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Offener Brief zum Artikel von Willi Knebel über Führungskrise im Seniorenschach unter Deutscher Schachbund in der Rochade Europa 09/2003, S.78

Stuttgart, den 11. September 2003

Lieber Willi Knebel,

bisher kannte ich Sie als fröhlichen, witzigen und gut informierten Schachfreund. Jetzt entnehme ich Ihrem Artikel in der Rochade 09/2003, S.78, dass Sie sich ohne angemessene Recherche öffentlich über verdiente Schachfreunde hermachen. Beim Kongress in Cottbus wurde beklagt, dass man mit Ehrenamtlichen so nicht umgehen dürfe, als der Kandidat für das Seniorenreferat keine Mehrheit fand. Jetzt spannen Sie sich faktisch vor seinen Karren und stricken mit an einer haltlosen Legende. Halbwahrheiten, Unterstellungen und voreilige Schlussfolgerungen werden nicht dadurch wahr, dass sie pausenlos verbreitet werden! Leider werden sie dann von vielen für wahr gehalten, u.U. auch vom Urheber. Das ist das Perfide daran. Warum fragen sie nicht die Schachfreunde, die aus erster Hand berichten können. Ein knapper Redaktionsschluss darf das nicht verhindern. Jetzt haben wir es schriftlich und ich möchte zurechtrücken:

In Ihrem Artikel machen Sie Ihrem Unmut Luft zu aktuellen Situationen im Deutschen Schach. Natürlich sind Vorgänge beim DSB-Kongress nicht immer leicht durchschaubar. Wenn Sie jetzt, nach der Tagung der Seniorenreferenten im August in Finsterbergen, von "dubiosen Vorgängen" bei der Wahl des Seniorenreferenten schreiben, erwecken Sie bei den Lesern den Anschein, es wären undemokratische oder unmoralische Verhaltensweisen die Ursache gewesen. Dem ist definitiv nicht so!

Was sind die Tatsachen?

  1. Die Seniorenkommission hat im Januar 2003 eine Stellungnahme zu den geplanten Strukturveränderungen abgegeben (Fuldaer Erklärung). Die erwünschten Einsparungen, nämlich die bisherigen Kommissionssitzungen anlässlich der DSenMM als Arbeitstagung durchzuführen, sind dennoch ohne weiteres möglich. Ferner wurde gefordert, den Referenten für Seniorenschach als Mitglied des erweiterten Präsidiums zu behalten.
  2. Klaus Gohde sollte wieder als Referent für Seniorenschach kandidieren. Hajo Gnirk hatte eine Kandidatur erwogen, wollte aber, wie vor zwei Jahren, trotz eigenem Interesse nicht gegen den Amtsinhaber antreten. Das nenne ich solidarisch und fair.
  3. Klaus Gohde hat in den Gremien des DSB die Anliegen der Senioren vehement vertreten. Dabei trat er kompromisslos auf und scheute sich nicht, andere Präsidiumsmitglieder oder Vertreter der Landesverbände zu beschimpfen. Will man für eine Sache etwas erreichen, muss man aber das Ganze erfassen und in diesem Rahmen geduldig ‚Bundesgenossen‘ suchen. Das ist ihm nur in geringem Umfang gelungen. Vorhersehbar ‚vergraulte‘ er einen großen Teil der Stimmen. Insoweit war sein Wahlergebnis sowohl auf seine sachlichen Stellungnahmen, als auch auf sein persönliches Auftreten zurückzuführen.
  4. Mit Datum vom 5.4.03 sandte mir Hajo Gnirk ein Schreiben mit der Erklärung, "wenn Klaus Gohde nicht kandidiert oder nicht gewählt wird, stehe ich als Kandidat zur Verfügung". Er bat mich, dies absolut vertraulich zu handhaben, was ich auch tat. Nicht einmal meine Vizepräsidenten wussten auf dem DSB-Kongress davon. Als die Wahl des Referenten für Seniorenschach nach einiger Zeit erneut aufgerufen wurde, habe ich dem Präsidenten die Bereitschaft von Hajo Gnirk mitgeteilt. Das war meine Solidarität mit einem langjährigen Weggenossen, der große Verdienste um das Seniorenschach hat.
  5. Dass Klaus Gohde in einer ersten, verständlichen Enttäuschung - er hat sich lange und sehr engagiert für die Schachsenioren eingesetzt - auf seinen Konkurrenten ‚sauer‘ war, kann ich noch nachvollziehen, dass er aber sein ‚Nachkarten‘ bis heute fortsetzt, dafür fehlt mir jedes Verständnis. Das fordert meinen Widerspruch heraus. Ich nenne das unfair! Warum spielen Sie dabei mit?
  6. Für den von mir erwarteten Fall, dass die Strukturreform angenommen würde, hatte ich schon Mitte März den zusätzlichen Antrag gestellt, dass u.a. der Referent für Seniorenschach Mitglied des erweiterten Präsidiums sein solle. E.P. in dieser Frage in Übereinstimmung mit dem Wunsch der Seniorenkommission. Weder Herr Gohde noch einer der anderen Seniorenreferenten hatten einen solchen Antrag gestellt. Das wäre normal gewesen.
  7. Dass die Wahlen aller Präsidiumsmitglieder geheim erfolgte, ging auf einen Antrag eines Mitgliedes des DSB-Schiedsgerichtes zurück, den dieser nach eigenem Ermessen ohne vorherige Abstimmung mit mir einbrachte. Da er zugleich Ehrenmitglied des Schachverbandes Württemberg ist, hatte er natürlich eine Delegiertenstimme dieses Landesverbandes erhalten, wie auch in den Vorjahren. Ist daran etwas dubios?

Zu den Qualitäten von Hajo Gnirk als Schiedsrichter mögen sich andere äußern. Ich kenne ihn als sorgfältigen und vorausschauenden Organisator und Spielleiter. Dass die Vorkommnisse der letzten Monate auch bei ihm bittere Enttäuschung hervorrief und in Finsterbergen entsprechende, vielleicht auch schiefe Vergleiche und Äußerungen auslösten, kann ich nachvollziehen. Wenn ihre ‚Zitate‘ stimmen, gefallen sie mir auch nicht. Im Interesse nicht nur des Seniorenschachs müssen die öffentlichen "Schlammschlachten" aber aufhören.

Mögen es der alte oder andere Seniorenreferenten in Zukunft besser machen.

Mit freundlichen Grüßen
Hanno Dürr, Präsident Schachverband Württemberg e.V.

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