Was ist die Summe aus 2 und 4?

Verbandsgerichtsentscheidungen Schachsport

Spielaufnahme trotz fehlender Aufstellung

Sachverhalt: Im Bayerischen Schachbund wurde ein Jugend-Wettkampf ausgetragen, ohne das zuvor die Aufstellungen schriftlich erfaßt wurden. Im Nachhinein wurde durch die Berichterstattung im Internet ein Aufstellungsfehler bemerkt, woraufhin das Ergebnis durch den Bezirksjugendleiter korrigiert wurde. Das Verbandsgericht des Bayerischen Schachbundes hob diese Entscheidung wieder auf und setzte den Wettkampf neu an.

Fundstelle: Anonymisierter Beschluß des Bayerischen Schachbundes vom 24. April 2014

DSB-Schiedsgericht hebt Sperre für Falko Bindrich auf

Am 2. Mai 2013 hat das Schiedsgericht des Deutschen Schachbundes die vom Präsidium im Namen des DSB gegen Falko Bindrich verhängte Spiel- und Funktionssperre von 2 Jahren aufgehoben. Nach Auffassung des Gerichts unterlag Falko Bindrich nicht dem Sanktionsrecht des Deutschen Schachbundes, sondern nur dem Sanktionsrecht des Schachbundesliga e. V.. Dessen Satzung sieht jedoch keine Sperren vor, da diese lediglich für den Bereich der Bundesliga Geltung entfalten könnten.

Telefonische Remisvereinbarung eines Mannschaftskampfes

Wertung 0:0 MP – 0:0 BP, Geldbuße wegen Nichtantritts, Geldstrafe wegen unsportlichem Verhalten, Spielsperre für Mannschaftsführer

In einem Mannschaftskampf hatten die Mannschaftsführer telefonisch ein 4:4 unentschieden und ein Remis an allen Schachbrettern abgesprochen. Der Mannschaftskampf fand nicht statt. Der Vorgang wurde publik. Der Staffelleiter hatte keinen Anlass gesehen, eine Sanktionsmaßnahme zu ergreifen. Er fand dafür keine Rechtsgrundlage in den Ordnungen des Thüringer Schachbundes. Der Landesspielleiter hob diese Entscheidung auf und entschied:

  1. Wettkampfwertung mit 0:0.
  2. Beide Mannschaften erhalten 0 Mannschafts- und 0 Brettpunkte.
  3. Beide Mannschaften werden mit einer Ordnungsgebühr belegt.
  4. Alle betroffenen Spieler beider Mannschaften wurden mit einer 4-monatigen Spielsperre bestraft.

Das Schiedsgericht des Thüringer Schachbundes bestätigte im Wesentlichen diese Entscheidung. Eine Spielsperre wurde jedoch nur gegen die Mannschaftsführer verhängt, nicht gegen die Spieler, weil dies unverhältnismäßig sei. Zur Begründung führt das Thüringer Schiedsgericht aus, dass die telefonische Absprache eines dann nicht stattfindenden Mannschaftskampfes ein unsportliches Verhalten darstellt und somit nach den einschlägigen Vorschriften des Thüringer Schachbundes bestraft werden muss. Insbesondere verneint das Thüringer Schiedsgericht ein Gewohnheitsrecht dahingehend, dass es schon immer Praxis gewesen sei, dass, insbesondere in der letzten Spielrunde, die Ergebnisse von Mannschaftskämpfen am Telefon abgesprochen worden seien.

Fundstelle: Archiv Thüringer Schachbund

Ein Schachspieler kann nur von demjenigen Disziplinarorgan bestraft werden, das für den Spielbetrieb zuständig ist, an dem der Schachspieler teilgenommen hat

Sachverhalt: Der Spieler A hat an einem Mannschaftskampf der Oberliga teilgenommen. Im selben Raum fand zeitgleich eine Begegnung der 2. Schach-Bundesliga statt. Spieler A, zugleich Mannschaftsführer seiner Mannschaft, erhielt von dem zuständigen Schiedsrichter eine Disziplinarstrafe wegen eines strittigen Fehlverhaltens. Daraufhin wurde er vom Bundesturnierdirektor mit einer Sanktion bestraft.

