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Gespräch mit Dr. Dirk Jordan

Dr. Dirk Jordan als Kommentator des Wettkampfes "Alt-Internationale gegen Jugend-Nationalmannschaft" im Promenaden-Hauptbahnhof Leipzig.

Dr. Jordan, Sie sind der Schachöffentlichkeit als Organisator und Ideengeber des Dresdner Schachfestivals und der Deutschen Schach-Amateurmeisterschaft RAMADA-TREFF Cup³ bekannt. Kürzlich traten Sie als Teamchef des Infineon-Schach-Juniorteams Dresden vor die Presse, managen die Auftritte von Elisabeth Pähtz und gehören u.a. zum Bekanntenkreis von Garry Kasparow. In der Bundesliga haben Sie erfolgreich gespielt, bei Blitzturnieren lassen Sie auch schon mal renommierte Großmeister hinter sich und sind auch im Nachwuchsförderung Schach e.V. (Verein zur Förderung der Spitzentalente des Schachsports) aktiv. Sie sind verheiratet, haben drei Töchter und sind - vermutlich als Hobby - voll berufstätig. Kommen Sie eigentlich noch zum schlafen?

Dr. Jordan: (lacht) Danke der Nachfrage. Ja. Aber die Nächte werden kürzer. Gerade jetzt, wo mich die Organisation der Qualifikationsturniere zur Amateurmeisterschaft und vor allem unser bevorstehender Dresdner Porzellan-Cup Anfang Januar 2003 stark in Anspruch nehmen.

Unser Bundestrainer Uwe Bönsch sagte mir kürzlich, dass Sie beim nächsten Dresdner Porzellan-Cup - neben einem üppigen und bemerkenswert strukturierten Preisfonds - insbesondere eine interessante neue Turnierform durchführen wollen?

Dr. Jordan: Ja, Sie haben recht, wir haben einen Preisfonds von über 10.000 € für ein zweitägiges Schnellschachturnier. Davon sind ca. 50% für die ersten zehn Plätze reserviert. Darüber hinaus loben wir für 6 DWZ-Kategorien in drei Altersklassen (U20, 20-40, Ü40) jeweils drei Preise (100 €, 80 €, 60 €) aus. Das gibt insgesamt 64 Geldpreise!

Die Anzahl der Schachfelder. Wieder ein kleines Zahlenspiel, wie Sie uns schon mit der 5³-Idee überrascht haben. Und welche neue Turnierform wollen Sie nun ins Leben rufen?

Dr. Dirk Jordan im Gespräch mit Ernst Bedau (links)

Dr. Jordan: Vor etwa einem Jahr diskutierten wir in einem Gespräch mit Uwe Bönsch das Phänomen, dass international - denken Sie bitte an die WM-Zyklen - immer öfter im K.o.-Modus gespielt wird. Dagegen werden in Deutschland die Sieger selten im K.o.-System ermittelt. Da es für unsere Spieler vorteilhaft sei, dies in Deutschland mehr "zu trainieren", regte der Bundestrainer an, ein größeres Turnier im K.o.-System durchzuführen, welches aber den Nachteil der vielen früh ausscheidenden Spieler vermeidet.

Haben Sie denn schon Erfahrungen mit K.o.-Systemen?

Dr. Jordan: Beim Dresdner Porzellan-Cup spielen wir die TOP-Gruppe (8 eingeladene Spieler, dreimaliger Sieger Alexei Shirov) schon seit 6 Jahren im K.o.-Modus. Wir experimentierten auch schon ein bisschen, z.B. mit Doppel-K.o. (analog Tischtennis).

Das kenne ich. Ich verliere zuerst am Brett und hinterher - dank der Informationen meines Partners - auch noch in der Analyse. Quasi zwei Mal. Aber das haben Sie vermutlich nicht gemeint. Wie experimentierten Sie? Waren Sie mit dem K.o.-System à la Wimbledon nicht zufrieden?

Dr. Jordan: Nun, neben den vorhandenen Vorteilen, dass es publikums- und pressewirksam
- in jeder Runde stets Sieger und Verlierer gibt;
- die in den letzten Runden nicht unüblichen schnell leeren Bretter vermieden werden;
- das Finale der beiden Spitzenspieler des Turniers den Sieger ermittelt;
gibt es für größere Turniere einen nicht zu unterschätzenden, erheblichen Nachteil. Dieser besteht darin, dass in der ersten Runde 50% der Spieler "nach Hause fahren" in der zweiten Runde sich das Feld noch mal halbiert usw. Das bedeutet z.B., dass im klassischen K.o. nach zwei Runden 75% der angetretenen Teilnehmer nicht mehr dabei sind.

Wie wollen Sie diesen Nachteil nun beheben?

Dr. Jordan: Der Ansatz einer Lösung liegt im Schach nicht so fern. Wir besitzen mit dem Schweizer-System ein anerkanntes und erprobtes Verfahren. Kombiniert man das K.o.-System nun geschickt mit dem Schweizer-System, kann man unseres Erachtens die Vorteile des K.o.’s nutzen und die Nachteile vermeiden.

Könnten Sie uns dies bitte kurz an einem Beispiel erklären!

Dr. Jordan: Gern. Nehmen wir ein Turnier mit z.B. 128 Teilnehmern. In der ersten Runde spielen alle im K.o.-System. Nr.1 - Nr. 65, Nr. 2 - Nr. 66, ... . Es gibt 64 Sieger (bei Remis über Stechen) und 64 Verlierer. Die Sieger ergeben neue 32 Paarungen und im klassischen K.o. geht es bis ins Finale. Parallel dazu spielen die 64 Verlierer in einem Schweizer-System die 2. Runde. In der dritten Runde stoßen die Verlierer der 2. Runde des K.o.’s hinzu usw.

Da ist doch aber noch einiges zu beachten. 128 Teilnehmer ist als Potenz von 2 gerade eine optimale Teilnehmerzahl; wie verhält es sich mit anderen Konstellationen, insbesondere wieviele Runden sind bei unterschiedlichen Teilnehmerzahlen notwendig; mit wieviel Punkten gehen die Verlierer der einzelnen Runden ins Schweizer System, Farbverteilung, Wertungen und etliches mehr?

Dr. Jordan: Natürlich haben Sie recht. Als erstes haben wir die Probleme mathematisch aufbereitet und uns dann mit Herrn Weber (SwissChess) einen kompetenten Fachmann für die Auslosungs- und wertungstechnische, schachliche Umsetzung an die Seite geholt. Er hat ein entsprechendes Programm erarbeit. Die Details führen hier aber bestimmt zu weit. Gern verweisen wir auf unsere Internetseite: www.schachfestival.de oder wer noch genaueres wissen will, kann uns gerne anrufen: 0351-4161629

Das klingt sehr interessant. Kann man bei der Premiere dieses Systems noch teilnehmen?

Dr. Jordan: Aber gern. Wir freuen uns auf viele Schachspieler zum Dresdner Porzellan-Cup vom 3.-4.01.2003 und dem Blitzturnier am 05.01.

Schachfreund Dr. Jordan, vielen Dank für das Gespräch.

Norbert Heymann,
Jahrgang 1959, war bis 2005 Referent für Öffentlichkeitsarbeit im Deutschen Schachbund.

 

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