Internationaler Schachkongress Hastings 1895

5. August 1895 – 2. September 1895

Pl. Spieler Land Pkt. 1 2 3 4 5 6 7 8 9 0 1 2 3 4 5 6 7 8 9 0 1 2
1. Harry Pillsbury 16,5 x 0 0 1 1 1 1 1 0 ½ ½ 1 1 1 1 1 1 ½ 1 1 1 1
2. Michail Tschigorin 16,0 1 x 1 1 0 0 1 1 1 1 ½ 0 1 1 1 ½ ½ 1 1 ½ 1 1
3. Emanuel Lasker ENG 15,5 1 0 x 0 1 1 0 1 1 0 1 1 ½ 1 1 1 ½ 1 1 ½ 1 1
4. Siegbert Tarrasch 14,0 0 0 1 x 1 1 ½ 0 ½ 1 1 1 0 1 ½ 1 1 1 0 ½ 1 1
5. William Steinitz 13,0 0 1 0 0 x 1 1 ½ ½ 1 1 0 1 ½ 1 0 1 1 0 ½ 1 1
6. Emanuel Schiffers 12,0 0 1 0 0 0 x ½ ½ 0 1 1 1 ½ ½ 1 1 0 ½ 1 ½ 1 1
7. Curt von Bardeleben 11,5 0 0 1 ½ 0 ½ x ½ ½ 0 0 ½ 1 1 1 ½ ½ 1 1 1 0 1
7. Richard Teichmann 11,5 0 0 0 1 ½ ½ ½ x ½ 0 0 ½ 1 1 0 1 ½ 1 ½ 1 1 1
9. Carl Schlechter 11,0 1 0 0 ½ ½ 1 ½ ½ x ½ ½ 0 1 1 ½ ½ ½ ½ ½ ½ 1 0
10. Joseph Henry Blackburne ENG 10,5 ½ 0 1 0 0 0 1 1 ½ x 0 1 0 1 0 ½ 1 0 1 0 1 1
11. Carl August Walbrodt 10,0 ½ ½ 0 0 0 0 1 1 ½ 1 x 0 ½ 0 ½ ½ 0 ½ ½ 1 1 1
12. David Janowski 9,5 0 1 0 0 1 0 ½ ½ 1 0 1 x ½ 0 0 ½ 0 1 ½ 1 0 1
12. James Mason ENG 9,5 0 0 ½ 1 0 ½ 0 0 0 1 ½ ½ x 1 0 1 ½ 0 1 1 0 1
12. Amos Burn ENG 9,5 0 0 0 0 ½ ½ 0 0 0 0 1 1 0 x 0 ½ 1 1 1 1 1 1
15. Isidor Gunsberg ENG 9,0 0 0 0 ½ 0 0 0 1 ½ 1 ½ 1 1 1 x 0 1 ½ 0 1 0 0
15. Henry Bird ENG 9,0 0 ½ 0 0 1 0 ½ 0 ½ ½ ½ ½ 0 ½ 1 x 1 ½ 0 ½ ½ 1
17. Adolf Albin 8,5 0 ½ ½ 0 0 1 ½ ½ ½ 0 1 1 ½ 0 0 0 x 0 0 1 1 ½
17. Georg Marco 8,5 ½ 0 0 0 0 ½ 0 0 ½ 1 ½ 0 1 0 ½ ½ 1 x 1 1 0 ½
19. William Pollock 8,0 0 0 0 1 1 0 0 ½ ½ 0 ½ ½ 0 0 1 1 1 0 x 0 0 1
20. Jacques Mieses 7,5 0 ½ ½ ½ ½ ½ 0 0 ½ 1 0 0 0 0 0 ½ 0 0 1 x 1 1
20. Samuel Tinsley ENG 7,5 0 0 0 0 0 0 1 0 0 0 0 1 1 0 1 ½ 0 1 1 0 x 1
22. Beniamino Bergani 3,0 0 0 0 0 0 0 0 0 1 0 0 0 0 0 1 0 ½ ½ 0 0 0 x

Die angezeigten Flaggen-Icons entsprechen nicht dem historischen Stand

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A04

Bericht in der "Berliner Illustrirten Zeitung"

Berliner Illustrirte Zeitung vom 22.09.1895

Vom 5. August bis zum 3. September waren die Augen der internationalen Schachwelt auf die kleine Stadt Hastings in England gerichtet, die ihre weltgeschichtliche Berühmtheit von dem Siege Wilhelms des Eroberers über König Harald herdatirt. Aber diesmal war es ein friedlicher Kampf, der hier ausgefochten wurde: die Meister des Schachspiels aus allen Ländern der Welt hatten sich eingefunden, um in dem "königlichen" Spiel gegenseitig ihre Kräfte zu erproben. Folgende Meister waren erschienen: Albin (Amerika), Bird (England), Burn (England), Janowski (Frankreich), Mieses (Deutschland), Marco (Oesterreich), Pollock (Kanada), Schlechter (Oesterreich), Dr. Tarrasch (Deutschland), Tinsley (England), Bergani (italien), v. Bardeleben (Deutschland), Blackburne (England), Gusnberg (England), Lasker (England), Mason (England), Pillsbury (Amerika), Schiffers (Rußland), Steinitz (Amerika), Tschigorin (Rußland), Teichmann (England), Walbrodt (Deutschland).