Diese Entscheidung des Bundesturnierdirektors hob das DSB-Schiedsgericht auf. Da der Spieler bei seinem Verstoß an einem Mannschaftskampf der Oberliga teilgenommen hatte, unterliegt er der Strafgewalt des Trägers dieser Oberliga. Da der DSB mit der Oberliga nichts zu tun hatte, kam also eine Bestrafung durch ein Organ des DSB nicht in Betracht. Die vom Bundesturnierdirektor verhängte Geldbuße musste daher nicht bezahlt werden.
Das vom Turnierdirektor parallel dazu verhängte Verbot gegenüber Spieler A, sich für eine bestimmte Anzahl von Spielen nicht in Räumen aufhalten zu dürfen, in denen Spiele der 2. Bundesliga stattfanden, war allerdings wirksam. Hier konnte der DSB durch den Bundesturnierdirektor tätig werden, da es sich bei der 2. Bundesliga um eine DSB-Veranstaltung handelte.

Fundstelle: Beschluss DSB-BTG vom 30.03.2006, Archiv DSB

Verlegung eines Mannschaftskampfes in ein anderes Spiellokal

  1. Wettkämpfe sind grundsätzlich in dem Spiellokal auszutragen, das vom Gastgeber angegeben und im Turnierheft für die jeweilige Spielzeit ausgedruckt ist.
  2. Änderungen des Spiellokals sind zulässig, müssen allerdings allen Beteiligten (Gruppenleiter, Schiedsrichter, Gastmannschaft) rechtzeitig mitgeteilt werden.
  3. Der gastgebende Verein trägt das Risiko dafür, dass die Spiellokaländerung den Beteiligten rechtzeitig zugegangen ist.

Sachverhalt: In einem Wettkampf der 2. Schach-Bundesliga stand Gastgeberverein A sein traditionelles Spiellokal nicht zur Verfügung. Gastgeberverein A besorgte ein neues Spiellokal und unterrichtete darüber nach seiner Darstellung Gruppenleiter, Schiedsrichter und Gastmannschaft. Die Gastmannschaft traf pünktlich ein, allerdings am alten Spiellokal. Der Mannschaftsführer der Gastmannschaft behauptete später, von einer Lokalverlegung nichts gewusst zu haben. Es gab verschiedene Versuche, das richtige Spiellokal in Erfahrung zu bringen und dort anzutreten. Diese Versuche scheiterten aus Gründen, die zwischen den Beteiligten strittig sind. Im Endergebnis trat die Gastmannschaft nicht zum Spiel in dem geänderten Spiellokal an. Der Schiedsrichter erklärte den Wettkampf für die Gastmannschaft wegen Nichtantritts für verloren. Dagegen legte die Gastmannschaft Protest ein mit der Begründung, ihr sei ein Schreiben mit der Verlegung des Kampfes in ein anderes Spiellokal nie zugegangen. Im Protestverfahren hob das DSB-Bundesturniergericht die Entscheidung des Schiedsrichters auf und erklärte den Mannschaftskampf für die Gastgebermannschaft mit 0:8 verloren.

Entscheidungsgründe: Nach Auffassung des Bundesturniergerichts ist ein Gastgeberverein, der einen Mannschaftskampf in ein anderes Spiellokal verlegt, voll dafür beweispflichtig, dass die Beteiligten (Gruppenleiter, Schiedsrichter und Gastmannschaft) von der Verlegung unterrichtet werden. Nachdem der Mannschaftsführer des Gastvereins bestritten hatte, ein entsprechendes Schreiben des Gastgebervereins erhalten zu haben und der Gastgeberverein den Zugang des Schreibens an den Mannschaftsführer des Gastvereins nicht beweisen konnte, blieb der Gastgeberverein beweisfällig. Das Bundesturniergericht legte daher die Turnierordnung so aus, dass der gastgebende Verein nicht angetreten war und dieser somit den Wettkampf mit 0:8 verloren hatte.

Fundstelle: Archiv des DSB

Handyklingeln

Entscheidungsgründe: Hier die wichtigsten Entscheidungsgründe dieser hoch interessanten Verbandsschiedsgerichtsentscheidung:

1. Grundsatz: Verlust bei Handyklingeln
Zunächst kam das Verbandsschiedsgericht zu dem Ergebnis, dass Handyklingeln grundsätzlich zum Partieverlust für den Spieler führt, dessen Handy klingelt. Es kommt nicht darauf an, welche Handyfunktion das Klingeln auslöst. Einem Schiedsrichter kann nicht zugemutet werden, beim Läuten eines Mobiltelefons nach dessen Ursachen zu fahnden. Der Spieler trägt also immer das Risiko eines klingelnden Handys, wenn er dieses mit ins Spiellokal bringt.

