsaal war sehr angenehm und ruhig, denn für die störende und oft lautstarke Analyse der Partien stand ein extra Raum zur Verfügung.
Der Verfasser dieser Zeilen und selbst Teilnehmer des Turniers hat bei der Unterhaltung mit anderen Spielern immer nur dasselbe gehört: "So ein liebevoll und perfekt organisiertes Turnier habe ich noch nie erlebt...".

Wer aber waren die Organisatoren, wer machte die ganze Computerarbeit, druckte Ergebnislisten und Spielformulare und kümmerte sich um die vielen kleinen Details (in denen bekanntlich der Teufel steckt), damit das Turnier reibungslos abläuft? Da war doch sicherlich eine ganze Crew am Werke?
Falsch gedacht! Der gute Geist dieses einmaligen Seniorenderbys in Deutschland, der gleichzeitig Turnierleiter, Schiedsrichter, Ansprechpartner in allen Fragen und Hauptorganisator in einem war, hatte einen Namen: Klaus Gohde, bis 2009 Referent für Seniorenschach im DSB und jetzt noch mit der Durchführung dieses Turniers beauftragt. Nur durch sein Engagement ist dieses schöne, zur Tradition gewordene, Turnier überhaupt zum 9. Mal möglich geworden.
Das bemerkenswerte dabei ist, dass dieser Mann schon über 80 Jahre alt ist, also gut 20 Jahre älter als die Turnierteilnehmer! Mit seinen über 70 Jahren DSB-Mitgliedschaft und seiner über 40-jährigen Erfahrung als Turnierorganisator hat er uns "jungen Schnöseln" eindrucksvoll gezeigt, wie man ein Turnier, bei dem alles passt, organisieren sollte.
Ich glaube im Namen aller Teilnehmer des 9. Deutschen Senioren Derbys zu sprechen, wenn an dieser Stelle Klaus Gohde noch mal ganz herzlich für seine Arbeit in Sachen Seniorenschach gedankt wird. Nur durch ihn ist dieses schöne und in Deutschland seinesgleichen suchende Turnier erst möglich geworden.

Die Teilnehmer vor der Heidelust
Die Teilnehmer vor der Heidelust

Ein Dankeschön auch an das Team des Gasthofs "Heidelust" um Wirt (Schachfreund) Herbert Foth für die gute und preiswerte Unterbringung, das tägliche leckere Frühstücksbuffet und die Kaffeetafel mit frischem Kuchen als Überraschung nach der Siegerehrung.
So mancher würde gern an diesem Turnier im nächsten Jahr wieder teilnehmen, doch wird man leider, leider nur einmal 60… Deshalb, liebe Schachfreunde des Jahrgangs 1951, freuen Sie sich schon jetzt auf das bevorstehende 10. Deutsche Senioren-Derby 2011 in der Lüneburger Heide!

Jörg Holler, Frohburger SC 1926

Abschlußtabelle [Link nicht mehr verfügbar]

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