Die Bedingungen waren folgende: Jeder Spieler mußte mit jedem anderen Theilnehmer eine Partie spielen. Die Reihenfolge und die Paarung der Spieler wurde durch das Loos bestimmt. Spielzeit war von 1 bis 5 Uhr Mittags und von 7 bis 10 Uhr Abends. In den ersten beiden Stunden mußten 30 Züge gemacht werden, in jeder folgenden Stunde 15 Züge. Der Spieler, welcher die Zeit überschritt, verlor die Partie. Die Preise waren folgende: 1. Preis 3000 Mk., 2. Preis 2300 Mk., 3. Preis 1700 Mk., 4. Preis 1200 Mk., 5. Preis 800 Mk., 6. Preis 600 Mk., 7. Preis 400 Mk. Außerdem erhielt jeder Nichtpreisträger als Entschädigung für jede gewonnene Partie 20 Mk.; war sie gegen den 1., 2. oder 3. preisträger gewonnen, so erhielt der Betroffene für eine solche Partie 40 Mk.

Wie man aus der angeführten Theilnehmerliste ersieht, waren die bekanntesten und stärksten Matadore des Schachspiels nach hastings geeilt. Da war der alte Steinitz aus New York, der, obwohl er vor zwei Jahren gegen Emanuel Lasker den Meisterschaftstitel der Welt verlor, doch noch immer als einer der ersten Spieler gilt und von dem man auch diesmal viel erwartete; da war Lasker selbst, der zum ersten Mal seit seinem Siege über Steinitz wieder in die Arena des Wettkampfes trat; da war Dr. Tarrasch aus Nürnberg, der deutsche Meisterschaftsspieler, Tschigorin, der geniale Russe mit dem leidenschaftlichen Temperament, der zähe Berliner Walbrodt - Namen von allerbestem Klange in der Schachwelt, denen sich die anderen würdig anreihten. Einer von den erstgenannten, so erwartete man allgemein, würde den ersten Preis an sich fesseln. Aber man täuschte sich. Der junge Amerikaner Pillsbury, der zwar in seiner Heimath schon manchen schönen Erfolg errungen, dessen Name aber in weiteren Schachkreisen nicht sehr bekannt war, schwang sich zum Matador des Wettkampfes auf und errang sich mit 16½ Gewinnpartien den ersten Preis. Fortan wird der Name dieses Dreiundzwanzigjährigen als der eines der ersten Meister des Schachspieles genannt werden.

Die Reihenfolge der Sieger ist folgende: Pillsbury (1. Preis 3000 Mk.) 16½, Tschigorin (2. Preis 2300 Mk.) 16, Lasker (3. Preis 1700 Mk.) 15½, Dr. Tarrasch (4. Preis 1200 Mk.) 14, Steinitz (5. Preis 800 Mk.) 13, Schiffers (6. Preis 600 Mk.) 12, v. Bardeleben und Teichmann (7. Preis 400 Mk.) 11½, Schlechter 11, Blackburne 10½, Walbrodt 10, Mason, Burn, Janowski 9½, Gunsberg, Burn 9, Marco, Albin 8½, Pollock 8, Tinsley, Mieses 7½, Bergani 3.

Unser nach der Natur gezeichnetes Bild stellt eine Partie zwischen Dr. Lasker und Pillsbury dar, welche mit einem Siege des letzteren endigte.

Zeitungsausschnitt

Das Faksimile wurde uns zur Verfügung gestellt von Ulf Czellnik vom Spiegel-Antiquariat. Vielen Dank!

www.spiegel-antiquariat.de www.historische-magazine.de

Die erwähnte Zeichnung entsprang wohl größtenteils der Phantasie des Künstlers. Die beiden Protagonisten der Partie sind als solche zu erkennen. Aber das war es wohl auch schon:

  • Die Stellung auf dem Brett gab es nie in der realen Partie.
  • Pillsbury scheint mit Weiß zu spielen, hatte aber in Wirklichkeit Schwarz.
  • Das Brett ist um 90 Grad gedreht und steht falsch. Unten links muß jeder Spieler ein dunkles Feld haben (h8 bzw. a1). Bei Lasker ist das Feld aber hell.
  • Lasker gewann die Partie und nicht Pillsbury.

Frank Hoppe