2. Gegner des „Handyklinglers“ gewinnt nicht automatisch
Mit dem Partieverlust für den Spieler, dessen Handy klingelt, ist aber nicht automatisch ausgesagt, dass der Gegner den vollen Punkt erhält. Der Schiedsrichter kann auch je nach den Umständen des Einzelfalls auf ½:0 oder 0:0 entscheiden. Dies ergibt sich aus FIDE-Regel 12.2 b.

3. Zum Ermessen des Schiedsrichters
Ein Schiedsrichter, der irrig davon ausgeht, er müsse bei Handyklingeln dem Gegner automatisch den Siegespunkt zusprechen, handelt ermessensfehlerhaft. Seine Entscheidung ist mit dieser pauschalen Begründung nicht Rechtens. Vielmehr muss der Schiedsrichter genau darlegen, welche Partiewertung er dem Gegner zuschreibt und dies begründen.

4. Sonderfall bei Remisstellungen
Der Umstand, dass Spieler A durch Zugwiederholung das Remis hätte erzwingen können, führt nach Auffassung des Verbandsschiedsgerichts nicht dazu, dem Gegner von Spieler A nur den halben Punkt zuzusprechen. Spieler A stand nämlich in dieser Situation, wie sich herausgestellt hatte, auf Gewinn. Spieler A wartete nur deshalb mit dem zur Stellungswiederholung führenden Zug zu, weil noch eine andere Partie im Gange war. Er wollte den Ausgang dieser Partie abwarten, um dann entscheiden zu können, ob er das sofortige Remis erzwingt oder weiter und auf Gewinn spielt. Aus diesem Grund folgte das Verbandsschiedsgericht der Argumentation von Spieler A nicht, dass seine Partie zum Zeitpunkt des Handyklingelns zwingend zum Remis geführt hätte, weil Spieler A zu diesem Zeitpunkt ja nicht wissen konnte, wie sich die andere Partie weiter entwickeln würde und sich durchaus die Konstellation hätte ergeben können, dass Spieler A seine Partie hätte fortsetzen können oder müssen. Zumindest, so das Verbandsschiedsgericht, sei eine solche Auslegung nicht ermessensfehlerhaft und der Schiedsrichter habe insoweit bei seiner Beurteilung einen Ermessensspielraum entsprechend der FIDE-Regel: „Die Schachregeln können nicht alle Situationen erfassen, die sich im Laufe einer Partie ergeben. Sie setzen unter anderem voraus, dass die Schiedsrichter ihr gesundes Urteilsvermögen einbringen. Ihre Aufgabe ist es, mit Hilfe des Regelwerks eine sportliche, logische und den speziellen Gegebenheiten angemessene Lösung zu finden.“

5. sonstige Ausnahmefälle
Schließlich wies das Schiedsgericht noch darauf hin, dass die Handyregelung nicht dazu führen dürfe, dass ein Spieler den ganzen Punkt erhält, wenn er z. B. mit König und einem einzigen Bauern auf dem Ausgangsfeld gegen König, Dame und Turm seines Gegners kämpfen würde. Damit würde ein ganzes Turnier verfälscht. Dies könne nicht im Sinne einer solchen Regelung sein.

Fundstelle: Archiv des DSB

Kann nach Zeitüberschreitung noch ein Remis vereinbart werden? Innerhalb welcher Frist nach Feststellung der Zeitüberschreitung hat ggf. eine Remisvereinbarung zu erfolgen?

Bei Spieler A war bereits die Zeit abgelaufen. Spieler B hatte dies allerdings noch nicht bemerkt. Spieler A bot Remis an. B nahm an. Nachdem B erfuhr, dass A bereits die Zeit überschritten hatte, reklamierte er den Gewinn. In I. Instanz entschied die Leitung des Schweizerischen Bundesliga auf Sieg für B. Das Schweizer Verbandsschiedsgericht sah die Rechtslage jedoch anders. Es blieb beim Remis.

Die FIDE-Regeln sind in dieser Frage nicht eindeutig (vgl. 6.10). Beim Schachspiel befindet sich die Verfügungsmacht über die Partie (im Gegensatz zu anderen Sportarten) in den Händen der Spieler. Sie können sich jederzeit auf Remis einigen oder auch die Partie aufgeben. Der Schiedsrichter hat eine eher passive Rolle und entscheidet im Normalfall lediglich auf Protest hin. Wenn die Spieler sich auf Remis einigen, dann gilt dies. Allerdings muss die Remisübereinkunft am Brett erfolgen. Zwischen der Feststellung der Zeitüberschreitung und dem Remisangebot dürfen nur einige Augenblicke verstreichen (2 – 3 Minuten).

Fundstelle: Rechtsarchiv DSB